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Architektonische Planungsprinzipien als Grundlage für eine holzbauadäquate Gebäudetechnik

Daniela Koppelhuber, TU Graz, Inst. Baubetrieb und Bauwirtschaft

Modul V, Do., 06. Juni 2019, Technische Gebäudeausstattung

Daniela Koppelhuber ist Mitarbeiterin am Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft der TU Graz im Arbeitsbereich Gebäudetechnik und beschäftigt sich u. a. mit der Technischen Gebäudeausrüstung in mehrgeschossigen Holzgebäuden. Sie stellt Installationsstrategien vor, die eine sichere und wirtschaftliche Installation der Gebäudetechnik im Holzgebäude ermöglichen. 

Spezifische Anforderungen an Gebäudetechnik im Holzbau

Warum sind die Anforderungen an die Gebäudetechnik im Holzbau höher als im mineralischen Massivbau?

  • Feuchtigkeit: Ein Wasserschaden kann sich dramatisch auswirken.
  • Vorfertigung: Die Zeitersparnis der Vorfertigung sollte auch bei den Ausbaugewerken fortgesetzt werden. Ein hoher Vorfertigungsgrad ist deshalb anzustreben. Oft sind die Ausbaugewerke vor Ort jedoch mit neuen Abläufen und Detailausbildungen überfordert.
  • präzise Ausführung: Es gibt wenig Spielraum für die Ausbaugewerke, weil meist alle Durchbrüche schon vorher festgelegt und im Werk ausgeführt werden, Änderungen bedeuten zeitlichen und finanziellen Mehraufwand.
  • fehlende Holzbaukompetenz: Es gibt nur wenige Installationsfirmen, die schon im Holzbau gearbeitet haben. Im Holzbau sind andere Abläufe notwendig. Wird das nicht berücksichtigt, kann es wegen Mehraufwand zu erhöhten Kosten und Bauzeitverzögerungen kommen.

Ziele sind der Schutz der Holzkonstruktion und eine wirtschaftliche Abwicklung. Für eine sichere Installation ist Folgendes zu beachten:

  • Gebäudetechnikdetails müssen mit allen Beteiligten genau überlegt werden. Ein grober Leitungsführungsplan reicht nicht aus, es muss frühzeitig exakt geplant werden.
  • Durch sachgemäße Kontrolle, Abnahme, Inspektion, Wartung und Instandsetzung müssen Schäden vermieden werden, nicht nur während der Herstellung, sondern auch im Betrieb.

Architektonische Planungsprinzipien für die holzbauadäquate Gebäudeausstattung

Folgende Planungsprinzipien sind für die Haustechnikinstallation im Holzbau (siehe auch »Holzbau der Zukunft, Teilprojekt 12«. von Gerhard Hausladen) zu beachten. Wichtig dabei ist, dass folgende Grundsätze in einer frühen Phase der Planung berücksichtigt werden:

  • zentrale Trassenführung in Form von vertikalen Installationsschächten und horizontalen Installationstrassen: Während vertikale Schächte in der Praxis Standard sind, fehlen horizontale Installationstrassen bzw. eine gebündelte Leitungsführung oft. Der Vorteil der zentralen Trassen ist, dass Schäden leichter lokalisiert und präventiv Abdichtungsmaßnahmen getroffen werden können.
  • Trennung und Entkopplung der Installationen von Tragwerk und Ausbau
  • dauerhafte Zugänglichkeit: Haustechnikkomponenten sollen gut und zentral zugänglich sein. Oft laufen Installationsschächte durch Wohnungen, meist gibt es keine Wartungsöffnung oder sie sind nachträglich verbaut. Eine Anordnung der Schächte an Stiegenhäusern, Fassaden oder Laubengängen ist anzustreben.
  • Platzreserven für Montage, Reparatur und künftige Erweiterungen und Adaptierungen. Installationsschächte sollten etwas größer dimensioniert und nicht wie so oft auf ein Minimum reduziert sein.
  • Hohlräume und Schächte müssen Anforderungen an Brandschutz, Schallschutz und Wärmeschutz erfüllen, eine Vorfertigung ist zu forcieren.
  • Vorgefertigte Technikkomponenten sollten zur Verringerung von Montagefehlern verwendet werden. Montageelemente im Sanitärbereich sind Standard, vorgefertigte Komponenten wie Dachaufsätze sind jedoch oft zu kostspielig und werden dann vor Ort selbst entwickelt und gebaut.
  • integrale Planung
  • Minimierung von Leitungslängen
  • Leitungsverzüge vermeiden: Wenn z. B. die Küche vom Schacht zu weit entfernt liegt, sollte für sie ein eigener Schacht vorgesehen werden.
  • Wasserführende Leitungen sollten in kontrollierbaren Wänden bzw. Vorsatzschalen, abgehängten Decken, Sockelleisten oder sichtbar verlegt werden.
  • Heizungsverteilleitungen sollten im Fußboden nur als geschlossene Rohrleitungen ohne Rohrverbindungen ausgeführt werden, z. B. durch den Einsatz des sogenannten Spaghettisystems.

