Im Gegensatz zum konventionellen
Holzbau, dessen stabförmige Konstruktionsglieder nach einer
eindeutigen Tektonik, d.h. nach einer ablesbaren Logik des Baugefüges
verlangen, ist das Brettsperrholz ein indifferentes Material.
Es ist nahezu beliebig formbar und problemlos von Industrierobotern
bearbeitbar. In der Massivbauweise von z.B. Außenwänden
ist die Dämmebene klar von der Tragstruktur getrennt. Im
Gegensatz zur Leichtbauweise, wo mit Tafeln beplankte, stabförmige
Produkte für die Lastabtragung verantwortlich sind, werden
bei der massiven Bauweise großformatige, flächenhafte
Elemente eingesetzt.
Bei der Massivbauweise ist zumeist keine Dampfbremse bzw.-sperre
erforderlich. Im Vergleich zur Leichtbauweise können hohe
speicherwirksame Massen vorliegen, sofern diese nicht durch
Vorsatzschalen und Installationsebenen »weggedämmt«
werden. Die durch die Verwendung von massiven, flächenhaften
und lastabtragenden Platten- und Scheibenelementen geprägte
Holz-Massivbauweise mit Brettsperrholz zeichnet sich bei entsprechender
Fügetechnik gewöhnlich durch eine hohe Gebäudesteifigkeit
aus.
Mit dem »neuen« Holzbau aus massiven Elementen wächst
auch die architektonische Herausforderung und die Frage erscheint
interessant, inwieweit die technologischen Besonderheiten sich
auf die architektonische Gestalt auswirken werden. |
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Text:
Gerhard Schickhofer
Studium des Bauingenieurwesens an der TU Graz.
Seit 1990 am Institut für Stahlbau, Holzbau und Flächentragwerke
tätig.
1994 Promotion an der TU Graz. Seither Aufbau zahlreicher Forschungsschwerpunkte,
wie z. B. »Holz-Massivbauweise«, »Sortierung
und Festigkeit« »Holz im Brückenbau«.
Seit 1999 venia docendi für den Fachbereich »Holzbau
und Holztechnologie« und Initiator des Aufbaus eines Kompetenzzentrums
K-Ind »Holz*Bau*Physik« im Bautechnikzentrum (BTZ)
der TU Graz.
Seit 2001 koordinierender Leiter des BTZ und Leiter der Arbeitsgruppe
»Holzbau und Holztechnologie«. Zahlreiche Veröffentlichungen
und Vorträge zu verschiedenen Themen rund um den Werkstoff
Holz.
Gerhard Schickhofer
Ao.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.
Lessingstraße 25 / III
A-8010 Graz
T +43 (0) 316 873 6702
F +43 (0) 316 873 6707
gerhard@steel.tu-graz.ac.at |
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Das Produkt Brettsperrholz (BSP)
Das Ausgangsmaterial für die Herstellung von Brettsperrholz
(BSP) sind sägeraue Bretter, welche vorwiegend aus den
Stammrandzonen eingeschnitten werden. Die somit verwendete
Brettseitenware - in Sägerkreisen, bedingt durch geringere
Wertschöpfung eher als »minderwertiges« Schnittholz
angesehen - besitzt jedoch gewöhnlich die besten Eigenschaften
hinsichtlich Festigkeit und Steifigkeit.
Die Breite der Einzelbretter von BSP-Platten reicht normalerweise
von 80mm bis 240mm, die Dicke von 10mm bis maximal 35mm. Gegenwärtig
werden die Nadelholzarten Fichte, Kiefer, Lärche und
Tanne zu BSP-Platten verarbeitet. Laubholzarten, wie z.B.
Esche und Buche könnten folgen.
Die vierseitig gehobelten Brettlamellen können einen
parallelen, profilierten oder konischen Kantenverlauf aufweisen.
Der typische Aufbau einer BSP-Platte erfolgt mit zueinander
in einem Winkel von 90° orientierten Brettlagen bzw. Einschichtplatten.
Auch eine Orientierung der Brettlagen z.B. im Winkel von 45°
ist denkbar. Der quasi starre Verbund der einzelnen Einschichtplatten
erfolgt durch eine flächenhafte Verklebung. Um dies zu
erreichen, wird ein entsprechendes Auftragsystem für
den Klebstoff empfohlen. Zudem sollte der klebstoffabhängige
Pressdruck während des Pressvorganges eingehalten werden.
Die Größe und Form der BSP-Elemente wird durch
einschränkende Vorgaben hinsichtlich Produktion, Transport
und Montage bestimmt. Für leicht gekrümmte BSP-Elemente
sind die Stärken der Einschichtplatten auf das gewünschte
Krümmungsmaß abzustimmen. Der max. Biegeradius
steht in Zusammenhang mit den Schichtstärken sowie der
charakteristischen Biegefestigkeit der Brettlamellen und sollte
entsprechend den Anforderungen der en 386 wie für gekrümmte
BSH-Bauteile eingehalten werden.
