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Chancen und Potenziale von mehrgeschossigem Holzbau in Wien

Abstract und Vortrag: Mark Gilbert

Modul I, Do., 6. September 2018, Einführung (Status quo mehrgeschossiger Holzbau)

Mark Gilbert ist Architekt in Wien und war von 2012 bis März 2018 Mitglied im Grundstücksbeirat des Wohnfonds Wien, dem Qualitätssicherungsgremium für Bauträgerwettbewerbe. Er berichtet davon, welche Chancen Holz im mehrgeschossigen Wohnbau hat.

Es gibt ein Interesse der Stadt Wien an Systembauweisen, die ökologisch und schnell zu errichten sind. Vor allem aufgrund der kurzen Bauzeit will die Stadt Wien den Systembau pushen: Zeit ist Geld und Zeit bedeutet mehr Wohnungen in kürzerer Zeit. Es gab in Wien bereits Bauträgerwettbewerbe, die gezielt für den Holzbau ausgelobt wurden:

  • Mühlweg (hier entstanden drei Wohnbauten von Hermann Kaufmann mit Johannes Kaufmann, Dietrich | Untertrifaller und Hubert Rieß)
  • Holz in der Stadt (im Zuge dessen sind die Wohnhausanlagen in der Wagramer Straße und Breitenfurter Straße entstanden)
  • H7A in Aspern (ein Bauträgerwettbewerb, der 2018 von der Betreibergesellschaft 3420 Aspern AG ausgelobt und entschieden wurde)

Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahren weitere Auslobungen dieser Art erscheinen werden.  

Eine weitere Chance für Holzbau im mehrgeschossigen Wohnbau sind allgemeine Bauträgerwettbewerbe. Hier ist es jedoch derzeit schwierig, einen Zuschlag für vorgefertigte Holzbausysteme zu bekommen, weil die Systeme meist keine ausreichende Ausnutzung der Bauplätze erlauben und die Kosten zu hoch sind. Um den Holzbau im mehrgeschossigen Bereich, vor allem im Wohnbau, besser positionieren und für ihn einen größeren Marktanteil gewinnen zu können, braucht es meiner Meinung nach Folgendes:

Geeignete Grundstücke

In meinen Jurorentätigkeiten habe ich immer wieder schöne Systembaulösungen gesehen, die aber die jeweilige städtebauliche Situation nicht optimal meistern konnten. Wir brauchen Grundstücke, die für Systembauten geeignet sind. Den Wettbewerb H7A in der Seestadt Aspern sehe ich als einen ersten Versuch, eine standardisierte Parzelle zu definieren, die für die Entwicklung von einer standardisierten Systemwohnbaulösung präzis ausgelegt ist.

Höhere geometrische Kompetenz der Systeme

Es ist wichtig, die geometrische Kompetenz der Bausysteme zu erhöhen, um diese besser an die jeweiligen Grundstücke anpassen zu können. Wir Planer müssen mit Firmen gezielt zusammenarbeiten, um diese Systeme so zu entwickeln, dass sie nicht nur flexibler in der Planung, sondern auch zu marktfähigen Baukosten realisierbar sind.

Kostensenkung

Um die Kosten senken zu können, bedarf es der Entwicklung von kostengünstigeren Bausystemen. Zudem ist es unentbehrlich, dass ein kompetenter Hersteller oder eine Holzbaufirma am Planungsprozess beteiligt ist.

Lobbying

Es ist wichtig, den Holzbau in den Diskurs einzubringen, um die Stadt Wien auf die Vorteile des Systembaus aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit der Industrie müssen wir Lobbying machen, damit sich gute Architektur und gute Systembauweisen durchsetzen.

Mark Gilbert

ist Architekt und führt gemeinsam mit Christian Aulinger das Architekturbüro trans_city. Von 2012 bis 2018 war er Mitglied im Grundstücksbeirat des Wohnfonds Wien.
trans-city.at/tc/

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