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Haus Pliscia 13, Enneberg, San Vigilio di Marebbe/I

Das Alte respektieren, das Neue zulassen

„Das Alte respektieren und das Neue zulassen,“ so lautet ein bewährter Planungsansatz von pedevilla architekten aus Bruneck, Südtirol. So nimmt auch das Wochenendhaus „Pliscia 13“ inmitten der Südtiroler Dolomiten gewohnte Elemente und Materialien der nachbarschaftlichen Bautypologien auf und bringt diese in eine klare, wenn auch nicht radikale, zeitgemäße Umsetzung.

Da wären zunächst die beiden versetzten Baukörper, die am Ende des kleinen Weilers Enneberg – 1200 Meter zeigt hier der Höhenmesser an – behutsam in den steilen Hang gesetzt sind. Mit dieser paarweisen Gruppierung nimmt das Einfamilienhaus Bezug auf die „Viles“ (oder Weiler), eine alte ladinische Siedlungsform, die typisch für die Kulturlandschaft des Gadertals im Dolomitenraum ist: Angeordnet in kleinen Gruppen von Höfen, beruhen diese kompakten Siedlungen auf der aktiven Beteiligung sowie der gegenseitigen Nachbarschaftshilfe und Solidarität der Gemeinschaft. Im Fall des Hauses Pliscia 13 ist ein Teil des Gebäudeensembles das Haupthaus der Familie, das andere, kleinere wird als Ferienhaus verwendet.

Die meisten der alten Höfe in den Viles bestehen aus mindestens zwei Gebäuden, dem Wohn- und dem Wirtschaftsgebäude, wobei das Wohnhaus einen gemauerten Sockel mit aufgebauter Holzkonstruktion hat und das Wirtschaftsgebäude zumeist vollständig aus Holz besteht. Sie respektieren das zumeist sehr steile Gelände, sind in den Hang gebaut und kommen vielfach ohne störende Stützmauern aus.

Ebenso nahmen Alexander und Armin Pedevilla im Aufgreifen der Elemente Satteldach, Loggia und Holzfassade Bezug zur traditionellen lokalen Bautradition.

Aus der Umgebung gewonnene Materialien

Doch nicht nur bautypologisch verweist das Haus Pliscia auf seine Umgebung, auch bezüglich der verwendeten Materialien blieb man in der Nachbarschaft.

Das gesamte Gebäude wurde in Sichtbeton gegossen, zugeschlagen wurde dem Beton Dolomitengestein. Ebenso war der Einsatz von Holz ein wesentlicher Bestandteil des Entwurfs und ging auch Hand in Hand mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit. Die verwendeten Holzarten, Zirbe und Lärche, stammen aus dem Gadertal – und wurden in der richtigen Mondphase im Jahr vor Baubeginn geschlagen.

Die vertikale Bretterschalung des „Holzmantels“ besteht aus Lärche, behandelt mit einer wasserlöslichen Imprägnierung auf Acrylharzbasis. Dieser umlaufende, vorspringende Holzmantel ist eine Referenz auf die Holzfassaden mit meist integrierter, windgeschützter Loggia der alten Gebäude in dessen Verbund das Haus Pliscia im Weiler steht.

Im Inneren der beiden Häuser stehen massive Zirbe, unbehandelt und handgehobelt, für Böden, Türen, Fenster und Möbel im atmosphärischen Miteinander des Sichtbetons für Wände, Decken und ebenfalls einen Teil der Böden. Rustikale Elemente der Möblierung wechseln mit reduziert-abstrakten Teilen, wie den Bücherregalen mit ihrer luftigen, lamellenartigen Struktur. Großformatige Fenster öffnen die großzügigen Innenräume mit bewusster Dramaturgie gegen die bergige Landschaft. „Diese Materialien schaffen im Inneren eine beschützende, wohnliche und vertraute Atmosphäre, die in einem angenehmen Gegensatz zum manchmal rauen Klima der Umgebung steht,“ so die Architekten.

Nachhaltige Energieversorgung

Die eigene Wasserquelle, Erdwärme, passive Sonnenenergienutzung und eine im Dach integrierte PV-Anlage versorgen das Haus mit den notwendigen Energiequellen und machen das Gebäude energetisch autark. Durch die genau positionierten Fensteröffnungen konnte auf Beschattungselemente gänzlich verzichtet werden. Der gewünschte Sonneneintrag im Winter reduziert die Heizkosten und sorgt für ein behagliches Raumklima. Durch den hohen Sonnenstand im Sommer und der massiven Bauweise kommt die Phasenverschiebung zum Tragen und versorgt das Haus mit einer konstanten Raumtemperatur.

Im November 2013 wurde das Haus Pliscia mit dem 7. Architekturpreis Südtirol (Kategorie Wohnen) ausgezeichnet und bekam in diesem Rahmen auch den Publikumspreis zugesprochen.

Fotos:

Gustav Willeit