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Warum Holz die Sinne beflügelt?

© Ignacio Martinez

Die Architektur des »Laien« ist eine der Wahrnehmung, nicht eine der Interpretation. Architektur ist eine ganz sinnliche Erfahrung. Bauten werden gesehen, gehört, begriffen, gerochen und geschmeckt. Holz – richtig behandelt – greift sich samtig und warm an, schafft lebendige und vieldeutige Bilder, kann den Geruchssinn erfreuen, hat Resonanz und Klang und versperrt sich selbst dem Zubiss nicht. Alle Sinne sind fürs Holz gewonnen!

Holzoberflächen tragen wesentlich zum angenehmen Raumklima bei, da Holz die Luftfeuchtigkeit des Raumes wirkungsvoll reguliert. Holz hat einen schonenden Einfluss auf das Immunsystem, weil es Schadstoffe aus der Atemluft aufnimmt und ihre Konzentration in wenigen Stunden bis auf ein Zehntel verdünnt. Langzeitversuche zeigen, dass Holz einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden des Menschen hat. Insbesondere bei Großbauten verhindert die großzügige Verwendung von Holz die ansonsten oft unangenehm kalte Ausstrahlung. Und Holz ist nicht gleich Holz – Beobachtungen von Walter Zschokke:

Nussholz verkörpert Luxus

Noch zu Beginn der Renaissance deckte Filippo Brunelleschi den Speisesaal im Findelhaus zu Florenz mit massiven Nussholzbalken. Im Grundton von warmem Dunkelbraun, changiert das edle Material von rot bis oliv. Elegant profilierte Gesimse und reich geschnitzte Füllungen entstehen aus dem festen und feinporigen Holz. Die Maserung belebt furnierte Flächen und veredelt gar die Armaturenbretter luxuriöser Autos. Hochwertig gestaltet zeugt es von Adel und Wohlstand, schlecht verarbeitet verrät es den Parvenu.

Tannenholz vermittelt Schlichtheit

Die Tanne, die uns Jahr für Jahr als Weihnachtsbaum erfreut, lieferte einst die mächtigen Masten für pfeilschnelle Hochseesegler. Kenner und Liebhaber des Boden verbessernden Tiefwurzlers wissen auch heute um die langen, astfreien Bretter von fahlgelber Farbe. Daraus gefertigte Tische und Bänke vermitteln noble Schlichtheit. Die seidige, der Hand schmeichelnde Oberfläche speichert die Spuren des jahrzehntelangen Gebrauchs.

Kirschholz inkarniert die Liebe

Nicht nur die knackigen Früchte des Kirschbaums sind rot; auch die unverwechselbare Rinde durchziehen feine braunrote Strähnen. Und das kleinporige, dichte Holz geht von Goldbraun, vereinzelt sogar grünlich durchzogen, in einen rötlichen Ton über. Im Lauf von Jahrzehnten nachgedunkelt, erreicht es oft die Farbe alten Weins. Warm und sinnlich ansprechender Farbklang, gerader Wuchs und leichte Bearbeitbarkeit kennzeichnen den beliebten Werkstoff für elegante Sessel, Tische und Kommoden.

Eichenholz symbolisiert Dauer

Die Eiche, deren Holz hinhaltenden Widerstand leistet gegen Feuer und Wasser, wächst gut und gern zwei Jahrhunderte heran bis zur Schlagreife. Wie kein anderes Holz verkörpert es Geduld, Voraussicht und Dauerhaftigkeit. Nicht von ungefähr halten sich die besten Entwürfe für Stuhl und Tisch aus diesem Holz über lange Zeiträume. Dem unerschütterlichen Garant für Sicherheit in Vergangenheit und Zukunft verdankt selbst alter Cognac goldbraune Farbe und unverwechselbaren Geschmack.

© Ignacio Martinez