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Rechtliche Voraussetzungen (OIB), Regelwerke und Ausblick

Abstract und Vortrag: Rupert Wolffhardt

Modul V, Do., 25. Oktober 2018, Schallschutz

Rupert Wolffhardt ist Mitarbeiter der Holzforschung Austria. Er erklärt, wie die Werte für die Schallschutzanforderungen für Außenbauteile sowie für den Schallschutz innerhalb von Gebäuden zu ermitteln sind und welche gesetzlichen Grundlagen es dafür gibt.

Schallschutz von Außenbauteilen

Zum Außenlärmpegel zählt im Wesentlichen der Lärmpegel durch Auto-, Zug-, Luftverkehr und Betriebsanlagen. Beim maßgeblichen Lärmpegel ist zwischen Tag- und Nachtlärm zu unterscheiden. Den Außenlärmpegel kann man standortbezogen oder bauteillagebezogen ermitteln, wobei bei der Bildung gegebenenfalls Anpassungswerte zu berücksichtigen sind, wie der sogenannte Schienenbonus von –5 dB.

Eine standortbezogene Messung des Außenlärmpegels ist mithilfe folgender Methoden möglich:

  • durch ÖNORM B 8115-2 – hier sind Schalldämmwerte für die jeweiligen Baulandkategorien angegeben. Mithilfe des Flächenwidmungsplans kann man diese Baulandkategorien zuordnen. Diese Methode ist aber nur anwendbar, wenn in der Nähe keine anderen Lärmquellen vorhanden sind, die in Wahrheit einen höheren Pegel erwarten lassen, zum Beispiel eine Durchzugsstraße.
  • mittels Schallimmissionskarte, die es evtl. für den Standort gibt
  • mittels Schallsimulation. Dabei sind zur Berechnung spezifischer Schallquellen (Straßenverkehr, Schienenverkehr etc.) die in der Norm genannten Richtlinien zu beachten, z. B. jene des Österreichischen Arbeitsrings für Lärmbekämpfung, des Österreichischen Normungsinstituts (Austrian Standards) oder der Forschungsgesellschaft Straße – Schiene – Verkehr (FSV).
  • durch strategische Umgebungslärmkarten – diese können allerdings nur mit Einschränkungen herangezogen werden, weil sie nicht dazu erstellt werden, individuelle Lärmbelastungen zu beschreiben.
  • Messung vor Ort

Eine bauteilbezogene Messung des Außenlärmpegels ist mithilfe folgender Methoden möglich:

  • lagebezogene Abminderung gemäß ÖNORM B 8115 – Teil 2. Dabei ist u. a. Folgendes zu beachten:
    • offene Bebauung oder geschlossene Bebauung
    • strukturierte Fassaden (diese können durch Reflexion die schalltechnische Situation auch verschlechtern). Siehe ÖNORM EN 12354-3: 2000, Bild C2
    • Dachneigungen – der bauteilbezogene Außenlärmpegel ist abhängig von Gebäudehöhe, Dachneigung, Straßenbreite sowie einer etwaigen gegenüberliegenden Bebauung
  • standortspezifische Berechnungen in Form von Gebäudelärmkarten
  • Messung vor Ort
    An der OIB-Richtlinie 5, Ausgabe 2015, ist neu, dass die Schallschutzanforderungen in 1-dB-Schritten gestaffelt sind. Dadurch können sich gegenüber den Anforderungen der ÖNORM B 8115-2 geringere Anforderungen z. B. für Fenster ergeben. Anforderungswerte für Fenster gelten aber für das eingebaute Fenster inklusive Einbaufuge. Dabei gilt folgende Faustregel: Wenn das Fugendämmmaß das Schalldämmmaß des Fensterelements um 10 dB überschreitet, kann davon ausgegangen werden, dass das Schalldämmmaß auch im eingebauten Zustand erhalten bleibt. Dies gilt jedoch nur für bestimmte Einbausituationen im mineralischen Massivbau und ist generell von Fall zu Fall kritisch zu hinterfragen.

Schallschutz innerhalb von Gebäuden

  • siehe entsprechende Tabellen in ÖNORM B 8115-2 bzw. OIB-Richtlinie 5. Bei Büros, Praxen oder vergleichbaren Nutzungen geht man von einem Lärmpegel wie in Wohnungen aus. 55 dB sind die normalen Anforderungen für Wohnungstrennwände. Bei anderen Funktionen werden mindestens 70 dB Innenlärmpegel angesetzt.
  • Trittschallschutz – Beläge, die der Einrichtung zuzuordnen sind, dürfen nicht in die Berechnung einbezogen werden. Nur bei Beherbergungsstätten ist dies erlaubt.
  • Bei haustechnischen Anlagen aus anderen Einheiten werden folgende Werte gefordert:
    • 30 dB bei kurzzeitigen, schwankenden Geräuschen
    • 25 dB bei gleichbleibenden Geräuschen
  • Neu in der OIB RL 5 ist seit 2011, dass auch Lüftungsanlagen in der eigenen Einheit Lärmschutzanforderungen einhalten müssen. Je nach Nutzung werden folgende Maximalpegel gefordert:
    • Schutzziel Schlaf ≤ 25 dB (alle Aufenthaltsräume außer Küche)
    • Schutzziel Konzentration ≤ 30 dB
    Diese Anforderungen sind bei jenem Betriebszustand zu erfüllen, der erforderlich ist, um den hygienischen Luftwechsel sicherzustellen.
  • Gebäudetrennwände: Die erhöhten Anforderungen zwischen Reihenhauseinheiten gelten bereits ab zwei Einheiten. Dies wird seit Ausgabe 2015 der OIB-Richtline 5 explizit festgehalten.

Ausblick

Die ÖNORMEN B 8115-2 und B 8115-4 werden derzeit überarbeitet, auch um den Holzbau besser planbar zu machen. Einen Entwurf wird es 2019 geben.

Rupert Wolffhardt

ist Mitarbeiter der Holzforschung Austria. www.holzforschung.at

Kontakte

Holzforschung Austria
www.holzforschung.at

Richtlinien und Rechtsvorschriften


ÖNORM B 8115-2
Schallschutz und Raumakustik im Hochbau – Teil 2: Anforderungen an den Schallschutz, Wien 2006

ÖNORM EN 12354-3
Bauakustik – Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden aus den Bauteileigenschaften – Teil 3: Luftschalldämmung von Außenbauteilen gegen Außenlärm (ISO 12354-3:2017), Wien 2017

OIB-Richtlinie 5: Schallschutz, 330.5-002/15, Wien 2015

Richtlinien des Österreichischen Arbeitsrings für Lärmbekämpfung
Richtlinien und Regelwerke der Forschungsgesellschaft Straße – Schiene – Verkehr (FSV)

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