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Richtig geplant und richtig ausgeschrieben?

Daniel Bammer, Riepl Kaufmann Bammer Architektur

Modul I, Do., 11. April 2019, Prolog/Ausschreibung/Kosten

Architekt Daniel Bammer erzählt über Ausschreibung und Kosten aus der Praxis am Beispiel des Wohnbaus Paulasgasse und anderen.

Die Frage „Was macht den Holzbau teurer?“ wird immer wieder an uns herangetragen. Wir haben daher die Kosten für verschiedene Bauweisen (Vollholzkonstruktion, Mischbauweise und Massivbauweise) miteinander verglichen und sind zum Ergebnis gekommen, dass die Kosten derzeit annähernd gleich anzusetzen sind, immer vorausgesetzt, man vergleicht gleiche Qualitäten miteinander. Die reinen Kosten für den Holzbau nehmen einen Anteil von knapp 20 Prozent der Errichtungskosten ein. Dies ist unserer Erfahrung nach hauptsächlich durch zwei Bauelemente bedingt:

  • Deckenkonstruktion, z. B. eine Brettsperrholzdecke sowie Aufbauten, um die erforderlichen Schallschutzwerte zu erreichen
  • Stiegenhauskonstruktion, die aus Schallschutzgründen im Holzbau meist mehrschalig ausgeführt wird

Die Holzrahmenbauwand hingegen kann in puncto Kosten durchaus mit der Massivbauweise und einer vorgehängten gedämmten, hinterlüfteten Fassade konkurrieren. Zudem hat sie den Vorteil, dass die Wandstärke bis zu 10 cm geringer ist und man damit verwertbare Nutzfläche gewinnt. Im Wohnbau kann dies, abhängig von der Größe, einen beträchtlichen Nutzflächengewinn mit sich bringen. Mit diesem Argument konnten wir unsere Bauherren schon öfter vom Holzbau überzeugen.

Wesentlichen Einfluss auf die Baukosten kann man aber mit der Planung nehmen:

  • Kompakte Baukörper mit optimierter Erschließungsfläche und kurzen Leitungswegen sind unserer Erfahrung nach um bis zu 20 Prozent günstiger zu errichten (Vergleich Wohnen 500 – Wohnen 600). Dies ist nur bedingt abhängig von der Bauweise, beeinflusst die Kosten aber deutlich stärker als die Baustoffwahl.
  • Wichtig ist, das Projekt von Beginn an als Holzbau zu planen und zu denken – von der Planungsstrategie bis zum Tragwerk.
  • Es kommt auch darauf an, die richtige Bauweise bzw. Kombination zu wählen und diese richtig einzusetzen. Eine Brettsperrholzwand als nicht tragende Wand einzusetzen, ist beispielsweise deutlich teurer als eine Gipskartonwand.

Beim Wohnhaus Paulasgasse in Wien haben wir im Jahr 2014 mit Baukosten von Euro 1.600,–/m2 Wohnnutzfläche abgerechnet und somit im Rahmen der Wohnbauförderung. Derzeit sind aus unserer Erfahrung Baukosten zwischen Euro 2.000,– und 2.500,–/m2 Wohnnutzfläche auf dem Markt realistisch, natürlich immer abhängig vom konkreten Projekt, der Projektgröße sowie den individuellen Rahmenbedingungen (z. B. Grundstück, Stellplatzverpflichtung).

Daniel Bammer

Architekt und Büroleiter sowie Mitinhaber des Architekturbüros Riepl Kaufmann Bammer Architektur in Wien
http://rieplkaufmannbammer.at

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