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Mehrgeschossiger Wohnbau aus Holz in Europas Metropolen

Wohn- und Bürogebäude, Bad Aibling

Eine Vorreiterrolle im mehrgeschossigen Holzbau nimmt die Schweiz ein. Auch dort wurden Holzbauten lange Zeit nur bewilligt, wenn sie nicht mehr als zwei Geschosse aufwiesen, und waren dadurch weitgehend auf den Maßstab des Einfamilienhauses beschränkt. Dies änderte sich 2005 mit dem Inkrafttreten neuer Brandschutzvorschriften, wodurch Holzgebäude bis sechs Geschosse möglich wurden. Seither sind mehr als 1.500 mehrgeschossige Objekte in der Schweiz entstanden, insbesondere eröffnete sich das Marktsegment urbaner Wohnsiedlungen für den Holzbau. Ein regelrechtes Labor für das Bauen von morgen, in dem die Qualitäten des nachwachsenden Baustoffs Holz voll ausgespielt werden, ist die Stadt Zürich. Hier verlangt die im Jahr 2008 erfolgte Verankerung der 2.000-Watt-Gesellschaft in der Gemeindeordnung eine Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden, was dem Einsatz von Holz weiteren Antrieb verschafft.

In Wien ist seit der Techniknovelle 2007 der Einsatz von Holz bis zu maximal sieben Geschossen möglich. Die Wohnhausanlage in der Wagramer Straße in Wien (Fertigstellung 2013) ist die erste bauliche Umsetzung der neuen rechtlichen Rahmenbedingungen. Allerdings sind besondere Brandschutzauflagen zu erfüllen, im Fall der Wagramer Straße wurden daher eigene Bauteilaufbauten entwickelt und im Brandversuch die Erfüllung der hohen Anforderungen nachgewiesen.

Holzbauten ohne Höhenbegrenzungen
Anders als in der Schweiz und in Österreich gibt es in Großbritannien keine Höhenbegrenzungen – egal mit welchem Material gebaut wird. Und hier zeigt sich dann auch, dass die Entwicklung eindeutig nach oben geht. 2009 wurde in London das Stadthaus Murray Grove mit acht Stockwerken aus Holz realisiert. 2011 ist mit dem Bridport House ein weiterer Achtgeschosser in der britischen Metropole fertiggestellt worden. Dieses Leuchtturmprojekt ist der erste mehrgeschossige Holzbau in Großbritannien, bei dem auch das Erdgeschoss in Holz ausgeführt wurde. Sowohl Murray Grove als auch Bridport House sind Wohnbauten in Holz-Massivbauweise mit Brettsperrholz, in beiden Fällen wurden die Produkte und Holzbau-Knowhow von österreichischen Herstellern beigesteuert.

Was die erlaubten Bauhöhen anbelangt ist die Situation in Italien inzwischen vergleichbar mit der in Großbritannien. Zum Zeitpunkt der Projektierung des Wohnbaus Via Cenni – 4 mal 9 Geschosse, umgesetzt ebenfalls mit Produkten und Knowhow aus Österreich, Fertigstellung 2013 – waren Bauten mit Holz noch auf insgesamt vier Geschosse limitiert und es mussten für das Megaprojekt noch Sondergenehmigungen der obersten Baubehörde Italiens eingeholt werden. 2011 ist unter Mario Monti diese Höhenbeschränkung für Holzbauten aufgehoben worden. In punkto Brandschutz galten für das Projekt Via Cenni keine Sonderbestimmungen, sondern die Standardauflagen für Bauten dieser Größenordnung.

„Woodscraper“ weltweit im Vormarsch
Mehrgeschossige Projekte in Holz finden sich mittlerweile jedoch nicht nur in Europa. Australien wartet zum Beispiel in diesem Punkt mit dem zehngeschossigen Holzwohnbau Forté Living auf. Der energieeffiziente Wohnturm steht in Melbourne, der Stadt, die im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung bis 2020 vollkommene Klimaneutralität anstrebt.

In Nordamerika übernimmt Architekt Michael Green aus Vancouver mit der Planung eines 30-geschossigen Hochhauses in Holz die Vorreiterrolle. Das internationale Pionierprojekt ist Teil umfassender Recherchearbeiten zum Thema vielgeschossiges Bauen in Holz und ist für Vancouver geplant. Das ambitionierte Projekt soll das „grünste“, also nachhaltigste Hochhaus der Welt werden. Passend zu seiner Philosophie der Woodscraper meint Green: „Warum baut man Gebäude in Holz nur ein paar Stockwerke hoch, wenn die Bäume in ihrem natürlichen Umfeld bedeutend höher sind?“

Bridport House, London
Wohnbau Wagramer Straße, Wien
Murray Grove, London
Forte Living, Melbourne

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