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Herbert Hofer, Biolandwirt und Waldbauer in Röhrawiesen, Niederösterreich

Walter Zschokke
Erschienen in
Zuschnitt 24: vorläufig nachhaltig
Dezember 2006, Seite 10ff

Von welcher Art ist hier der Wald?

Hofer: Es ist eine ausgesprochene Mischwaldgegend: südseitig Eiche und Hainbuche und nordseitig Fichte, Tanne, Buche. Insgesamt kommen 20 Baumarten vor bzw. 27, wenn wir die verschiedenen Ahorne und Eichen rechnen. Ich kaufe Flächen dazu, die oft schon 30 Jahre nicht gepflegt wurden. Solche Flächen, in die schon lange niemand hineingeschaut hat, sind ökologisch am interessantesten. Voriges Jahr haben wir ein Tannenprojekt gestartet.

Sie haben hier (Weiß)Tannen? Das überrascht mich, denn jedes Mal, wenn wir für einen Innenausbau Tanne haben wollten, hatten wir in Wien große Schwierigkeiten, welche zu bekommen.

Etwa 20% der Bäume hier sind Tannen. Es ist durchaus möglich, auf Bestellung eine oder mehrere Tannen zu schlagen, und mit den heutigen ausgeklügelten Trocknungsverfahren steht das Holz dem Tischler in wenigen Wochen zur Verfügung. In unserer Gegend ist die Naturverjüngung der Tanne gut, leider hat der Wildverbiss in letzter Zeit zugenommen. Aber man muss für die Tiere auch Verständnis haben. Mit den großen Erntemaschinen sind oft in einer einzigen Nacht 10ha Mais verschwunden. Das irritiert sie natürlich. Wir treffen daher gezielte Schutzmaßnahmen.

Welches sind die konkreten Arbeitsziele für Ihren Wald?

Schwerpunkt ist die mittel- und langfristige Schaffung mehrschichtiger Bestände, was wir Plenterwald nennen. Nachhaltig wirtschaften heißt für mich nicht nur, zu entnehmen, was zuwächst, sondern auf Wertsteigerung und Zuwachs in den Beständen zu achten. Mehrere verschiedene Baumarten stellen einen höheren Wert dar als eine Monokultur. Zwar bedeutet es mehr Arbeit und Belastung, aber es ist leichter möglich, auf neue Entwicklungen zu reagieren. So ernten wir seit zwei Jahren Kiefernstarkholz, das wir an die Sägerei von Stift Heiligenkreuz liefern. Die verschiedenen Baumarten selektieren wir auf wertvolle Stämme und auf solche mit entsprechendem Potenzial. Für die Wertholzproduktion machen wir Wertastung und Formschnitt, beispielsweise Entzwieseln bei Kirschen. Wegen einer Jahrhunderte dauernden Streunutzung von Laub und Nadeln für die Viehwirtschaft ist der Boden oft mager. Das sind heute Kiefernstandorte. Auf solchen Flächen setzen wir teils auf Naturverjüngung von Laubbäumen und Tannen. Bei starker Besonnung oder Wildverbiss pflanzen wir heimische Lärchen, auch Douglasien oder die raschwüchsige, schädlingsresistente Küsten- oder Riesentanne. Außer bei der Tanne haben wir daher keine reinen Bestände.

Wie organisieren Sie die Arbeit im Wald?

Wir sind ein Dreigenerationenbetrieb. Der Vater ist 65, ich bin knapp 40, mein Sohn ist 14 Jahre alt. Das meiste machen wir selbst mit Traktor und Seilwinde oder Krananhänger, wobei wir ein ausgeklügeltes Rückegassennetz haben. Für einen Monat haben wir auch schon einen Harvester gemietet. Bei der Pflanzung oder beim Zaunbau suche ich Helfer. In anspruchsvollen Fällen bekomme ich Hilfe von Freunden. Das wird dann wieder zurückgearbeitet. Wir haben auch einen Maschinenring. Darüber hinaus geht es um gegenseitige Information und die Optimierung von Kleinflächen.

Wie nützen Sie den jüngsten Anstieg der Holzpreise?

Wir hatten noch viel Altholz zum Aufarbeiten, und zwei Mal gab es einen Raureifbruch. Da mussten wir mehr nutzen als nachhaltig wäre. Jetzt können wir mehr wachsen lassen, Starkholz und Wertholz sowie mehr Fichte entnehmen. Auf der Laubholzsubmission in Heiligenkreuz erzielen Vogelaugen- oder Riegelahorn die höchsten Preise.

Sehen Sie bei der Nachhaltigkeit auch noch andere Seiten?

Für mich ist Nachhaltigkeit ein Lebensprinzip. Ich engagiere mich in verschiedenen öffentlichen Funktionen für eine nachhaltige Waldwirtschaft. Aber man soll von anderen nicht mehr verlangen, als man von sich selber verlangen kann. Denn alles was man tut, ob es gut oder schlecht war, kriegt man irgendwann zurück.

Sie arbeiten gern im Wald und mit Bäumen?

Ja, und was schwierig ist, macht mir am meisten Freude: die geistige und körperliche Herausforderung.

Herbert Hofer verfügt über Meisterausbildungen in Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Forstgarten- und Forstpflegewirtschaft. Als Waldpädagoge macht er Führungen und ist Ausbildner für Forstfacharbeiter. 2005 erhielt er den Staatspreis für beispielhafte Waldwirtschaft. Neben 63ha Ackerland, die biologisch bewirtschaftet werden, gehören zum Hof 42ha Wald, verteilt auf 28 Teilflächen und drei Gemeinden. Etwa zwei Drittel wurden seit 1999 dazu gekauft.