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Konstruktive Besonderheiten zum Thema Holzbau und Haustechnik

Christoph Urschler, TBH Ingenieur GmbH

Modul V, Do., 06. Juni 2019, Technische Gebäudeausstattung

Christoph Urschler ist Gebäudetechniker und hat als Prokurist und gewerberechtlicher Geschäftsführer für Installationstechnik des Ingenieurbüros TBH Ingenieur GmbH viel Erfahrung im mehrgeschossigen Holzbau gesammelt. Seine Vision ist, so viele Elemente der Leitungsführung (Ver-/Entsorgung/Energieerzeugung/Verteilung etc.) wie möglich aus dem Gebäude an die Fassade zu verlegen.

Einleitung

Ein Schwerpunkt der Gebäudetechnik sind wasserführende Leitungen im Gebäude. Hier passieren viele Fehler vor allem im Bereich der Duschen und Bäder durch fehlende Abdichtungen bzw. nicht fachgerechten Einbau von Leitungssystemen sowie unentdeckten Wasserschäden. Zwei Drittel der Baumängel in der Gebäudetechnik sind Planungs- und Ausführungsfehler. Ein Großteil der Mängel betrifft die Leitungsführung.
Die häufigsten Ursachen sind:

  • mangelhaft ausgeführte oder fehlerhafte Rohrverbindungen (z. B. bei Fittings oder Armaturen)
  • mechanische Einwirkung auf Leitungen (z. B. Verformungen oder äußere Einflüsse)
  • Materialschwächen und Korrosion an Leitungs- und Anlagenteilen
  • unzureichende Fixierungen von Leitungen
  • fehlerhafte Abdichtungen von Fugen und Anschlüssen
  • unzureichende oder fehlerhafte Abdichtung wasserbeanspruchter Flächen
  • fehlerhafte Ausführung von Rohrdurchführungen
  • Undichtigkeiten bei Anschlüssen von Geräten

Um Fehler zu vermeiden, sind folgende Ausführungen zu bevorzugen:

  • frei hängende Leitungen bzw. eine zentrale Trassenführung
  • Trennung der Installationen von Tragwerk und Innenausbau
  • dauerhafte Zugänglichkeit (möglichst zerstörungsfreie Öffnung)

Varianten der Leitungsführungen

Grundsätzlich gibt es folgende Möglichkeiten der Leitungsführungen:

  • sichtbar (aus optischen und schalltechnischen Gründen selten)
  • in Schlitzen und Aussparungen
  • im Fußboden
  • mit Vorsatzschale (Sanierungen sind grundsätzlich gut möglich, Feuchteeinträge können aber lange unentdeckt bleiben)

Sehr häufig werden die Leitungen im Fußboden verlegt. Die Vorteile sind einfache Verlegungsarbeiten, kostengünstige Erstinstallation und geringer Planungsaufwand. Die Nachteile für Wohnbauten in Holzbauweise sind aufwendige und kostenintensive Sanierung, keine oder nur schlechte Kontrollmöglichkeit der Leitungen und dass schon kleine, länger andauernde Undichtigkeiten zu großem Schadensausmaß führen. Deshalb versuchen wir eine Verlegung im Fußboden zu vermeiden.

Alternativen zu Fußbodenleitungen im Holzbau sind:

  • Verlegung der Leitungen an der Gebäudeaußenseite in definierten Steigleitungen
  • Verlegung im Fußboden nur für die Fußbodenheizung, aber ohne Verbindungsstücke. Die Anbindung erfolgt im Installationskasten.
  • Wandheizung: Sie hat einen hohen Wandflächenbedarf bei sehr geringem Energiebedarf. Hierbei sind Undichtigkeiten gut sichtbar.
  • Verlegung der Leitungen in Vorsatzschale: Wir definieren eine dichte Halbschale. Bei einer Leckage rinnt das Wasser in die Rinne. Dort kann man dann alle paar Monate nachschauen.
  • Verlegung der Leitungen in Systemböden oder in Sockelleistenprofilen
  • wasserfreie Systeme wie Infrarotheizung oder Luftheizung: Diese Alternativen sind nur sinnvoll, wenn es zum Baustandard passt, wie beim Passivhaus oder im Bad und WC. Ansonsten ist es fraglich, ob die Kosten-Nutzen-Rechnung stimmt.

Was ist aus Sicht der Technischen Gebäudeausstattung wichtig?

  • integrale Planung: BIM wird zunehmend eine Rolle spielen. Mit BIM wären gerade im mehrgeschossigen Holzbau viele Fehler vermeidbar.
  • Gewerkeübergreifende Planung
  • sinnvolle Integration erneuerbarer Revisions- und Wartungsmöglichkeiten
  • einfache Zugänglichkeit
  • Abstimmung mit TGA in einer frühen Phase. Am besten wird die Anordnung schon im Vorkonzept oder – noch besser – im Energiekonzept festgelegt.
  • ausreichende Planungszeit
  • entsprechende Honorierung der Phasenverschiebung

Christoph Urschler

absolvierte das Studium Gebäudetechnik (Building Technology and Management) und ist Prokurist und gewerberechtlicher Geschäftsführer für Installationstechnik des Ingenieurbüros TBH Ingenieur GmbH für Gebäude- und Energietechnik sowie Forschung und Entwicklung. www.tbh.at

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