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Mehrgenerationenhaus Giesserei, Winterthur/CH

Gudrun Hausegger

In Europa ist die Schweiz jenes Land, das im mehrgeschossigen Holzbau die Vorreiterrolle einnimmt. Das gilt nicht nur für Bauten mit ökologischer Ausrichtung, sondern auch verstärkt für inhaltlich innovatives Bauen. Beide Zielsetzungen waren beim Ende Jänner 2013 eröffneten „Mehrgenerationenhaus Giesserei“ in Winterthur maßgebend. 

Ein Holzbau war Voraussetzung

Dass der ökologische Baustoff Holz bei diesem Wohnbau mit nachhaltiger Ausrichtung und innovativer partizipativer Siedlungsstruktur zum Tragen kommen soll, war, sowie der geforderte Minergie-P-Eco-Standard, bereits Teil der Ausschreibung des 2009 abgehaltenen Projektwettbewerbs. Mit zwei sechsgeschossigen Längs- und zwei zweigeschossigen Querbauten und 155 Wohnungen zählt der hofförmige Gebäudekomplex nun auch zu einem der größten Holzwohnbauten der Schweiz.

Mit Ausnahme von Untergeschossen, Treppenhäusern und brandschutztechnischer innerer Verkleidung (auch die Räume sind auf Grund des Brandschutzes mit Gipsfaserplatten verkleidet) ist es auch ein konsequenter Holzbau geworden: Die Wände wurden in konventioneller Ständerbauweise realisiert, Dach- und Deckenelemente sind je nach Spannweite aus Rippen- oder Vollholzelementen gefertigt. „In Zahlen ausgedrückt,“ so erklärt der für den Bau zuständige Holzbauingenieur Daniel Indermühle „umfasst das Gesamtvolumen der Tragkonstruktion 2.400 Kubikmeter an Brettschicht- und Rahmenholz. Das entspricht 148 Kilometer, würde man die hölzernen Bauteile linear auflegen.“

Die teilweise drei Meter breiten, teilweise zweigeschossigen Loggien fungieren als zusätzliche Außenräume und sind Teil des tragenden Holzgerüstes. Ihre Bodenflächen sind mit Thermofichte ausgestattet – 5.100 Quadratmeter kamen hier zum Einsatz.

Meist werden mehrgeschossige Holzbauten aus brandschutztechnischen Gründen mit einer mineralischen Fassade versehen. Nicht so die Giesserei in Winterthur, da es dem Zürcher Büro Galli Rudolf Architekten ein ausdrückliches Anliegen war, die Siedlung als Holzbau sichtbar zu belassen. So bekleiden horizontale und vertikale Latten aus Weißtanne die Gebäude.

Gemeinsame nachhaltige Bewirtschaftung

Das Mehrgenerationenhaus bietet mit einem vielfältigen Wohnungsangebot unterschiedlichen Familiengrößen und -ständen, kurz Jung und Alt ein Zuhause. Die Siedlung wird als selbstverantwortliche Hausgemeinschaft organisiert, die Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen (GESEWO) ist als Bauherr eine Art logistisches Anlaufzentrum. Nachbarschaftliche Netzwerke sind das Um und Auf, damit das gemeinschaftliche Wohnen zur Zufriedenheit aller funktioniert.

Die nachhaltige Bewirtschaftung der Siedlung und die Beteiligung aller Bewohner und Bewohnerinnen daran, gehört zum Konzept: Mit „Smart Metern“ zum Beispiel kann der Heizenergie-, Strom- und Warmwasserverbrauch verfolgt, und so der Energieverbrauch gering gehalten werden. Und man fährt mit dem Fahrrad, es ist eine autofreie Siedlung – 580 Fahrradabstellplätze stehen zur Verfügung.

 

Mehrgenerationenhaus Giesserei

Standort

Ida-Sträuli-Straße, Winterthur/CH

Bauherr

Gesewo, Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen, Winterthur/CH, www.gesewo.ch

Planung

Galli Rudolf Architekten, Zürich/CH, www.galli-rudolf.ch

Statik

Indermühle Bauingenieure, Thun/CH, www.i-b.ch

Holzbau

Knecht AG, Oberwil-Dägerlen/CH, www.knecht-ag.ch; Implenia Schweiz AG, Zürich/CH, www.implenia.com; Strabag AG, Lindau/CH, www.strabag.ch

Fertigstellung

Mai 2013