Inhalt

Konstruktive Verwendung von Eichenholz

Andreas Neumüller

Konstruktive Verwendung von Eichenholz

Für spezielle Anwendungen im Baubereich verfügt Eichenholz über gefragte Eigenschaften wie etwa Dauerhaftigkeit, hohe Querdruckfestigkeit und die geringste Abbrandrate aller heimischen Holzarten. Neue Einsatzgebiete wurden in einem Forschungsprojekt der Holzforschung Austria ausgelotet und seine Ergebnisse in einen Normentwurf eingearbeitet, womit Planer und Statiker erstmals normativ abgesicherte Grundlagen für den Einsatz von Eichen-Bauholz erhalten.

Kaum jemand, der die Wiener Karlskirche bestaunt, merkt etwas davon: Die beiden äußeren Glockenstühle sind, wie bei vielen anderen Kirchen, aus Eichenholz. Sie sind fünf Meter hoch und bestehen aus stark dimensionierten Eichenbalken. Die Liste ließe sich um zahlreiche Bauwerke, Brücken und Fachwerkhäuser erweitern, wo Eichenholz als tragender Bauteil zum Einsatz kam. Obwohl Eiche diese lange Tradition als Bauholz hat, waren für Bauholzqualitäten in den letzten Jahren nur wenige Käufer zu finden. Um für die Verwendung von Eichenholz eine neue Epoche einzuläuten, gründeten Forstbetriebe, Sägewerke, Handelsbetriebe und Weiterverarbeiter die Initiative „Weinviertler Eiche“. Auf deren Anregung hin wurde von der Holzforschung Austria das Forschungsprojekt „Konstruktive Verwendung von Eichenholz“ durchgeführt. Die Finanzierung erfolgte durch den Forschungsförderungsfonds für die gewerbliche Wirtschaft (FFF) und die beteiligte Wirtschaft.

Sortierung von Eichen-Schnittholz nach der Festigkeit

Für tragende Zwecke muss Eichen-Schnittholz nach der Festigkeit sortiert werden. Dies erfolgt nach anderen Kriterien als die Sortierung nach dem optischen Erscheinungsbild. Im deutschsprachigen Raum liegt seit Juni 2003 mit der din 4074-5 ein Standard zur visuellen Festigkeitssortierung vor. Wesentliche Erkenntnisse aus dem Projekt sind in diese neue Norm eingeflossen. In der Holzbaunorm önorm b 4100-2 (Ausgabe September 2003) ist diese Sortierrichtlinie verankert und damit auch in Österreich gültig.

Verleimte Bauteile

Diese haben in letzter Zeit zunehmend an Bedeutung gewonnen. Bei zahllosen Sportstätten, Ausstellungs- und Mehrzweckhallen sowie Bau- und Supermärkten werden große Spannweiten mit Brettschichtholzträgern mühelos überbrückt. Dem Eichenholz blieb dieser Einsatzbereich bisher verwehrt, die Produktion verleimter Bauteile würde durch seine Erweiterung (große Dimensionen sind möglich) den Werkstoff Eiche aufwerten.

Gute Festigkeits- und Steifigkeitswerte

Um überhaupt Eiche für verleimte Bauteile verwenden zu können, war es notwendig, die Parameter für eine gesicherte Längsverbindung (Keilzinkenverbindung) und Flächenverleimung (Lamellenverleimung) festzulegen. Drei Produkte wurden aus Eichenholz hergestellt und getestet: keilgezinktes Vollholz, Lamellenbalken und Brettschichtholz. Die Untersuchungen zeigten, dass Keilzinkenverbindungen mit den drei verwendeten MUF- und einem PUR-Klebstoff problemlos herstellbar sind und gute Festigkeits- und Steifigkeitswerte aufweisen. Das gleiche trifft auch auf die Lamellenbalken zu.

Brettschichtholz wurde in mehreren Aufbauvarianten produziert, als Klebstoffe für die Flächenverleimung kamen drei MUF-Klebstoffe zum Einsatz. Es ergaben sich bei allen untersuchten Klebstoffen und Varianten gute Trockenfestigkeiten bei Biege-, Zug-, Schubund Scherprüfungen.

Mehr Einsatzbereiche als jetzt

Eichenvollholz und daraus verleimte Bauprodukte bereichern den Holzbau um eine weitere Facette. Folgende Produkte könnten als tragende Bauteile im mehrgeschossigen Holzbau, Brückenbau, Wasser- und Erdbau sowie im Garten-, Park- und Landschaftsbau Anwendung finden:
_ klassisches Eichen-Bauholz (sägerau oder gehobelt)
_ keilgezinktes Eichen-Bauholz
_ Lamellenbalken aus Eichenholz (Lamellenbalken
bestehen aus zwei oder drei miteinander verleimten
Pfosten/Diele)
_ Brettschichtholz aus reinem Eichenholz oder in
Kombination mit Fichten- oder Kiefernholz.

Vergleich Elastizitäts-, Schubmodule und zulässige Spannungen für Eichen- und Fichtenholz, nach önorm b 4100-2

Info
Ansprechpartner für Hersteller von Eichenbauholz:
DI(FH) Rainer Handl
handl@saege.at

DIN 4074-5 Sortierung von Holz nach der Tragfähigkeit,
Teil 5: Laubschnittholz
ÖNORM B4100-2 Holzbau-Holztragwerke, Teil 2:Berechnung und Ausführung

Bezugsmöglichkeit: Österrreichisches Normungsinstitut
www.oenorm.at



Die zusammengefassten Projektergebnisse werden von der Holzforschung Austria für den Holzbau, die Sägeindustrie und die Forstwirtschaft anwendungsorientiert aufbereitet und als proHolz Arbeitsheft 6/04 in der zweiten Hälfte des Jahres 2004 veröffentlicht werden.

Bestellung
proHolz Austria
im Shop von www.proholz.at
oder unter info@proholz.at
Preis: Euro 7.- inkl. USt.
zuzüglich Versand


http://www.holzforschung.at/

Text

Andreas Neumüller
  • 1986–92 Studium der Forst- und Holzwirtschaft, BOKU Wien
  • 1992–95 Assistent
  • 1998 Doktorat
  • seit 1995 Mitarbeiter der Holzforschung Austria
  • seit 2001 Leiter der Abteilung Roh- und Werkstoffe

Dieser Artikel ist abgelegt in: