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Nachhaltige Waldbewirtschaftung

Der bewirtschaftete Wald

Klima- und Umweltschutz fordern die verstärkte Bindung von CO2, um die bereits in Gang gesetzte Klimaveränderung abzumildern. Der Wald in seiner Funktion als Kohlenstoffspeicher, also ein Depot, das zeitweilig oder dauerhaft Kohlenstoff aufnimmt, spielt dabei eine zentrale Rolle. Vor allem der bewirtschaftete Wald kann diese Funktion effizient übernehmen, da die CO2-Einsparung in einem genutzten Wald deutlich höher ist als auf einer stillgelegten Fläche.

Im naturbelassenen Wald sind die Kapazitäten zur CO2-Bindung beschränkt. Denn beginnt ein Baum abzusterben, wird im Verrottungsprozess der gespeicherte Kohlenstoff wieder freigesetzt und der Baum zur CO2-Quelle. Da durch die natürliche Verjüngung neu heranwachsender Bäume gleichzeitig wieder CO2 gebunden wird, bildet ein naturbelassener Wald daher langfristig einen konstanten Kohlenstoffspeicher. Über einen Zeitraum von 300 Jahren betrachtet (das entspricht in der Regel zwei Produktionszyklen in einem Wirtschaftswald) entzieht ein unbewirtschafteter Wald der Atmosphäre jedoch kein zusätzliches CO2.

In einem gepflegten und genutzten Wald jedoch werden alte Bäume entfernt, bevor sie zu verrotten beginnen. Das schafft Raum und Licht für neue Bäume. Durch die Entnahme wird zwar der Kohlenstoffspeicher im Wald vorübergehend reduziert, geht aber nicht verloren, sondern verlagert sich in die aus dem Holz hergestellten Produkte. Diese ersetzen andere, CO2-intensive Materialien und tragen so zu einer unmittelbaren Reduktion der CO2-Emissionen bei. 

Berechnungen zeigen, dass beispielsweise 300 Hektar Wirtschaftswald aufgrund von Substitutionseffekten durch energetische Verwertung über einen Zeitraum von 300 Jahren eine Senkenleistung von 1.603 Tonnen CO2 aufweisen (das entspricht 5,43 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr[GH1] ). Bei stofflicher Nutzung des Holzes wäre die Senkenleistung noch um ein Vielfaches höher.

Österreichische Forstgesetze

Seit 160 Jahren ist in Österreich der sorgsame Umgang mit dem Waldbestand gut eingebettet in ein rechtliches, institutionelles und wirtschaftliches Gefüge: Die Rahmenbedingungen wurden dazu in den österreichischen Kronländern mit 1. Jänner 1853 in einem strengen Reichsforstgesetz festgelegt. Der erste Abschnitt des kaiserlichen Gesetzes, der sich vorwiegend mit der nachhaltigen Bewirtschaftung der Forste beschäftigte, hatte bis zur Herausgabe des heute gültigen Forstgesetzes vom 5. Juli 1975 seine volle Wirkung; der zweite Teil wurde aufgrund neuerer und wissenschaftlicher Erkenntnisse durch das Forstrechtsbereinigungsgesetz 1962 ersetzt.

Das Kernanliegen des österreichischen Forstgesetzes von 1975 bildet die nachhaltige Forstwirtschaft, die die Pflege der vielfachen Waldnutzungen (Nutz, Schutz, Wohlfahrt und Erholung) in den Vordergrund stellt. Nachhaltig bedeutet vor allem nicht mehr zu ernten, als nachwächst. Die Pflege und Nutzung der Wälder muss u.a. deren biologische Vielfalt, Produktivität und ihr Regenerationsvermögen dauerhaft erhalten, sodass diese Funktionen auch in Zukunft erfüllt werden können. Die umfassende Novellierung von 2002 nahm Themen wie Neuerungen im Bereich der Rodung, Neufassung des Begriffes Schutzwald, aber vor allem die Möglichkeit der Naturverjüngung in das Gesetz auf.

Mit der Ausrichtung auf eine nachhaltige Entwicklung in der Forstwirtschaft, die vor allem zukünftige Perspektiven berücksichtigt, geht das Forstgesetz mit dem Ursprungsgedanken der Nachhaltigkeit konform, der 1713 vom sächsischen Berghauptmann Carl von Carlowitz in der Publikation Sylvicultura oeconomica formuliert wurde.

Die Sylvicultura oeconomica gilt als das erste forstwissenschaftliche Werk. Carl von Carlowitz postuliert darin erstmals eine vernünftige Nutzung der Wälder und fordert, dass immer nur soviel Holz geschlagen werden sollte, wie durch nachfolgende Aufforstung nachwachsen könne. Im Originallaut liest sich die zentrale Stelle mit dem Wort „nachhaltend“ darin wie folgt:

„Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen/wie einst sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen/daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe/weiln es eine unentbehrliche Sache ist/ohne welche das Land in seinem Esse [Wesen] nicht bleiben mag."

Ökologie des Waldes - Eine CO2-Bilanz nach 300 Jahren