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Österreichisches Forstgesetz

Gudrun Hausegger

1853: Kaiserliches Forstgesetz für die österreichischen Kronländer

Nachhaltigkeit ist in der österreichischen Forst- und Holzwirtschaft ein Gütesiegel mit langer Tradition, das entlang kontinuierlich adaptierter Richtlinien für die umsichtige Bewirtschaftung der Wälder sorgt. Seit 1975 unterliegt die Waldbewirtschaftung einem strengen Forstgesetz. 

Doch genaugenommen wird seit 160 Jahren in Österreich gesetzesmäßig nachhaltige Waldwirtschaft betrieben, denn bereits während der österreichisch-ungarischen Monarchie ist mit „kaiserlichem Patente“ vom 3. Dezember 1852 und der Wirksamkeit mit 1. Jänner 1853 für die österreichischen Kronländer ein neues, umfassendes Forstgesetz erlassen worden. Die Notwendigkeit des Gesetzes wurde, wie im „Einführungspatente“ zu lesen ist, folgendermaßen begründet:

„Die Sicherstellung der in allen Lebensverhältnissen eingreifenden Holzbedürfnisse hat der Regierung stets die Verpflichtung auferlegt, für den besonderen Schutz des Eigentumes, der Erhaltung und Pflege der Wälder und Holzpflanzungen, durch eigene Gesetze und Vorschriften Sorge zu tragen, welche in den einzelnen für die verschiedenen Teile unseres Reiches erlassenen Waldordnungen aufgenommen sind. In der Betrachtung, dass diese vereinzelten Waldordnungen vielen veränderten Verhältnissen nicht mehr ganz entsprechen, finden Wir ... das gegenwärtige Forstgesetz zu beschließen, mit dessen Wirksamkeit die bis nun in den bezeichneten Kronländern bestandenen forstpolitischen Vorschriften außer Kraft gesetzt wurden.“[1]

In sieben Abschnitten wurden in diesem kaiserlichen Patente Themen behandelt, wie die Bewirtschaftung der Forste, die „Bringung“ der Waldprodukte, Waldbrände und Insektenschäden, aber ebenso wurde die Sicherheit und Verteilung des Waldeigentums verankert und Waldschadensgesetzbestimmungen festgelegt.

Das heißt, seit 160 Jahren schon ist der Umgang mit dem Wald in Österreich gut eingebettet in ein rechtliches, institutionelles und wirtschaftliches Gefüge.

1975: Österreichisches Forstgesetz
Der erste Abschnitt des kaiserlichen Gesetzes von 1853 hatte bis zur Herausgabe des umfassenden und heute gültigen Forstgesetzes von 1975 seine volle Wirkung; der zweite Teil wurde durch das Forstrechtsbereinigungsgesetz 1962 ersetzt und regelt heute Bereiche wie Ausbildung, Forstorgan, Forstschulen u.a.[2]

Das Kernanliegen des österreichischen Forstgesetzes von 1975 bildet die nachhaltige Forstwirtschaft:

„Nachhaltige Waldbewirtschaftung im Sinne des österreichischen Forstgesetzes bedeutet die Pflege und Nutzung der Wälder auf eine Art und in einem Umfang, dass deren biologische Vielfalt, Produktivität, Regenerationsvermögen, Vitalität sowie Potenzial dauerhaft erhalten werden, um derzeit und in Zukunft ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene, ohne andere Ökosysteme zu schädigen, zu erfüllen.“[3]

Die Nutzung des Waldes ist im Forstgesetz streng geregelt: Um eine fachgerechte Bewirtschaftung der Wälder zu gewährleisten, müssen z.B. Betriebe mit mehr als 500 Hektar Wald obligatorisch von einem Forstorgan geleitet werden. Kleinere Betriebe erhalten von Technikern der Landwirtschaftskammern Unterstützung. Eine Ernte über 0,5 Hektar muss behördlich genehmigt werden, eine Ernte über 2 Hektar ist verboten.[4]

Die umfassende Novellierung von 2002 (erste Novelle 1987) nahm u.a. Themen wie Neuerungen im Bereich der Rodung, Neufassung des Begriffes Schutzwald, aber vor allem die Möglichkeit der Naturverjüngung in das Gesetz auf:

„Bei dieser Methode überlässt man die Wiederaufforstung zum Teil der Natur, womit erfahrungsgemäß die genetische Vielfalt gewährleistet wird, da ausschließlich an den jeweiligen Standort angepasste Baumarten nachwachsen.“[5]

Mit dem österreichischen Walddialog, der 2003 aufgenommen wurde und 2005 das umfangreiche „Österreichische Waldprogramm“ hervorbrachte, wird zusätzlich getrachtet, die nachhaltige Bewirtschaftung, Erhaltung und Entwicklung der österreichischen Wälder sicherzustellen sowie ständig zu optimieren. Dazu gehören u. a. Handlungsfelder wie der Beitrag der österreichischen Wälder zum Klimaschutz, die Gesundheit und Vitalität, die biologische Vielfalt sowie die Schutzfunktion der österreichischen Wälder.

[1] Franz Eckert, Heinrich Lorenz: Lehrbuch der Forstwirtschaft für Waldbau- und Försterschulen sowie zum forstlichen Unterrichte für Aspiranten des Forstverwaltungsdienstes. DOGMA Verlag, Bremen 2012 (Neuauflage von 1903).

[2] Leopold Ziehaus: „Das Österreichische Forstgesetz. Ein gesetzliches Instrument der Gesellschaft für die Forstwirtschaft“, in: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Hg.): Wald: Biotop und Mythos. Wien, Böhlau Verlag 2011, S. 283 ff.

[3] Republik Österreich, BMLFUW (Hg): Österreichisches Waldprogramm, Wien 2006, S. 19.

[4] proHolz Austria (Hg.): Zuschnitt 8, Dezember 2002, S. 13.

[5] Zuschnitt 8, Dezember 2002, S. 13. Und: http://www.waldwissen.net

Wald und Holz im Parlament

Am Plenartag des Nationalrats (21. September 2011) verwandelte sich die Säulenhalle des Parlaments in einen Eichenwald. Damit sollte der Rohstoff Holz und dessen wirtschaftliche Bedeutung stärker ins Bewusstsein der Politik und Gesellschaft gerückt werden. Auf Weißtannenbrettern wurden Kernargumente für eine vermehrte Holzverwendung vermittelt.

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