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Bridport House, London/GB

Gudrun Hausegger

Bridport House ersetzt einen Wohnblock aus den 1950er Jahren. Der leichte Baustoff Holz ermöglichte einen energieeffizienten, kostengünstigen Neubau von doppeltem Bauvolumen.

Die Gemeinde Hackney setzte mit dem nachhaltigen und kostengünstigen Bau aus Brettsperrholz eine erste, wesentliche Maßnahme zur Erneuerung des Stadtviertels im Nordosten des Stadtzentrums von London. Der Bau ist in enger Auseinandersetzung mit den künftigen Bewohnern entstanden.

Nicht weit davon entfernt, ebenfalls in Hackney, wurde 2009 ein Vorgänger-Pionierbau in Massivholz eröffnet: das „Stadthaus“, ein 29,75 Meter hoher Wohnturm, für den das Londoner Architekturbüros Waugh Thistleton verantwortlich zeichnet.

Mit Holz leicht in die Höhe

Bridport House ist der erste mehrgeschossige Holzbau in Großbritannien bei dem auch das Erdgeschoß in Holz ausgeführt wurde – im Gegensatz zum neungeschossigen „Stadthaus“, dessen Erdgeschoß in Beton gefertigt ist.

Die Gründe das neue Wohnhaus in Holz zu bauen, waren vielfältig. Ein maßgeblicher Faktor lag in der Notwendigkeit einer möglichst leichten Tragstruktur: Einer der größten Abwasserkanäle Londons verläuft diagonal unter dem Baugrund und vereitelte den Einsatz eines schweren Baumaterial.

„Mit Hilfe von Brettsperrholz konnte beim Neubau die Höhe verdoppelt werden, während sich das Gesamtgewicht des Gebäudes um nur zehn Prozent erhöhte,“ erklärt Ingenieur Philipp Zumbrunnen von der zuständigen Londoner Holzbaufirma EURBAN. So ersetzt das neue achtgeschossige Haus (ein Teil des Baus ist fünfgeschossig) mit seinen 41 Wohnungen den alten viergeschossigen Wohnblock mit nur 20 Einheiten.

Rasche Bauzeit, lange CO2-Speicherwirkung

Die Fabrikationszeit für den 25,5 Meter hohen Holzbau betrug nur zehn Wochen, die Bauzeit nur zwölf. Die 1.100 Brettsperrholzpaneele wurden in Österreich vorgefertigt und mit 30 LKWs nach Großbritannien geliefert. Eine hohe Umweltbelastung?

Keinesfalls! Denn wie die Berechnungen des Centre for Sustainable Development der University of Cambridge zeigen, fungiert das Bridport House als effizienter Kohlenstoffspeicher: In den 1.576 m³ verbauten Brettsperrholz sind 2.113 Tonnen CO2 gespeichert. Jede Wohnung enthält 30-40 m2 Brettsperrholz, das entspricht über 30 Tonnen CO2. Wäre das Gebäude in herkömmlichen Stahlbeton ausgeführt worden, wären 892 Tonnen freies CO2 angefallen.

Ein neuer Wohnungsstandard für Hackney

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen dürfen hoher Wohnqualität nicht im Wege stehen. So der planerische Ansatz des Londoner Büros Karakusevic Carson Architects. Beim Bridport House kommen die Vorteile des Systems Brettsperrholz mit seiner hohen Flexibilität voll zum Tragen.

Mit der Ost-West Ausrichtung des Gebäudes wurde dem Sonnenstand und der Versorgung mit ausreichend Tageslicht Rechnung getragen sowie die Orientierung zum gegenüberliegenden Shoreditch Park ermöglicht. Genügend Freiraum ist vorhanden: Den größeren Wohnungen im Erdgeschoss sind private Gärten vorgelagert, die kleineren Einheiten in den oberen Stockwerken sind mit großzügigen Balkonen ausgestattet. Die Wohnungsgrößen liegen zwischen 54 und 125 m2, zwei unterschiedliche Grundrisstypen mit jeweils flexibler Raumeinteilung stehen zur Auswahl.

Bridport House

Standort

Bridport Place, London/GB

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Bauherr

The London Borough of Hackney, London/GB, www.hackney.gov.uk

Planung

Karakusevic Carson Architects, London/GB, www.karakusevic-carson.com

Holzbau

Eurban, London/GB, www.eurban.co.uk

Fertigstellung

2010