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Nach Erdbeben in Italien: Holzhäuser geplant

Meldung erstellt am 06.09.2016

Zur raschen Unterbringung der Bevölkerung noch vor dem Winter plant die italienische Agentur für Zivilschutz die Errichtung von bis zu 1.000 kleinen Holzhäusern. Bereits nach den Erdbeben in L'Aquila 2009 und in der Emilia Romagna 2012 wurden beim Wiederaufbau etliche Wohn- und Bildungsbauten in Holz realisiert.

Im Erdbebengebiet rund um die Städte Amatrice, Accumoli und Arquata del Tronto rennt die Zeit. Noch vor dem Winter werden sichere und warme Unterkünfte für die Bevölkerung benötigt. Italienische Zeitungen wie "Corriere della Sera" und "La Stampa" berichten, dass nun innerhalb von drei Monaten 700 bis 1.000 Holzchalets realisiert werden sollen. Ebenso ist bis spätestens Juni 2017 die Errichtung von fünf bis zehn Schulen geplant.

Der Wiederaufbauplan, an dem der renommierte Architekt Renzo Piano beteiligt ist, sieht insgesamt drei Stufen vor. Nach der Soforthilfe mit temporären Bauten erfolgt der langfristige Wiederaufbau. Darüber hinaus hat Ministerpräsident Matteo Renzi eine italienweite Prüfung, wie bedeutende Gebäude erdbebensicher gemacht werden können, angekündigt. Er betonte auch, verstärkt auf den Baustoff Holz setzen zu wollen.

"Corriere della Sera" zeigt in seiner Online-Ausgabe das Video aus dem Projekt SOFIE, das das Erdbebenverhalten eines 7-stöckigen Holzhauses zeigt. Das Haus wurde in den Laboren des Forschungszentrums CNR Ivalsa errichtet und übersteht in der Simulation das Erdbeben von Kobe, Japan 1995 mit einer Stärke von 7,2 auf der Richterskala.

Die moderne Holzbautechnik, bei der vorgefertigte verleimte Bauelemente verwendet werden, eignet sich besonders gut für Erdbebengebiete. Holz ist sehr leicht, dadurch wirken bei einem Erdbeben geringere Kräfte auf die Tragstruktur der Gebäude. Die hohe Elastizität von Holz erlaubt - kombiniert mit der passenden Verbindungstechnik - eine bessere Aufnahme der Erdbebenwellen.

Der Holzbau hat aufgrund seiner Vorzüge auch bei derzeit laufenden Ausschreibungen in Italien realistische Chancen:

  • Noch bis zum 31. Oktober 2016 läuft die Ausschreibung für die Sanierung bzw. den Neubau von insgesamt 51 Schulen mit einem Gesamtbudget von 3,9 Mrd. Euro. http://www.scuoleinnovative.it
  • Zur Aufwertung von 10 ausgewählten städtischen, über ganz Italien verteilten Gebieten läuft der Ideenwettbewerb Ri.U.So. https://www.periferie.concorrimi.it

Bei beiden Ausschreibungen liegt der Schwerpunkt auf innovativen Bauweisen. Bereits gebaute Beispiele belegen die Effizienz des Holzbaus.

 

 

7-stöckiges Holzhaus im Erdbebenversuch SOFIE