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Atlas Mehrgeschossiger Holzbau: proHolz Austria präsentierte Buchneuerscheinung in Wien

Meldung erstellt am 29.06.2017
Rolf Mühlethaler, Hermann Kaufmann, Nicole Kerstin Berganski und Bruno Mader

Verdichteter Wohnbau, temporäre Schulerweiterung oder repräsentatives Verwaltungsgebäude - Holz erobert die Stadt zurück. Die Entwicklungen im Holzbau waren Thema der Buchpräsentation "Atlas Mehrgeschossiger Holzbau" am Mittwoch, 28. Juni 2017, im Architekturzentrum Wien. Buchautor Hermann Kaufmann stellte das neue, umfassende Nachschlagewerk zum mehrgeschossigen Bauen mit Holz vor. Drei internationale Architekten präsentierten beispielgebende Holzbauten aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich.

Der Holzbau hat in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung hingelegt. Holz eignet sich heute fast uneingeschränkt für den Einsatz im mehrgeschossigen Hochbau. In immer kürzeren Zeitabständen kommt es zu neuen Höhenrekorden bei Holzbauten. Angeführt wird die Liste aktuell vom HoHo mit 24 Geschossen bzw. 84 Metern Höhe, das sich derzeit in Wien in Bau befindet. "Neue Holzbauprodukte erlauben völlig neue Dimensionen. Der von der Moderne mit dem Aufkommen von Beton und Stahl fast vergessene traditionelle Baustoff Holz findet in den urbanen Raum zurück", so Hermann Kaufmann bei der Buchpräsentation. In den letzten Jahren kontinuierlich verbesserte Gesetzeslagen lassen die Anwendung der neuen Potentiale von Bauen mit Holz zu. Gleichzeitig werden vor dem Hintergrund des Klimawandels die ressourcenschonenden und nachhaltigen Baulösungen aus Holz vermehrt nachgefragt.

Neues Nachschlagewerk zu neuen Konstruktionsweisen
Die Konstruktionsmethodik im Holzbau hat sich durch die technischen Entwicklungen sehr verändert. Traditionelle Kategorisierungen wie Holzrahmen-, Holzskelett- und Holzmassivbau greifen nicht mehr. "Heute sind vielfältige Kombinationen von horizontalen und vertikalen Konstruktionselementen möglich. Sie lassen die Anwendungsmöglichkeiten des Baustoffs Holz explodieren. Konstruieren mit Holz wird zu einem spannenden und kreativen Prozess", erläuterte Hermann Kaufmann und verwies auf die im Atlas Mehrgeschossiger Holzbau erläuterte neue Systematik. Oft handelt es sich bei den neuen Holzbauten auch um hybride Lösungen. Das bedeutet für den Holzbau keinen Rückschritt, im Gegenteil: Durch das geschickte Zusammenspiel von Holz mit anderen gängigen und bewährten Baumaterialien gelingt es, effiziente und wirtschaftliche Gebäude zu realisieren.
Der im DETAIL-Verlag neu erschiene Atlas Mehrgeschossiger Holzbau vermittelt Architekten und Planern die wesentlichen Fachkenntnisse zu den neuen Konstruktionsweisen vom Entwurf über die Vorfertigung bis zur Fügung vor Ort. Die Publikation, die sich als grundlegendes Lehrbuch versteht, wurde von proHolz Austria maßgeblich unterstützt.

6-geschossige Holz-Wohnhäuser Zollfreilager Zürich
Ein Beispiel für die neue Dimension im Holzbau erläuterte Architekt Rolf Mühlethaler, Bern/CH. Auf dem Areal des ehemaligen Zollfreilagers in Zürich Albisrieden sind in stark verdichteter Bebauung rund 800 Wohnungen, die sich auf drei 13-geschossige Hochhäuser in Stahlbetonbauweise sowie auf drei 6-geschossige Langhäuser aus Holz verteilen, entstanden. Die Holzbauten, die rund 190 Wohnungen beherbergen, sind bis auf die aussteifenden Betonkerne komplett in Holz konstruiert. Ursprünglich bestanden vor Ort langgezogene Lagerhäuser aus Holz. "Holz hat hier bereits eine Geschichte. Mit den neuen Holz-Wohnbauten wird das Vorhandene in eine neue Zeit transportiert", so Rolf Mühlethaler. Der Entwurf der Wohnhäuser setzt auf die Wiederholung immer gleicher Elemente. "Der Rhythmus bestimmt die Gestalt, gleichzeitig ist damit eine wesentliche Grundlage für die Wirtschaftlichkeit des Projekts geschaffen", erläuterte Mühlethaler weiter.

Repräsentatives Verwaltungsgebäude Landesamt der Region Auvergne in Clermont-Ferrand
Architekt Bruno Mader, Paris/F stellte das skulptural wirkende Landesamt der Region Auvergne in Clermont-Ferrand vor. Auf zwei Sockelgeschossen aus Beton setzt ein 3-geschossiger Holzbauskelettbau auf. Die Stützen aus Brettschichtholz reichen über die drei Geschosse. Hinter einer vorgehängten Glashülle bleibt die Holzkonstruktion sichtbar. "Die Haltung gegenüber Holz hat sich grundlegend verändert. Vor wenigen Jahren noch hatte ich selbst das Gefühl, dass Holz nicht in die Stadt passt. Heute ist es selbstverständlicher geworden, wird politisch gewünscht und steht für die Äußerung eines echten Nachhaltigkeitsgedankens", führte Bruno Mader zum Stimmungsbild in Frankreich aus.

Temporärer Holz-Modulbau Europäische Schule Frankfurt
In wachsenden Städten steigt auch der Bedarf an Schulraum. Oft wird er rasch benötigt, im Fall der von Architektin Nicole Kerstin Berganski, NKBAK, Frankfurt/D präsentierten Europäischen Schule in Frankfurt sollte die Erweiterung in nur 17 Monaten umgesetzt werden. Zudem kam nur ein temporärer Bau in Frage, weil sich die Stadt die Option einer Autobahnzubringerstraße an der betroffenen Stelle offenhalten will. Aufgrund der Anforderungen lag eine Containerschule nahe, das Team des Architekturbüros NKBAK schlug hingegen ein Konzept mit Holzmodulen vor. "Die Idee stieß bei allen Beteiligten sofort auf Zustimmung", berichtete Architektin Nicole Kerstin Berganski. Entstanden ist ein alles andere als temporär wirkender Neubau. Die engen Terminvorgaben konnten eingehalten werden, die Module können später für andere Verwendungen eingesetzt werden. Das Projekt ist in Frankfurt Vorbild für weitere Schulerweiterungen, vermehrt will man auf Holzmodule setzen. Berganski auf die Frage, warum das so sei: "Die haptischen Oberflächen von Holz sind einfach attraktiver als Stahlcontainer."   

proHolz Austria lud zur Buchpräsentation im AzW

Hermann Kaufmann

Rolf Mühlethaler

Bruno Mader

Nicole Kerstin Berganski

Ein interessiertes Publikum lauschte den Vortragenden


 

Das Buch ist im proHolz-Shop erhältlich.