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Paramount Residence Alma, Sexten/I

Gudrun Hausegger
Foto: Herta Hurnaus

Gebäude als Erweiterung ihrer Umgebung

„Buildings that become extensions of their surrounding“ (Gebäude als Erweiterung ihrer Umgebung), so lautet eine grundlegende Entwurfsstrategie von Plasma Studio. Das gilt ganz allgemein für die Projekte der internationalen Architektengruppe, die diese von den drei Bürostandorten Sexten, London und Peking aus betreuen. Besonders augenscheinlich wird dieser Ansatz bei ihren Bauten in der Berglandschaft der Südtiroler Dolomiten. Mit gefalteten Geometrien, klarer Linienführung und lokalen Materialien sind ihre Wohnhäuser und Hotelerweiterungen Interpretationen des Naturraums, als – sanfte – Irritationen aus dem Berg heraus modelliert.  

Das Bergdorf Sexten auf 1300 Meter Höhe ist gleichsam ein Konzentrat der Arbeiten von Plasma Studio: Hier finden sich mittlerweile das Hotel Strata (2007), das Cube-Haus (2008), Haus Dolomitenblick (2012) und nun auch ein Einfamilienhaus sowie die Erweiterung des Ferienhauses Residence Alma.

Ein Dach als Haus

Wo einst ein Satteldach die Residence Alma, ein Bau aus den 1960er-Jahren, abschloss, sitzt heute eine gefaltete Dachkonstruktion aus vorgefertigten Lärchenholzlamellen. Wie ein Flechtwerk breiten sich die Lamellen vom Dach gegen den Hang hin aus und formen ein zeltartiges Gebilde mit Einschnitten und Öffnungen. Darunter verbirgt sich ein Haus für eine fünfköpfige Familie – das Heim der Architekten Ulla Hell, die für Plasma Studio das Büro in Sexten betreut. 

Mit dem Umbau bzw. der Erweiterung koppelte Ulla Hell die Lösung zweier Notwendigkeiten: Zum einen suchte die gebürtige Südtirolerin in Sexten ein neues Zuhause für ihre Familie. Der steile Hang hinter dem Ferienhaus bot noch Platz. Zum anderen gab der Anbau Gelegenheit, das massive Untergeschoß der Residence Alma um einen gemeinsamen internen Treppenhauskern sowie um das Architekturbüro von Plasma Studio zu erweitern. Im Erdgeschoß fanden zudem neue Serviceeinrichtungen für die Gäste Platz. Von diesem Geschoß führt nun auch ein gedeckter Verbindungsweg zum benachbarten Hotel Strata. Und das ungenutzte Dachgeschoß des Bestandgebäudes wurde mit der neuen Dachkonstruktion zur Terrasse des Hauses.

Holzbänder als Sensoren

Die komplexe Form des Einfamilienhauses mit seinem Baukörper in Brettsperrholz folgt der alpinen Topografie sowie – ganz pragmatisch – den Ansprüchen einer fünfköpfigen Familie. Zudem spielt die Nachbarschaft zum Strata Hotel und dessen Fassade aus Lärchenholzlamellen eine wesentliche Rolle. Daran lehnte man sich an, setzte jedoch diesmal die Lamellen nicht horizontal, sondern der Form folgend ein.  

Umgesetzt wurde das Konzept in einem Entwurfsprozess mit bandförmigen Elementen aus Holz, die in zwei unterschiedlichen Formationen das Volumen des Bestandsgebäudes umspielen. Ein Teil der Holzbänder geht vom Gelände aus und tastet so, wie ein Sensor, die topografischen Gegebenheiten ab. Die Räume zwischen den Holzbändern der äußersten formgebenden Schicht (sie ruht auf einer Konstruktion aus feuerverzinktem, gespritztem Stahl) und den Außenwänden des Hauses schaffen geschützte Bereiche für den Aufenthalt im Freien.  

Den Himmel in polygonale Räume holen

Die räumliche Aufteilung des zweigeschossigen Baus übernehmen polygonale Platten aus Massivholz. (Geschützt werden die Platten von einer Polymerbitumenbahn-Außenhaut, die auf einer Holzfaserdämmung aufgebracht wurde, die ihrerseits auf der mit einer Unterbahn belegten Brettsperrholz-Konstruktion befestigt ist). Drei davon wirken tragend und werden konstruktiv von Stahlteilen unterstützt. Neben den funktionalen Anforderungen spielten besondere Wünsche der Bauherren eine große Rolle, wie zum Beispiel direkte Zugänge zum Außenbereich von allen Wohnräumen aus oder ein privater Garten auf der Rückseite des Hauses, abgewandt vom Ferienhaus, als Rückzugsbereich der Familie. „Wichtig war für uns vor allem der Ausblick auf die Berge und den ‚Himmel ins Haus zu holen’, um das Wetter direkt mitzuerleben,“ meint Ulla Hell. Und das kann man tatsächlich: Das Klima erlaubt die großflächigen Dachverglasungen, die zwischen den Massivholzplatten eingespannt sind. Vom Wohnzimmer ist sogar ein 360-Grad-Panoramablick möglich.  

Plädoyer für das Bauen mit vorgefertigten Massivholzteilen

Nicht nur der schnelle Baufortschritt auf der Baustelle begeistert Ulla Hell beim Bauen mit vorgefertigten Massivholzteilen, es ist vor allem auch die Planungssicherheit: „Man muss die Schnittstelle mit dem Holzbau frühzeitig und gut koordinieren. Aber das gibt Sicherheit im Planungs- und Bauprozess. So eine Form wie bei diesem Haus wäre zum Beispiel in Beton viel aufwändiger, und zudem wüsste ich vorab weniger um das Resultat Bescheid.“ Für den Brettsperrholzproduzenten stellten die vielen unterschiedlichen Massivholzplatten mit ihren zahlreichen schrägen Schnitten und Spezialbearbeitungen ein Meisterstück an Arbeitsvorbereitung dar.

Foto: Herta Hurnaus
Fotos: Plasma Studio

Paramount Residence Alma

Standort

Sexten/I

Bauherrschaft/Auftraggeber

privat  

Architektur

Plasma Studio (Sexten, I; London, GB; Peking, CN)
www.plasmastudio.com

Holzbau/Zimmerer

Andreas Lusser (Heinfels, A)
www.holzbau-lusser.at

in Zusammenarbeit mit
Das Massivholzhaus (Kufstein, A)
www.dasmassivholzhaus.com

Produzent Brettsperrholz

Stora Enso (Bad St. Leonhard, AT)
www.storaenso.com

Statik

Erlacher Andreas (Bozen, I)

Gebäudedaten

Einfamilienhaus in Holz-Massivbauweise

Fertigstellung

Ende 2012

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