Inhalt

Erdbeben-Großversuch in Lissabon

Ein acht Meter hoher Massivholzbau überstand 32 Erdbebentests mit Bravour

Die Erdbebentests in Lissabon vom 18. und 19. Februar, die das Institut für Holzbau und Holztechnologie der TU Graz an einem acht Meter hohen Gebäude in Brettsperrholz durchführte, verliefen mit großem Erfolg.

Österreich ist derzeit der weltweit größte Exporteur von Brettsperrholz. Ein großer Teil der Elemente wird in erdbebengefährdete Zonen exportiert. Dadurch wird die Erdbebenforschung auch für Österreich immer wichtiger. 

Der Aufbau des dreigeschossigen Versuchsgebäudes im Lissaboner LNEC (Laboratorio Nacional de Engenharia Civil) dauerte rund drei Tage. Drei steirische Zimmermeister waren für die federführende Umsetzung verantwortlich. Das Material Brettsperrholz und die Verbindungstechnik hatten vier exportorientierte Brettsperrholz-Hersteller sowie ein Verbindungstechnik-Hersteller der Holzindustrie Österreichs zu Verfügung gestellt.

Die Messtechnik (75 Sensoren für Weg-, Kraft- und Beschleunigungsmessungen) wurde von Mitarbeitern des LNEC eingebaut und dauerte etwa fünf Tage. Die Versuche selbst nahmen zwei Tage in Anspruch. Dabei wurden zunächst 14 Erdbeben mit einer Beschleunigung von 0,07g bis 0,5g durchlaufen, ohne nennenswerte Schäden dokumentiert zu haben.[1] Berechnet wurde das Haus auf das Montenegro-Erdbeben von 1979, welches eine Beschleunigung von rund 0,28g und eine maximale Magnitude (Stärke nach Richter) von 7,3 aufwies.

Bei der anschließenden Wiederholung der Versuchsserie war zuvor ein großer Teil der Verbindungstechnik entfernt worden – die Tests blieben ebenfalls ohne wirklich erkennbare Schäden. Zusätzlich erfolgte die Simulation von sechs weiteren Erdbeben (0,16g bis 0,5g), diesmal jedoch basierend auf dem Erdbeben von Tohoku 2011 (das eine etwas andere Charakteristik als jenes von Montenegro aufweist). Lediglich leichte Schäden in Form gelockerter Bolzen zwischen dem Stahlrahmen, der das Fundament darstellte, und den unteren Verbindern waren ersichtlich. Die Verbindungen im Holz selbst (Nägel und Schrauben) zeigten wiederum keinerlei nennenswerte Schäden.

Die genaue Auswertung der Versuchsdaten wird nun einige Zeit in Anspruch nehmen, jedoch kann aus heutiger Sicht bereits gesagt werden, dass das Versuchsgebäude alle 32 (!) Erdbebentests – davon rund 15 über 0,2g und damit höher als die in Österreich maximal anzusetzende Beschleunigung – mit Bravour bestanden hat.

[1]  0,2g bedeutet die 0,2fache Erdbeschleunigung und somit ~2m/s²

Erdbebenversuch Innenraum
Erdbebenversuch Innenraum
Verbindungen
Messtechnik
Erdbebenversuch Aufbau

Link:

TU Graz 

Foto:

TU Graz/Lignum

Dieser Artikel ist abgelegt in: