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Wiederaufbau nach dem Erdbeben in der Emilia Romagna mit österreichischem Holz

Meldung erstellt am 09.10.2012
Schulcampus Corporeno © proHolz Austria, sistem costruzioni

Nach den Erdbeben in der Emilia Romagna in Norditalien Ende Mai diesen Jahres setzt die Region beim Wiederaufbau stark auf Holz. Holz-Baustoffe und technologisches Know-how werden aus Österreich geliefert.

Ende Mai diesen Jahres erschütterte ein Erdbeben der Stärke sechs auf der Richterskala die norditalienische Region Emilia Romagna zwischen Modena und Ferrara. Tausende Menschen mussten aus ihren Häusern evakuiert werden. Rund 40.000 Gebäude wurden anschließend auf die erlittenen Schäden geprüft. Die Untersuchungen ergaben, dass etwa 60 Prozent der Gebäude beschädigt sind, 40 Prozent so stark, dass sie als nicht mehr benutzbar eingestuft werden mussten. Besonders betroffen waren Industrie- und Lagerhallen. Bei mehr als der Hälfte dieser Bauten war eine Weiterverwendung ausgeschlossen. Damit wurde nicht zuletzt die wirtschaftliche Basis der Region – die eine der wirtschaftsstärksten Regionen Italiens darstellt – stark getroffen.

Rasche Wiederaufnahme des Normalbetriebs durch kürzeste Bauzeiten mit Holz
Eines der zahlreichen betroffenen Unternehmen war „Menù“ mit Sitz in Medolla, Provinz Modena. Der Betrieb mit 180 Mitarbeitern stellt Fertiggerichte für die Gastronomie her und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 72 Mio. Euro. Durch vom Erdbeben zerstörte Betriebsgebäude kam die Produktion zum Erliegen. Glücklicherweise verfügte das Unternehmen über Lagerbestände, mit denen es seine Abnehmer weiter beliefern konnte. Diese Art der Überbrückung ist aber zeitlich nur beschränkt möglich, daher waren Lösungen gefragt, die eine rasche Wiederaufnahme der Produktion gewährleisten würden. Die erste Idee eines Wiederaufbaus in Stahl war rasch verworfen und die Firmenleitung entschied sich stattdessen für einen Holzbau. Dafür waren mehrere Argumente ausschlaggebend, allen voran die kurze Bauzeit und eine erhöhte Sicherheit im Falle eines erneuten Bebens. Bedenken, ob sich das Holz mit der Dampfentwicklung in der Großküche vertragen würde, konnten rasch ausgeräumt werden.

Am 28. August begannen die Bauarbeiten für neue Produktionshallen, die aus vorgefertigten Brettschichtholz-Elementen errichtet werden und eine Dachfläche von insgesamt rund 11.000 m² umfassen. Geliefert werden die Brettschichtholz-Träger aus Österreich. Noch im Oktober – weniger als fünf Monate nach dem Erdbeben – wird die Firma „Menù“ die Produktion wieder aufnehmen können. Die Mitarbeiter honorierten bereits den Baubeginn mit Applaus, da damit ein entscheidender Schritt hinsichtlich des Weiterbestehens der Firma gesetzt war. Die Kosten in Höhe von 5 Mio. Euro werden zu drei Viertel aus Eigenmitteln des Unternehmens und zu einem Viertel aus Versicherungsleistungen gedeckt.

Mit ähnlich kurzer Bauzeit wird in Cento, Provinz Ferrara, ein Schulcampus errichtet. Der „Nuovo Polo Scolastico di Corporeno“ umfasst 6.200 m² Gebäudefläche und wird zwei Schulen, eine Mensa und eine Turnhalle beherbergen. 600 bis 700 Kinder und Jugendliche, die ihre bisherigen Schulen nach dem Erdbeben nicht mehr besuchen konnten, werden in dem neuen Schulzentrum zusammengefasst. Die Gebäude werden in Holzmassivbauweise mit Brettsperrholz – in Italien unter der Marke XLAM positioniert – errichtet. Auch in diesem Fall kommen die Produkte sowie technische Lösungen aus Österreich. Am 10. August war Baubeginn, Ende Oktober kann der Schulbetrieb am Campus starten. Die Errichtungszeit beläuft sich somit auf nur rund 80 Arbeitstage.