Ausschreibung der Gebäudetechnik

Bereits bei der Architektur-Ausschreibung im Holzbau sind folgende für die Gebäudetechnik wesentliche und auf diese abgestimmte Positionen vorzusehen:

  • Positionen für werkseitige Installationsschlitze und Öffnungen: In der neuen Leistungsbeschreibung LG 36 gibt es entsprechende Positionen. Voraussetzung dafür ist eine frühzeitige detaillierte Gebäudetechnikplanung. Werden Leitungen später doch anders verlegt, z. B. aufgrund fehlender Wandöffnungen durch die Tür, bedeutet das einen höheren Materialbedarf, Mehrkosten und Pläne, die mit der eigentlichen Leitungsführung nicht mehr übereinstimmen.
  • Reservepositionen: „Nachträgliches Herstellen von Öffnungen“ ist analog „Kernbohrungen im mineralischen Massivbau“ als Reserveposition auszuschreiben.
  • Positionen für Leibungsverkleidungen in Schächten: Bei Deckendurchbrüchen von Installationsschächten sind – abhängig vom Schachttyp – in der Leistungsbeschreibung Leibungsverkleidungen mit GKF-Platten vorzusehen. Oft sind die Leibungen deshalb zu klein und müssen nachgeschnitten werden. Der Holzbauer muss wissen, dass er der Durchführung entsprechend größer ausführen muss, und der Installateur muss wissen, dass es eine Leibungsverkleidung geben wird, sonst kann es zu einer Störung des Bauablaufs kommen.
  • Positionen für einen Schutz der Tragkonstruktion vor Feuchtigkeit – z. B. zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen – nach ÖNORM B 2320: Dabei sind folgende Fragen zu klären:
    • Welche Systeme werden eingesetzt?
    • Wer führt die Abdichtungsmaßnahmen durch?
    • Wer übernimmt die Haftung?
    • Welche Leistungsgruppe bzw. Position wird verwendet? Möglich sind LG 12 – Abdichtungen bei Betonflächen und Wänden, LG 21 – Dachabdichtungsarbeiten, LG 24 – Fliesen- und Plattenlegearbeiten.
    • Gibt es einen Ablauf und wer kontrolliert diesen im Betrieb?
    • Werden Feuchtesensoren benötigt?
    • Wie werden die Installationsdurchführungen im Hochzugsbereich abgedichtet? Dichtmanschetten müssen auf die Abdichtung und auf das Rohrsystem abgestimmt sein, besser aber ist es, Durchführungen im Hochzugsbereich zu vermeiden.
    • Bei der Montage der Bodenleitungen sind Verschraubungen zu vermeiden, besser ist eine geklebte Fixierung von Leitungen oder die Verwendung von Dichtschrauben bzw. eine grundsätzliche Vermeidung von Bodeninstallationen und eine Anpassung der Wandstärken an Leitungsführungen im (Vor-)Wandbereich.

Zusammenfassung

  • TGA-Planer und ausführende Firmen müssen frühzeitig involviert werden.
  • Es kommt auf eine funktionierende Koordination der Schnittstellen zwischen den Gewerken an.
  • Zuständigkeiten sind in der Ausschreibung festzulegen und im Bauablauf zu überwachen. Die Abstimmung zwischen Architektur, Bauphysik und Gebäudetechnik-Planung ist dabei essenziell.
  • Schächte müssen ausreichend dimensioniert werden.
  • Wandstärken müssen auf die Verlegeart der Leitungen abgestimmt werden.
  • Besonderes Augenmerk liegt auf der Sekundärabdichtung.
  • Ein höherer Vorfertigungsgrad mit verstärkter Integration von Gebäudetechnikkomponenten muss angestrebt werden.

Daniela Koppelhuber

studierte Architektur und absolvierte das Masterstudium Wirtschaftsingenieurwesen – Bauwesen. Sie ist Mitarbeiterin am Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft der TU Graz im Arbeitsbereich Gebäudetechnik und beschäftigt sich u. a. mit der Technischen Gebäudeausstattung im mehrgeschossigen Holzbau.

Links

Standardisierte Leistungsbeschreibung Holzbau LBH LG 36

Kontakte

Institut für Baubetrieb und Bauwirtschaft der TU Graz
www.tugraz.at/institute/bbw/home

Richtlinien und Rechtsvorschriften

ÖNORM B 2320: 2017 08 01 Wohnhäuser aus Holz – Technische Anforderungen

Literatur

Holzbau der Zukunft Teilprojekt 12. Modulare, vorgefertigte Installationen in mehrgeschossigen Holzbauwerken, Gerhard Hausladen, Christian Huber, Michael Hilger, Lehrstuhl für Bauklimatik und Haustechnik, Technische Universität München, 2008.

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