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Neue Technologien verbessern die Eigenschaften von Möbeloberflächen

Gerhard Grüll, Andreas Illy

Die Holzmassivbauweise am Beispiel von Brettsperrholz

Spektrum und Qualität der Beschichtungen für Möbel aus Holz und Holzwerkstoffen wurden in den letzten Jahren erweitert und verbessert. Welche Oberfläche für welchen Bereich zum Einsatz kommt, ist von einer Vielzahl von Anforderungen an die Verarbeitung und den Gebrauch abhängig. In der Fertigung von Möbeln sind neben technischen Aspekten ökonomische und durch gesetzliche Auflagen bestimmte ökologische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Durch die unterschiedlichen Voraussetzungen in den Betrieben werden Lösungen und deren Umsetzungen individueller. Beschichtungsmaterialien und Applikationstechniken sind nicht mehr universell einsetzbar. Das kann sich auch in der Produktionsauslagerung der Beschichtung auswirken.

Nutzung entscheidet über Beschichtung
Die vorgesehene Verwendung von Möbeln und die Art des Möbelteiles sind für die Wahl der Beschichtung ausschlaggebend. Die Benutzer von Möbeln haben unterschiedliche Erwartungshaltungen. In Bezug auf die Oberfläche sind beim Kauf eines Möbels Optik und Haptik vorrangig. Auch können Gerüche von Möbeln den Kauf mitentscheiden. Andere Anforderungen sind vorerst sekundär und können nur schwer beurteilt werden. Ob die Eigenschaften der Oberfläche genügen, wird durch den Konsumenten erst im Gebrauch festgestellt. Lackierte Holzoberflächen, meist furnierte Holzwerkstoffplatten, werden im Wohnbereich am häufigsten verwendet. Als alternative Behandlungsmaterialien für Massivholzmöbel haben Öle und Wachse verstärkt am Markt gewonnen. Möbel mit Melaminharzbeschichtung und Kunststofffolien werden ebenso gekauft. Durch die gesetzlichen Vorgaben werden bei der Möbellackierung vermehrt lösungsmittelarme Systeme verwendet. Aufgrund von Übergangslösungen werden aber auch noch Lösungsmittellacke, vor allem 2KPolyurethanlacke, verarbeitet. Ebenso setzen technische und wirtschaftliche Gründe, wie spezielle Anforderungen an die Oberfläche und die Losgröße in der Produktion, bei der Umstellung auf lösungsmittelarme Lacksysteme noch Hürden und Grenzen.

Trend zu wasserlöslichen Lacken
Häufig werden als lösungsmittelarme Systeme wasserverdünnbare Lacke verwendet, weil diese ähnlich den Lösungsmittelsystemen zu verarbeiten sind. Wasserlacke kamen in ihren Anfängen immer wieder unter Beschuss. Kritisiert wurden Verarbeitbarkeit, Optik und Beständigkeit. Vor allem führten Spätschäden durch Lackerweichung zu Reklamationen und einem negativen Image von wasserverdünnbaren Lacken. Die Produkte wurden aber weiterentwickelt und haben heute ein großes Einsatzfeld. Die Applikation von wasserverdünnbaren Lacken bedarf einer besonderen Beachtung der Fertigungsparameter. Durch eine Umstellung auf wasserverdünnbare Systeme wurden einige Investitionen in der Anlagentechnik notwendig. Die Ausführung der Applikationsgeräte ist ein wichtiger Faktor für eine ordnungsgemäße Lackierung. Um auch die künftigen Entsorgungskosten möglichst gering zu halten, ist bei der Auswahl der Applikationsanlage Augenmerk auf den Wirkungsgrad des Lackauftrages zu richten. Zu beachten sind die Temperierung des Lacklagers und die Klimatisierung der Verarbeitungsräume. Auch die Vorarbeiten sind bei einer Umstellung auf wasserverdünnbare Lacke anzupassen. Lösungsmittel können in der Möbelfertigung auch durch die Applikation von UV-härtenden Walzlacken reduziert werden. Hier sind aber der Anwendung durch die Teilegeometrie Grenzen gesetzt. Der Walzauftrag ist nur für ebene Flächen mit geringen Stärketoleranzen geeignet.

Öle und Wachse für Vollholzmöbel
Bei Vollholzmöbeln ist der Anteil an öl- undz oder wachsbehandelten Oberflächen sehr hoch, weil gerade sie naturnahe gestaltet werden sollen. Das dient auch der Lösungsmittelreduktion. Ein gewisser Schutz der Oberflächen ist aber wünschenswert. Die Normanforderungen hinsichtlich der Beständigkeit können durch diese Oberflächen jedoch nicht erfüllt werden, weshalb unbedingt eine regelmäßige Pflegebehandlung vorzusehen ist. Durch leichtes Anschleifen bzw. Abschleifen bei Beschädigungen und Fleckenbildung und einer neuerlichen Behandlung ist es relativ einfach, eine neuwertige Optik zu erzielen. Bei Büro- und Küchenmöbeln haben sich aufgrund der guten Beständigkeit Melaminharzbeschichtungen bewährt. Verschiedenste Kunststoffe wie PVC, ABS und PP werden eingesetzt, wobei PVC aus Umweltschutzgründen Marktanteile verloren hat. Der Einsatz von Folien auf Möbeloberflächen hat besonders bei Küchenfronten einen wesentlichen Stellenwert. Hier ist auf die notwendige thermische Beständigkeit vor allem des Folienklebers im Backrohr- und Kochplattenbereich hinzuweisen. Bei Kunststoffen ist die Recyclierbarkeit und die thermische Verwertung in die Produktplanung miteinzubeziehen.

Hoffnungsträger Pulverbeschichtung
Als hoffnungsvolle Beschichtungstechnologie von Holzwerkstoffen wird die Pulverbeschichtung gesehen. Um Serienreife in der Möbelteilbeschichtung zu erzielen, sind noch Weiterentwicklungen notwendig. Vorraussetzung für eine Pulverbeschichtung ist die Art und Zusammensetzung des Trägerwerkstoffes. Parameter wie thermische Beständigkeit und Ausgasverhalten von Holzwerkstoffplatten sind abzustimmen. Die Beständigkeit der fertigen Beschichtung ist wesentlich von den Pulvereigenschaften abhängig. Für welche Möbeloberfläche man sich entscheidet, hängt neben den Verarbeitungsparametern, der Losgröße und den gesetzlichen Vorgaben von der Optik und den geforderten Beständigkeiten fertiger Möbeloberflächen ab.

Erstveröffentlichung in »Holzforschung und Holzverwertung«, Heft 3/ 2002, S. 50

Text

Gerhard Grüll
  • geboren 1972 in Mödling. 
  • 1986 - 91 HTL für Holztechnik, Mödling
  • 1992 - 98 Studium der Holzwirtschaft an der Universität für Bodenkultur Wien
  • seit 1992 Mitarbeiter der Holzforschung Austria, Leiter des Moduls »Oberfläche«
Andreas Illy
  • Studium der Holzwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien
  • anschließend Assistent der technischen Leitung bei einem Büromöbelhersteller Assistent am FH Studiengang für Holztechnik und Holzwirtschaft im Holztechnikum Kuchl
  • Anwendungstechniker bei einem Lackhersteller
  • derzeit im Bereich Möbel und Innenausbau bei der Holzforschung Austria tätig
  • weiters Lehrbeauftragter für Holzoberfläche und Arbeitnehmerschutz am Holztechnikum Kuchl