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Unterschiedliche Holzbauweisen in der Praxis

Richard Woschitz, Woschitz Group

Modul I, Do., 26. September 2019, Prolog/Ausschreibung/Kosten

Richard Woschitz ist Tragwerksplaner und mit seinem Unternehmen Woschitz Group in die Planung vieler Holzbauprojekte involviert. Er berichtet, welche Bauweisen sich in der Praxis für den mehrgeschossigen Wohnbau bewährt haben.

Die Zukunft des Holzbaus liegt in der Systembauweise – eine Bauweise par excellence für den mehrgeschossigen Wohnbau. Und dennoch haben Sie derzeit keinen Wettbewerbsvorteil, wenn Sie mit Holz bauen, weil der Holzbau oft an den Kosten scheitert. Der zukünftige Holzbau, der für die Stadt Wien interessant ist, ist mit kurzer Bauzeit sowie gesicherten Kosten, Fertigstellungsterminen und Qualität verbunden. Das kann nur aus einer Hand kommen. Ich sehe deshalb die Chance für den Holzbau im Holzbau-Generalunternehmertum. Wir sprechen dabei immer vom sogenannten Sorglospaket, bei dem Termine, Kosten und Qualität gewährleistet sind.

Bauen mit flächigen, intelligenten Bauteilen 

Der moderne Holzbau ist ein Systembau mit vorgefertigten Decken und Wänden. Ein Holzhochhaus mit 24 Geschossen wie das HoHo, das wir derzeit in Wien bauen, können wir nur mit einem Systembau mit einfachen Elementfügungen errichten. Wenn wir als Ingenieure ein Verbindungsdetail konstruieren, das nur in einer Art und Weise funktioniert, dann haben wir eine qualitätsgesicherte Umsetzung garantiert. Wo gibt es solche Innovationen im Holzbau? Für mich ist Bauen mit Holz eine Architektur der Fläche, und die Fläche kann als Wand, Decke und Dach eingesetzt werden. Damit bietet sich dem Architekten eine große Flexibilität in der Grundriss- und der architektonischen Gestaltung. Die Fläche ist dabei ein intelligentes Bauteilelement, das im Holzbau die Funktionen Tragfunktion, Raumabschluss und Bauphysik zugleich erfüllt, sodass, anders als bei Ziegel oder Stahlbeton, nicht mehrere Gewerke auf der Baustelle die Wand fertigstellen müssen.

Holzrahmenbau versus Holzmassivbauweise

Bis drei Geschosse ergibt der Holzrahmenbau Sinn, darüber bereitet er Probleme (z. B. Querpressung, unkontrollierte Hohlräume). Deshalb sollte man darüber in Holzmassivbauweise bauen.

Holz-Beton-Verbunddecken (HBV-Decke)

Ich bin ein großer Befürworter der Hybridbauweise. Die HBV-Decke ist eine Decke aus Holzbalken oder Brettsperrholzplatten und einer Betonschicht, die kraftschlüssig miteinander verbunden sind. Nur wenn wir die Deckenplatten inklusive der Betonschicht im Werk vorfertigen, ist die Qualität gesichert. Folgende Vorteile hat die HBV-Decke:

    • große Spannweite
    • flexibel im Grundriss
    • besserer Schallschutz
    • besseres Schwingungsverhalten
    • sichtbare Holzoberfläche an der Decke
    • Witterungsschutz auf der Baustelle durch Betonflächen

    Die Zukunft des Holzbaus

    Die Zukunft des Holzbaus liegt meiner Ansicht nach in der Optimierung der Systemlösung, der Effizienzsteigerung in Planung und Produktion, der Verbesserung der Baustellenlogistik, einem hohen Vorfertigungsgrad, einer qualitätsgesicherten Produktion und einem Zuwachs an Allroundern.

    Richard Woschitz

    ist Tragwerksplaner. Er steht der Woschitz Group mit ihren sechs Unternehmen vor und ist als Generalkonsulent u. a. in Wien, dem Burgenland, Niederösterreich und Kärnten tätig. Er ist in die Planung vieler großvolumiger Holzbauprojekte involviert, darunter das HoHo, das 24-stöckige Holzhochhaus, das derzeit in Wien im Bau ist.
    www.woschitzgroup.com

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