Holz setzt sich als schnelle, erdbebensichere und ökologische Bauweise durch
Insgesamt stellt der Wiederaufbau eine große Herausforderung für die mehr oder weniger leeren Kassen der öffentlichen Hand dar. Es entstehen für europäische Verhältnisse relativ neue Private-Public-Partnership-Modelle. So wird der Schulcampus von einem Konsortium aus Banken finanziert und der Gemeinde in einem Leasing-Vertrag zur Nutzung überlassen. Die Regierung hat aber auch in einem eigenen Programm den Wiederaufbau von 28 Schulen zur Ausschreibung gebracht. Mehr als ein Drittel dieser Schulen wird ebenfalls in Holz- oder Holzmischbauweise ausgeführt werden.

Nicht nur die rasche Errichtungszeit, sondern auch gute isolierende Eigenschaften, Brandsicherheit, ein gutes Raumklima sowie die Vorteile von Holzbauten im Erdbebenfall sprechen für die Ausführungen in Holz. Holz hat nur rund ein Viertel des Gewichts von Beton. Da die bei einem Erdbeben entstehenden Kräfte auf die Tragstruktur von Bauten proportional der Masse reagieren, entstehen bei Holzbauten in der
Regel geringere Beanspruchungen. Die hohe Elastizität von Holz, kombiniert mit der passenden Verbindungstechnik, erlaubt eine bessere Aufnahme der Erdbebenwellen. Nicht zuletzt zählt auch das ökologische Argument: In 1 m³ Holz ist eine Tonne CO2 gebunden. Die beispielsweise beim Schulcampus verbauten 1.750 m³ Brettsperrholz speichern daher 1.750 Tonnen CO2, das entspricht dem durchschnittlichen CO2-Jahresausstoß von über 1.000 Mittelklassewagen.

Fortsetzung erfolgreicher österreich-italienischer Kooperation am Holzbausektor
Sowohl der Hallenbau in Medolla als auch die Schule in Cento sind Beispiele einer erfolgreichen Kooperation zwischen Österreich und Italien. In beiden Fällen werden die Holzprodukte sowie Know-how von industriellen Herstellern aus Österreich geliefert. Die bauausführenden Firmen sind kompetente Partner in Italien. Seinen Beginn hat diese Art der Kooperation im Grunde mit dem Wiederaufbau nach dem Erdbeben in L’Aquila im Jahr 2009 genommen. Rund 1.000 Wohneinheiten wurden damals in mehrgeschossigen Wohnbauten aus Holz umgesetzt. Erstmals traten italienische Holzbaubetriebe als Generalunternehmer für große Bauvorhaben auf und arbeiteten dabei mit industriellen Herstellern aus Österreich zusammen.


Schulcampus Corporeno © proHolz Austria, sistem costruzioni

Schulcampus Corporeno © proHolz Austria, sistem costruzioni

Schulcampus Corporeno © proHolz Austria, sistem costruzioni

Schulcampus Corporeno © proHolz Austria, sistem costruzioni

Schulcampus Corporeno © proHolz Austria, sistem costruzioni

Schulcampus Corporeno © proHolz Austria, sistem costruzioni

Industriehalle "Menu" © proHolz Austria, woodbeton

Industriehalle "Menu" © proHolz Austria, woodbeton

Industriehalle "Menu" © proHolz Austria, woodbeton

Industriehalle "Menu" © proHolz Austria, woodbeton


Dateien:
Datasheet Halle Medolla168 K
Datasheet Schulkomplex Corporeno488 K