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Shigeru Ban: Architecture and Humanitarian Activities

Eine Retrospektive Shigeru Bans zeigt mit 1:1 Modellen die vielfältige Auseinandersetzung des japanischen Architekten mit dem Baustoff Holz.

Tamedia Hauptquartier, Zürich, Konstruktionsmodell © Art Tower Mito und Blumer-Lehmann AG

Blick in die Ausstellung © Art Tower Mito und Blumer-Lehmann AG

Tamedia Hauptquartier, Zürich, Detail Konstruktionsmodell © Art Tower Mito und Blumer-Lehmann AG

Blick in die Ausstellung © Art Tower Mito und Blumer-Lehmann AG

Golfclubhaus, Korea, Detail einer Säule © Art Tower Mito und Blumer-Lehmann AG

Centre Pompidou Metz © Alexandre Prevot

Tamedia Hauptqurtier, Zürich, Holzkonstruktion © Shigeru Ban Architects

Tamedia Hauptqurtier, Zürich, Holzkonstruktion © Shigeru Ban Architects

Notunterkünfte, Japan 2011 © Shigeru Ban Architects

Notunterkünfte, Ruanda 1999 © Shigeru Ban Architects


Informationen
Art Mito Tower, Mito, Japan

Autorin
Gudrun Hausegger

Aug in Aug mit 1:1 Holzmodellen

Details der hölzernen Säulen des Centre Pompidou in Metz im Maßstab 1:5, Studien zur Konstruktion der Säulen des „Golfclubhauses“ in Südkorea oder maßstabsgetreue Nachbildungen der Holzkonstruktion des Tamedia Hauptquartiers in Zürich erlauben den Besuchern des städtischen Kunstmuseums in Mito, Japan, den hautnahen Kontakt mit den komplexen architektonischen Details des japanischen Architekten. Ebenso sind Projekte aus seinem „Disaster Relief Program“ zu sehen.

Mit Fotos, Videos, Plänen, aber vor allem diesen eindrücklichen Architekturmodellen zeigt die Schau „Shigeru Ban: Architecture and Humanitarian Activities“, die bisher größte Einzelausstellung Shigeru Bans, das Werk des in Tokio und Paris arbeitenden, internationalen Star-Architekten.

Hochkomplexe Tragstrukturen aus Holz

Zunächst erregte Shigeru Ban mit seinen Notunterkünften aus Recyclingmaterial, vor allem aus großformatigen Röhren aus Karton, weltweite Aufmerksamkeit.

Danach waren es seine gewagten, ingenieurstechnisch komplizierten Entwürfe für hochkomplexe Tragstrukturen aus Holz. Wie zum Beispiel für das Centre Pomidou in Metz (2010 eröffnet), dessen über 10.000 Quadratmeter große Fläche von einem doppelt gewölbten Dachgeflecht aus sechseckigen Segmenten aus verleimten Brettschichtträgern bedeckt wird. Oder das „Golfclubhaus“ in Südkorea (2009 eröffnet), bei dem die 36 x 72 Meter große Dachfläche aus vormontierten Segmenten von 21 Säulen aus jeweils 12 Brettschichtholzprofilen getragen wird. Auch hier sind die einzelnen Teile des Tragwerks mindestens einfach, zum großen Teil zweifach gekrümmt.

Know-how aus der Schweiz

Shigeru Ban realisierte diese Entwürfe in Kooperation und mit dem Know-how eines Teams von Schweizer Ingenieuren, das die innovative Technologie der Freiflächen in Holz lieferte. Das bezog sich auf die mathematisch exakte Definition der Masterflächen der Dächer sowie auf die Entwicklung der Konstruktion, schloss auch den Bau und die Programmierung einer neuen CNC-Anlage ein und reichte bis zum Abbund der Holzteile in der Schweiz. Jeweils fristgerecht mussten die Teile dann an die jeweilige Baustelle zur Montage vor Ort gebracht werden. Im Fall des Golfclubhauses war das ein sechswöchiger Schiffstransport der circa 4.500 Bauteile nach Südkorea.

Zur Zeit arbeitet Shigeru Ban mit den Schweizer Holzbauingenieuren am Gebäude des Schweizer Medienunternehmens Tamedia in Zürich. Eine transparente Haut aus Glas wird vor die siebengeschossige, gitterförmige Tragstruktur aus Holz gesetzt werden und diese einsehbar lassen. Die Holzpfosten und Balken des Tragwerks erhalten alleine durch Verbindungen aus Buchenholz ihre Stabilität, Nägel und Schrauben sind bei dieser modularen Bauweise tabu. (Das „Richtfest“ des Tamedia-Neubaus wurde am 26. April gefeiert.) Die großformatigen Modelle veranschaulichen diese innovative Art der Holzverbindung in der Ausstellung im japanischen Mito in wirkungsvoller Art und Weise.

Soziales Engagement

Die weltweite Anerkennung des Architekten Shigeru Ban beruht aber ebenso auf seinem sozialen Engagement, das er unermüdlich mit dem Bau von Notprojekten in Krisengebieten Japans oder Afrikas zum Einsatz bringt. Mit dem 1995 gegründeten „Voluntary Architects Network“ reagiert Ban mit zahlreichen Gleichgesinnten aus seiner Profession schnell und effizient, wenn es darum geht, nach Katastrophen temporäre Bauten für Obdachlose bereit zu stellen.

Er verwendet dabei recyclierbare Materialien, wie Stroh, Stoff, vor allem jedoch formstabile Kartonröhren: Diese „Bauteile“ sind nicht nur ökonomisch, sondern auch stabil und ihre Handhabung für die betroffenen Leute vor Ort leicht selbst zu bewerkstelligen. Bereits 1986 baute er damit – lange bevor die Rede auf das Thema Nachhaltigkeit kam.

Kategorie: Meldungen