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Die steigenden Möglichkeiten der Vorfertigung oder der Digitalisierung im Planungsprozess, aber auch das hohe Sicherheitsniveau in Sachen Brandschutz, machen das Tempo der Entwicklungen im Holzbau so rasant. Architekt und Bauingenieur Wolfgang Winter (Vorstand am Institut für Architekturwissenschaften der TU Wien) erwähnte diesbezüglich exemplarisch einen 30-geschossigen Wohnbau in Holz, den Architekt Michael Green auf der World Conference on Timber Engineering (WCTE) 2012 in Auckland vorgestellt hat.

Holzbauingenieure wie Hermann Blumer, der dem Beratungsunternehmen für Gebäude-Engineering Crèation Holz in Waldstatt in der Schweiz vorsteht, sind in diesem Innovationsprozess zentrale Impulsgeber. Hermann Blumer präzisierte vor allem Entwicklungen im Bereich der Verbindungstechniken mit dem Ziel, modulares Bauen allein in Holz zu bewerkstelligen. Mathias Heinz von pool architekten aus Zürich oder Reinhard Kropf von Helen & Hard aus Stavangar in Norwegen zum Beispiel zeigten in ihren Projekten eindrücklich, dass der Austausch und die enge Kooperationen mit dem Ingenieurswissen treibende Kräfte im Bauen mit Holz sind. Im Fall von Helen & Hard begleitete Hermann Blumer als Ingenieur Projekte im kleinen Maßstab, wie den Pavillon im Hof des Londoner Victoria & Albert Museum, wie ebenso Präzisionsbauten, so die Pulpit Rock Mountain Lodge oder den Eingangsbereich des I-Park Stavangar, beide in Norwegen. Matteo Scagnol von MODUS architects aus Brixen plädierte dagegen für das Bauen im Verbund: „Holz braucht Stahl und Stahl braucht Holz“ und zeigte dies in Gebäuden wie dem Bürogebäude für Ligno Alp in Brixen, dessen tragender Pfosten/Diele-Riegel-Wand eine expressive Holzfassade vorgesetzt wurde, oder dem Wohn- und Atelierhaus Kostner in Kastelruth.

Doch Bauen mit Holz ist jedoch nicht nur eine konstruktive Herausforderung, sondern vor allem eine bewusste Haltung, eine Verantwortung, die alle in einem Planungs- und Bauprozess Beteiligten gegenüber der Umwelt einnehmen. Das betrifft ökologische Vorteile, die der CO2-neutrale Baustoff mit sich bringt, wie gleichermaßen soziale und kulturelle Ansprüche, die an Gebäudeaufgaben gestellt werden. Das dokumentierte Simon Speiger von sps-architekten aus Thalgau mit dem Altersheim in Modulbauweise in Hallein, bei dem Holz vor allem eine adäquate Atmosphäre für den Lebensabend schafft. Ebenso verwendeten dRMM Architects Brettsperrholz in großem Maßstab bei der Kingsdale School in einem unterpriviligierten Viertel Londons. „Das war 2006 und somit das erste Mal, dass Brettsperrholz bei einem Schulbau in Großbritannien verwendet wurde,“ erzählte Alex de Rijke, einer der Gründungsmitglieder von dRMM Architects in London. Mit ihren nachfolgenden Bauten wurden das Londoner Büro zu Wegbereitern des Bauens mit Brettsperrholz in Großbritannien. Spektakulär eingesetzt zum Beispiel bei der 20 Tonnen schweren Stahl-Holz-Konstruktion des mobilen Daches im „Sliding House“ in Suffolk. pool architekten setzen Holz für die konsequente Umsetzung eines Gebäudes nach den Kriterien der 2000-Watt-Gesellschaft ein und blauraum architekten aus Hamburg nutzten den „leichten“ Baustoff Holz um durch die Aufstockung einer Siedlung das Gebäudevolumen zu verdoppeln sowie die Grünflächen zu erhalten.

Um die Entwicklungen im Bauen mit Holz weiterhin zukunftsweisend vorantreiben zu können, braucht es das Angebot von guten Ausbildungsstätten und einen kontinuierlichen Wissenstransfer. Österreich wird weiterhin eine zentrale Rolle dabei spielen: 2016 wird die World Conference on Timber Engineering (WCTE) im Kuppelsaal der TU Wien stattfinden.