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Studentenwohnheim, Ås/NO

Gudrun Hausegger

Die beiden Studentenwohnblöcke mit insgesamt 254 1-Zimmer-Wohnungen sind Teil eines umfangreichen Bauvorhabens, im Zuge dessen in den kommenden Jahren rund 600 Wohnungen für die Studierenden der Universität für Biowissenschaften in der Kommune Ås, 35 Kilometer südlich der Hauptstadt Oslo, bereitgestellt werden.

Holz war beim Bau der beiden achtgeschossigen Gebäude nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch wegen kurzer Bauzeiten der präferierte Baustoff der norwegischen Investoren. Die Bauten sind im Passivhausstandard errichtet.

Mehrgeschossiger Holz-Ingenieurbau im traditionellen Holzland Norwegen

Ist es nicht eine gewisse Ironie, dass ein österreichischer Holzbaubetrieb und ein österreichischer Brettsperrholzproduzent maßgeblich zum Entstehen des zurzeit höchsten Holzgebäudes in Norwegen beitragen? Keinesfalls. Raimund Baumgartner, verantwortlich für die Statik der hölzernen Tragkonstruktion der Studentenheime, liefert die Erklärung: „Auch wenn der Baustoff Holz in Norwegen eine lange Tradition hat, im mehrgeschossigen Ingenieurbau mit Holzfertigteilen liegen die Norweger gegenüber Mitteleuropa weit zurück. Einige Ingenieur- und Architekturbüros haben diesen Rückstand erkannt und stoßen verstärkt in diese Richtung vor. Insofern ist mehrgeschossiges Bauen in Holz in Norwegen durchaus im Kommen.“

Für das statische Gerüst der achtgeschossigen Bauten kam in Österreich vorgefertigtes Brettsperrholz zum Einsatz (15,5 Meter messen die längsten Platten und waren damit noch für den Transport geeignet). Brettschichtholz wurde für die auskragenden Balkone verwendet.

Brandschutzbestimmungen vergleichbar mit Österreich

Vergleichbar mit den Brandschutzbestimmungen in Österreich ist die Höhe von Holzbauten in Norwegen gesetzlich auf maximal vier Vollgeschosse beschränkt. Der Nachweis mittels geeigneter Brandschutzkonzepte macht jedoch höhere Gebäude in Holz möglich. Solch ein Nachweis wurde im Fall der beiden Studentenheime geliefert und erlaubte nicht nur die acht Stockwerke, sondern ebenso Liftschächte sowie Stiegenhäuser in Holz zu bauen. Teilweise ist auch das Brettschichtholz der Wände in den Wohnungen sichtbar belassen. „Dort, wo es die Brandschutzbestimmungen zuließen, blieben die Zimmerwände ohne Kapselung. Die Studenten sollen das Gefühl haben, in einem Bau aus Holz zu wohnen,“ so Baumgartner.

Um aktiv zum vorbeugenden Brandschutz beizutragen, ist die Holzunterkonstruktion nach außen hin mit einer nichtbrennbaren Lage aus mit Steinwolle gedämmten Platten isoliert. Zusätzlich fungiert dieses innovative Dämmsystem ob seiner Dichte als tragende Konstruktion, die die anfallenden Lasten der Verkleidung aufnehmen kann. Eine Fassade aus Holz wird die Bauten abschließen.

Innovative Verbindungstechnik

Viel innovatives Know-how ist in die Verbindungstechnik gelegt worden, da bei diesen trotz ihrer Größe leichten Gebäuden (5600 m2 Gesamtnutzfläche weisen beide Bauten auf) besonderes Augenmerk darauf gelegt werden musste, den starken Zugkräften entgegen zu wirken. Die Lösung lag in einer Kombination aus Spezialholzbauschrauben und geschweißten Stahlplatten, die die 2000 Kubikmeter Brettsperrholz zusammenhält. Die Stahlplatten übernehmen vor allem die Funktion, die Gebäude in ihren Fundamenten zu verankern.

Die Wahl des Fassadenmaterials als programmatisches Statement

Die Entscheidung, die Studentenheime mit Holz einzukleiden, weist einmal mehr auf eine nahezu ideologische Standpunktfrage zum Thema Fassadenbekleidung im mehrgeschossigen Holzbau hin. Obwohl zunächst eine Fassade aus hinterlüfteten Blechpaneelen geplant war, fiel die letztgültige Wahl auf Holz. Das Wohn- und Bürogebäude in Bad Aibling, Deutschland, sowie das Mehrgenerationenhaus Giesserei in Winterthur, Schweiz, sind ebenbürdige Vertreter solch einer „Bekennerschaft“ zur Holzfassade – trotz strenger Auflagen im Brandschutz.

Ebenso lässt sich in der Holzbranche die oftmals vertretene Gegenposition finden, dass eine Außenhaut aus Holz ab einer Höhe von drei bis vier Geschossen aus Gründen des Brandschutzes sowie wegen pflegetechnischer Anforderungen nicht mehr sinnvoll sei.

Liftschächte sowie Stiegenhäuser sind in Holz gebaut

Fotos:

Raimund Baumgartner GmbH

Studentenwohnheim

Standort

Ås/NO

Bauherrschaft/Auftraggeber

Private Gesellschafter und öffentliche Hand

Generalunternehmer

Bauunternehmer Veidekke (Oslo, N)

Ingenieure

Hoyer Finseth AS / MWC AS (Oslo, N)

Holzbau

Raimund Baumgartner GmbH (Reichenfels, AT)

Produzent Brettsperrholz

Mayr-Melnhof Holz Holding AG (Leoben, AT)

Gebäudedaten

Zwei 8-geschossige Wohntürme, Holz-Massivbauweise, auch Treppen- und Liftkörper aus Holz

Fertigstellung

Sommer 2013