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Öko-Solarhaus L.I.S.I.

Im Oktober 2013 ging das Öko-Solarhaus L.I.S.I. beim international renommierten Solar Decathlon als Sieger hervor. Der österreichische Beitrag konnte vor allem in den Kriterien Energiebilanz, Heißwasseraufbereitung und Kommunikation punkten. Zusätzlich bietet das Einfamilienhaus hohen Komfort sowie ein angenehmes und gesundes Lebensumfeld. 

Wettbewerb für energieautarkes Wohnen

Seit 2002 wird der Solar Decathlon, ein international renommierter Wettbewerb für energieautarkes Wohnen, alle zwei Jahre vom U.S. Energieministerium ausgeschrieben. Neben der Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit im universitären Bereich ist das Ziel des Wettbewerbs, das Wissen um Energieeffizienz, erneuerbare Energieträger und nachhaltiges Bauen zu fördern. Der Einsatz von Solarenergie ist ein Muss der Teilnahmebedingungen.

Das österreichische Projekt L.I.S.I. (Living Inspired by Sustainable Innovation) wurde gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) sowie Studenten der TU Wien, der FH St. Pölten und der FH Salzburg entwickelt und schaffte damit als erstes österreichisches Team im Jänner 2013 die Zulassung zum Solar Decathlon.

Die Teilnahme am Wettbewerb ist eine besondere Auszeichnung: Aus etwa 160 Einreichungen wurden lediglich 20 Universitäten ausgewählt, 18 kamen davon aus den USA oder Kanada, nur zwei aus Europa (neben dem Team L.I.S.I. schaffte es ein Team aus der Tschechischen Republik in die Endauswahl).

Ökologische Baustoffe

Eine wesentliche Rolle an der nachhaltigen Ausrichtung des Öko-Solarhauses spielen Holzwerkstoffe. Praktisch alles in dem Haus besteht aus dem ökologischen, CO2-neutralen Baustoff Holz oder sogar aus Holzabfällen, wie etwa die Sessel aus Sägemehl und Rinden. Durch den leicht verarbeitbaren und transportierbaren Baustoff und dank einer hochwertigen technischen Performance sollte L.I.S.I. orts- und klimaunabhängig aufgestellt werden können. Rurale sowie städtische Kontexte sind denkbar.

Das österreichische Team stand dabei zunächst im Gegensatz zur amerikanischen Konkurrenz vor der Herausforderung, L.I.S.I. in der Dimensionierung „Schiffscontainer gerecht“ zu entwerfen. So wurden schon bei der Planung die maximalen Abmessungen der Container mitberücksichtigt: Alle vorgefertigten und geringgewichtigen Module des Konstruktionssystems passen in sechs Frachtcontainer.

Wiederverwendbarkeit

Um L.I.S.I. mehrmals auf- und wieder abbauen zu können, bedarf es einer durchdachten Konstruktion: Auf vier Boden-Modulen sind zwei horizontal aussteifende Kerne positioniert, die die gesamte Haustechnik beinhalten. Vier Deckenmodule und die aufliegende Photovoltaikanlage ergeben das Dach. Die Tragkonstruktion in Holz-Kasten- Bauweise bildet sämtliche Decken und Wände. Zwischen den Konstruktionshölzern befindet sich Zellulosedämmung, die für ein angenehmes Raumklima sorgt.

Der Zusammenbau der Bauteile auf jeder beliebigen Baustelle ist ohne großen technischen Aufwand handhabbar, erfordert lediglich einen Kranwagen und eine erfahrene Mannschaft. Somit sind Ab- und Wiederaufbau ebenso einfach durchzuführen.

Wird ein L.I.S.I.-Haus nicht mehr gebraucht, macht der hohe Anteil an recyclierbaren Baustoffen auch seine umweltfreundliche Entsorgung möglich. Doch das Konzept des Hauses ist zunächst, so oft wie möglich, auch an unterschiedlichen Standorten wiederverwendet zu werden. Daher ist sein Grundriss flexibel gestaltbar und seine technische Performance an unterschiedliche Klimazonen anpassbar.

Kompakte Struktur in drei Zonen

Neben der auf Holz basierenden Materialien ist vor allem auch die kompakte Bauweise von L.I.S.I. für die hohe Energieeffizienz verantwortlich: Eine geräumige Wohnfläche, die sich bei Bedarf mit Schiebewänden großzügig gegen ihre Umgebung öffnen lässt, bildet den zentralen Kern des Hauses. Der Wohnraum kann zur Gänze in die zweite Zone der angrenzenden Innenhöfe nach Norden und Süden erweitert werden, um so den Wohnbereich auf die zweifache Größe nach außen hin auszudehnen.

Versorgungstechnisch gibt es den strukturellen dunklen Kern, in dem das Bad, Schlafzimmer sowie die avancierte Haustechnik liegen, wie PV-Monitor (die Photovoltaik-Module sind am Dach angebracht), Bus-System, Installationssteuerung oder das Kompaktlüftungsgerät. Das Haus für zwei Bewohner erzeugt genügend Energie, um den täglichen Bedarf zu decken.

Bereits nach dem Wettbewerbsgewinn bekam das österreichische Team einige Kaufangebote. Das Haus ist jedoch vorerst unverkäuflich, es wurde nach dem Bewerb wieder abgebaut und wird in Österreich öffentlichkeitswirksam ausgestellt.