Inhalt

Brandschutzbestimmungen in Österreich

Christina Simmel

Hoch hinaus mit Holz
Je nach Größe und Nutzung des Gebäudes sowie regionaler Baugesetzgebung müssen tragende Bauteile einen Brand über einen gewissen geforderten Zeitraum widerstehen, also tragend und raumabschließend bleiben. In der OIB-Richtlinie 2 »Brandschutz« sind sowohl Anforderungen an das Brandverhalten von Baustoffen festgelegt sowie auch die Anforderungen an den Feuerwiderstand von Bauteilen. 

Seit März 2015 liegt die erstmals 2007 vom Österreichischen Institut für Bautechnik (OIB) verfasste Richtlinie in einer zum zweiten Mal neu überarbeiteten Fassung vor – sie kann von den Bundesländern herangezogen werden, wobei eine rechtliche Verbindlichkeit der neuen Version ausdrücklich erklärt werden muss und es dadurch bei der Übernahme zu zeitlichen Verschiebungen zwischen den einzelnen Bundesländern kommen kann. Bis Jänner 2015 waren die OIB-Richtlinien der Ausgabe 2011 in allen Bundesländern bis auf Salzburg als verbindlich anerkannt. 

Wesentliche Änderungen der Neuüberarbeitung liegen vor allem bei den Anforderungen an die Gebäudeklasse 5, so ist z.B. bei Gebäuden mit maximal sechs oberirdischen Geschossen die Nichtbrennbarkeitsanforderung teilweise entfallen. Für den Holzbau bedeutet dieser Schritt eine nötige Verbesserung, was die Möglichkeiten des Einsatzes von Holz und Holzprodukten betrifft bzw. hinsichtlich der Gleichstellung mit anderen Baumaterialien.

Anforderungen an das Brandverhalten – Anforderungen an den Feuerwiderstand
Die Anforderungen an das Brandverhalten werden entsprechend der Klassifizierung der Euroklasse des Brandverhaltens gemäß ONORM EN 13501-1 gestellt – hier stellen die Entzündbarkeit, Brennbarkeit, Flammenausbreitung wie auch die Rauchentwicklung die wesentlichen Eigenschaften zur Beurteilung dar. Zur Vergleichbarkeit einzelner Baustoffe werden standardisierte Prüfungen durchgeführt, wobei eine wechselseitige Zuordnung der bisherigen österreichischen Klassen und der europäischen Klassen aufgrund unterschiedlicher Prüfmethoden nicht zulässig ist. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, Baustoffe mit bekanntem Brandverhalten und definierten Materialeigenschaften ohne zusätzliche Prüfungen (CWFT – Classification without further testing) zu klassifizieren. Die vollständige Auflistung findet sich auf der Website www.eur-lex.europa.eu (online-Datenbank zu den Rechtsvorschriften der EU). 

Die Brandwiderstandsdauer wird nach den europäischen REI-Klassen  der ÖNORM EN 13501-2 zur Berechnung des Feuerwiderstandes von Bauteilen angegeben: REI 30, REI 60 und REI 90, wobei die Zahl jeweils Feuerwiderstandsdauer in Minuten angibt, die ein Bauteil längstens einem Brand nach Einheitstemperaturkurve ausgesetzt werden kann, ohne zu versagen. „R“ ist das Kriterium für die Tragfähigkeit, „E“ für den Raumabschluss und „I“ für die Wärmeübertragung durch das Bauteil im Brandfall.

Brandschutzkonzepte
Unter Einhaltung bestimmter Schutzziele sind auch Abweichungen von den angeführten Anforderungen möglich, hierzu ist der OIB-Leitfaden »Abweichungen im Brandschutz und Brandschutzkonzepte« anzuwenden: Es gilt, die Schutzziele der Vorbeugung der Gefährdung von Leben und Gesundheit von Personen durch Brand sowie die Einschränkung der Brandausbreitung auf gleichem Niveau einzuhalten, wie sie auch unter Anwendung der Richtlinie erreicht werden. Das Brandschutzkonzept ist mit der Baubehörde im Vorfeld abzustimmen.
Ein Brandschutzkonzept ist grundsätzlich für Sondergebäude wie Versammlungsstätten für mehr als 1.000 Personen, Krankenhäuser, Alters- und Pflegeheime, Justizanstalten und sonstige Sondergebäude und Bauwerke, auf welche die Anforderungen der OIB-Richtlinie 2 aufgrund des Verwendungszeckes oder der Bauweise nicht anwendbar sind, erforderlich.