Unterschiedliche Kombinationen von Längs- und Querlagen
eines BSP-Elementes ermöglichen eine Vielzahl mehrschichtiger
Plattenaufbauten, die entsprechend den statisch-konstruktiven
als auch brandschutztechnischen Anforderungen optimiert werden
können. Für eine gute Querverteilung können
Platten mit z.B. ausgeglichenen Biegesteifigkeiten in Längs-
und Querrichtung aufgebaut werden. Mit 3 (5)-schichtigen Querschnittsaufbauten
sind Plattenstärken bis rund 100 (170)mm möglich.
Die Anforderungen an die Herstellung der einzelnen BSP-Produkte
sowie die Richtlinien zur Verwendung der Elemente als tragende
und aussteifende Bauteile sind in den entsprechenden Zulassungen
geregelt. Die Verwendung von BSP ist nur in den Nutzungsklassen
1 und 2 nach din en 386 zulässig.
BSP-Platten werden grundsätzlich als industriell gefertigte
Rohware in Nicht-Sichtqualität hergestellt. Möchte
man die Plattenoberflächen in Sichtqualität, so
ist eine entsprechende Decklagenausführung erforderlich,
wobei diese je nach Eigenschaften als mittragend oder nicht
mittragend berücksichtigt werden kann.
Der Einsatz
Die Holz-Massivbauweise mit Brettsperrholz (BSP) ist geprägt
durch den lastabtragenden Einsatz von massiven, mehrschichtig
aufgebauten Elementen, welche in den Hauptachsen große
Abmessungen gegenüber der Bauteildicke aufweisen (2D-Bauteile).
Die flächenhaften BSP-Tragelemente wirken je nach Belastungssituation
als Platte und oder Scheibe.
Durch den Querschnittsaufbau von BSP - gewöhnlich zueinander
im rechten Winkel angeordnete Einschichtplatten (und damit
der Brettlamellen) - kann ein entsprechendes Längs- und
Quertragverhalten mit einem einzigen Plattenelement erzielt
werden. Zufolge einer - abhängig vom Querschnittsaufbau
- produzierbaren Lastverteilungskapazität ist die Einleitung
von Einzellasten in jedem Punkt möglich. Die vielfältigen
Einsatzmöglichkeiten von BSP zeigen sich an der BSP-Produkte-
und Bauteilvariabilität. So können nicht nur großformatige
Außen- und Innenwände sowie Dach- und Deckenelemente
realisiert werden, sondern sowohl Stiegenläufe und Balkonplatten
als auch stabförmige lastabtragende Bauteile wie Überlager,
Unterzüge und Stützen.
Die Stärke eines für einen mehrgeschoßigen
Wohnbau (bis max. 3 Geschoße) gewöhnlich eingesetzten
5-schichtigen BSP-Wandelementes beträgt erfahrungsgemäß
rund 95 mm (Orientierungshilfe). Die Mindeststärke für
tragende, massive Wandbauteile ist zwar produkt- und damit
kenngrößenabhängig, sollte jedoch generell
nicht unter 75 mm liegen (Empfehlung).
Mit 5-schichtigen BSP-Deckenplatten mit d = 125 - 160mm sind
je nach Platten- und Deckenaufbau sowie Beanspruchungshöhe,
Spannweiten zwischen 4 und 5m wirtschaftlich realisierbar.
Für größere Spannweiten und höhere Wandelemente
ohne Zwischenstützung eignen sich Rippenplatten mit aufgeleimten
BSH-Trägern oder Kastenquerschnitte mit BSH-Stegen.
Die massiven Wand-, Decken- und Dachelemente können exakt
und individuell nach Plan gefertigt werden und lassen sich
gewöhnlich mit einer systematisierten und einfachen Verbindungstechnik
zusammenfügen. Langwieriges Ausrichten oder Einpassen
auf der Baustelle entfällt. Dämmungen, Vorsatzschalen
und Fassadenelemente können leicht am BSP-Element befestigt
werden (schnelle Montage).
Realisierung der Aussteifung
Die Gebäudeaussteifung erfolgt durch aussteifende Wände
aus BSP-Elementen, welche in Kombination mit den Geschoßdecken
ein steifes, dreidimensionales Tragwerk bilden. Die horizontale
Aussteifung setzt eine kraftschlüssige Verbindungstechnik
der einzelnen Elemente voraus.
Die erforderliche Anzahl und Lage der aussteifenden Elemente
eines Gebäudes wird von der Bauwerksgeometrie, dem Querschnittaufbau
sowie der Geometrie der einzelnen aussteifenden Elemente und
den horizontalen Lasteinwirkungen (Erdbeben, Wind) bestimmt.
Für die Ableitung von horizontalen Lasten ist neben der
Art der Verbindungstechnik, vor allem die unbeeinflusste Wandlänge
bestimmend (Seiten: Höhen- Verhältnis der Wand).
Große Wandöffnungen (Fenster, Türen), welche
die vertikale und horizontale Lastabtragung unterbrechen,
stören die Scheibentragwirkung der Wand.
Da massive Wandelemente wesentlich »steifer« sind
als beispielsweise Wände in Leichtbauweise (Rahmenbau),
kann die Anzahl und Länge der aussteifenden Wandscheiben
reduziert werden. Ein entsprechender Nachweis ist aber dennoch
Grundlage jeder statisch-konstruktiven Bearbeitung.
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Einheben eines Wandfertigteiles auf der Baustelle
Bild: Archiv Lehrst. f. Holzbau, TU Graz |