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Pfarrkirche Mitterbach: Holz in seinem ursprünglichen Charakter

Meldung erstellt am 27.10.2016
© Beneder Fischer

Die 1785 als Bethaus errichtete evangelische Kirche in Mitterbach im Mariazellerland ist nach einer umfassenden Innensanierung seit kurzem wieder eröffnet. Die Architekten Ernst Beneder und Anja Fischer haben auf Materialechtheit, schlichte Oberflächen und Holz als Gestaltungselement gesetzt.

Ziel der Neugestaltung der ältesten evangelischen Kirche Niederösterreichs war es, den Bethausstil wieder klarer erkennbar zu machen. Die Herangehensweise folgt der ursprünglichen Konzeption - mit geringen Mitteln das Mögliche herzustellen. Das um eine Stufe erhöhte Vorfeld vor dem Altar ist in das Langhaus vorgezogen. Dieses Feld mit dem zentral gesetzten Taufstein gibt den sakramentalen Handlungen (Abendmahl und Taufe) nun mehr Raum und Ort, der für sich und mit dem Kirchenraum in Beziehung steht.

Die 1970 weit nach vor gezogene Empore wurde rückgebaut und durch zwei, die jeweils nördliche und südliche Längswände begleitende, Emporen ersetzt. Zahlreiche Beispiele belegen ähnliche (a)symmetrische Anlagen von Emporen in Bethäusern und evangelischen Kirchen. Die neue Anlage der Emporen gibt der Orgel wieder ihren gebührenden Stellenwert im Kirchenraum.

Die Tragkonstruktion der brückenartigen Emporen ist vom Dachstuhl abgehängt. Der Blick aus den Bankreihen im Kirchenraum ist somit nicht durch eine Stützkonstruktion beeinträchtigt. Die Flächen der Brüstungen sind transparent. Das aus Textbausteinen hergestellte Holz-Gitterwerk zählt die Namen der ersten Bekenner aus dem Jahre 1782 auf.

Die Holzoberflächen der bestehenden Ausstattung wurden auf ihren ursprünglichen Charakter zurückgeführt, deckende Lackschichten somit entfernt. Die Fenster sind durch die Distanzierung und die Höhenlage der Emporen besser betont und der Lichteinfall insbesondere an der Südseite wurde damit wesentlich verbessert.

Das Niveau im Langhaus ist durch das Einbringen einer Dämmschicht und des neuen Holzbodens erhöht, sodass vom Vorraum her kein Niveauunterschied mehr besteht. Die Erhöhung zum Altarraum wurde auf eine Stufe verringert. Das Niveau der Sakristei ist nun auf die Höhe des Altarraumes angeglichen. Die Verkürzung des Kanzelzuganges eröffnet mehr Raum und Freiheit in den Nutzungsmöglichkeiten der Sakristei.