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Holzschutznorm ÖNORM B 3802 Teil 1–4

Alexander Eder

Anfang 2015 ist die Normenserie ÖNORM B 3802 »Holzschutz im Bauwesen – Teil 1 bis 4« in einer vollkommen neu überarbeiteten Fassung erschienen. Bisher wurde fast bei jeder Holzanwendung vom Erfordernis chemischer Maßnahmen ausgegangen, auf die erst im zweiten Schritt über genau geregelte Fälle von »fehlender Notwendigkeit« teilweise verzichtet werden konnte.

Die richtungsweisende Änderung des Regelwerkes erfolgte unter klarer Bezugnahme auf die Erfahrungen aus der Praxis, die zeigt, dass Holzkonstruktionen schon bisher entgegen der Norm ohne chemische Maßnahmen auskamen, wenn insbesondere konstruktive Bedingungen erfüllt waren. Wesentlich für die Praxis ist die Einschränkung des Anwendungsbereiches der Teile 1 bis 3 der ÖNORM B 3802 auf statisch tragende und/oder aussteifende Bauteile. Der Begriff »Gefährdungsklasse« (GK) wurde in der neuen Norm auf »Gebrauchsklasse« geändert.

Die ÖNORM B 3802-2 »Holzschutz im Bauwesen – Baulicher Schutz des Holzes« ist ganz den konstruktiven Maßnahmen gewidmet, die einen Befall durch holzzerstörende Organismen verhindern soll. Unterschieden wird zwischen generellen baulichen Maßnahmen, die immer zu berücksichtigen sind, sowie besonderen baulichen Maßnahmen, die eine Einstufung des Bauteils in eine niedrigere Gebrauchsklasse bis hin zur GK 0 ermöglichen, wodurch auf andere z.B. chemische Maßnahmen verzichtet werden kann. Im Allgemeinen ist das Bauen ohne chemische Holzschutzmaßnahmen gemäß dieser Norm für unter Dach verbautes Holz, also bis zur Gebrauchsklasse 2, möglich. Die bauphysikalischen und konstruktiven Grundsätze müssen allerdings bis ins Detail sorgfältig umgesetzt werden. Die bisher in der ÖNORM B 3804 geregelte, jedoch nur für Fertighäuser bestehende Möglichkeit, gänzlich auf chemischen Holzschutz zu verzichten, wurde weitgehend und jetzt allgemein gültig in diesen Teil der neuen Norm übernommen. Gleichzeitig wurde die alte ÖNORM B 3804 und die damit einhergehende Registrierungspflicht der Hersteller zurückgezogen.

In der ÖNORM B 3802-1 »Holzschutz im Bauwesen – Allgemeines« werden die Grundlagen des Holzschutzes im Bauwesen behandelt und alle Möglichkeiten, wie man den notwendigen Holzschutz in der Praxis umsetzen kann, angeführt. Es gibt drei grundlegende Wege: Bauliche Maßnahmen, die Auswahl dauerhafter Holzarten sowie zuletzt die Anwendung von chemischem Holzschutz. Aus Gründen des Schutzes des Menschen und der Umwelt besteht ganz klar die Verpflichtung, »bauliche Maßnahmen vorrangig zu berücksichtigen und chemische Holzschutzmaßnahmen auf das erforderliche Maß zu reduzieren, soweit dies technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist«. Die neue Normenserie regelt nicht mehr jedes Detail, sie baut auf das Wissen des Fachplaners bzw. Ausführenden und bietet mehr Spielraum für die Umsetzung.

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