Bei Gebäuden der Gebäudeklasse 5 mit mehr als sechs oberirdischen Geschoßen müssen mit Ausnahme des obersten Geschoßes die Bauteile einen Feuerwiderstand von 90 Minuten aufweisen, die für die Tragfähigkeit wesentlichen Bestandteile der Bauteile müssen hier der Klasse A2 (nicht brennbar, kein Rauch, kein Abtropfen bzw. Abfallen) entsprechen. Holzkonstruktionen sind somit in Gebäuden mit mehr als sechs Geschoßen nur unter Ausführung zusätzlicher Kompensationsmaßnahmen möglich; so können anlagentechnische oder bauliche Maßnahmen wie eine automatische Löschanlage (z.B. Sprinklerung) oder eine Kapselung der Holzbauteile angewendet werden.

Brandabschnittsbildung
Eine wichtige Funktion des baulichen Brandschutzes stellt die Errichtung von Brandabschnitten dar, von Unterteilungen des Gebäudes in horizontaler sowie vertikaler Richtung, die die Ausbreitung von Flammen und Rauch örtlich einschränken und ein Übergreifen auf andere Gebäudeteile verhindern. Ebenso sind Fluchtwege und Notausgänge Vorschrift, die im Brandfall neben der Beschränkung der Brandfortleitung bis zum Eingreifen der Feuerwehr und der Gewährleistung der Tragfähigkeit über einen gewissen Zeitraum eine zentrale Aufgabe des Personenschutzes darstellen. Die Anforderungen fallen je nach Nutzung teilweise unterschiedlich aus, weiters sind zusätzliche Maßnahmen je nach Ausbildung der Brandabschnitte, so z.B. bei brandabschnittsbildenden Decken, vorgesehen.

Von der Holzforschung Austria wurden aufbauend auf Untersuchungen und abgestimmt auf die OIB-Richtlinie 2 Detaillösungen zur Brandabschnittsbildung und den Feuerschutzabschlüssen im Holzbau erarbeitet, diese stehen unter www.holzforschung.at als Download zur Verfügung.

Anlässlich der 3. Ausgabe der OIB-Richtlinie 2 wurde von proHolz Austria das Zuschnitt-Attachment »Brandschutzvorschriften in Österreich – Anforderungen nach OIB-Richtlinie 2« in überarbeiteter Fassung neu herausgegeben. Das att. gibt einen Überblick über die Inhalte der neuen OIB-Richtlinie 2 und visualisiert die Anforderungen an Feuerwiderstand der Bauteile und Brandverhalten für Objekte der Gebäudeklassen 1 bis 5.

 

 

Weitere Informationen

OIB – Österreichisches Institut für Bautechnik
www.oib.or.at  

att. zur dritten Ausgabe 2015 OIB-Richtlinie 2 – Brandschutzvorschriften in Österreich

Diese Broschüre dient als Hilfestellung für Planer und Ausführende. Sie gibt einen Überblick über die Inhalte der überarbeiteten OIB-Richtlinie 2 zum Thema »Brandschutz«, visualisiert die Anforderungen an den Feuerwiderstand der Bauteile für Objekte der Gebäudeklassen 1 bis 5 und zeigt auch die Anforderungen an das Brandverhalten. Die Broschüre steht sowohl online zur Verfügung und ist auch im proHolz-Shop bestellbar.  

Planungsbroschüren und Beiträge der Holzforschung Austria
Teibinger, Martin; Novacek, Markus: Anschlussdetails für brandabschnittsbildende Bauteile in Holzbauweise. Wien, Holzforschung Austria, 2012.

Teibinger, Martin; Matzinger, Irmgard: Brandabschottung im Holzbau. Wien, Holzforschung Austria, 2012.

Dieser Artikel ist abgelegt in: