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Regionale Wertschöpfung im Fokus

Fallstudie zum Vollholz-Feuerwehrhaus Steinbach am Ziehberg

proHolz Oberösterreich veröffentlichte zum Internationalen Tag des Waldes am 21. März eine neue Studie der Universität für Bodenkultur Wien und der Kompetenzzentrum Holz GmbH. Die beiden Forschungseinrichtungen haben das 2011 eröffnete Vollholz-Feuerwehrhaus in Steinbach am Ziehberg in Gegenüberstellung mit einem mineralischen Bau untersucht. Untersuchungsziele waren neben der regionalen Wertschöpfung auch ökologische Aspekte. Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass Bauen mit Holz die regionale Wertschöpfung erheblich steigert sowie generell die Ökoeffizienz verbessert.    

Paradebeispiel für regionale Wertschöpfung

Das Holz, aus dem dieses Gebäude errichtet wurde, stammt aus den Wäldern einer Liefergemeinschaft von neun Steinbacher Waldbesitzern und wurde in einem ortsansässigen Sägewerk zu Schnittholz und in einem Holzbaubetrieb in der Nachbargemeinde zu Wand-, Dach- und Deckenelementen weiterverarbeitet. Die Feuerwehrleute von Steinbach arbeiteten beim Bau ihres Zeughauses mit und erbrachten damit Eigenleistungen im Wert von etwa 60.000 Euro.  

Ein Bau aus Vollholz

Das Erdgeschoss des Feuerwehrhauses (für drei Einsatzfahrzeuge konzipiert) musste aufgrund der Hanglage in mineralischer Bauweise ausgeführt werden. Das Dachgeschoss inklusive Flachdach und der Schlauchturm ab Höhe des Obergeschosses wurden in Vollholzbauweise gefertigt. Vorgefertigte Dübelholzelemente bilden die Wände, die Decken und das Dach der Vollholzkonstruktion. Sie sind einzig aus Dübeln und Vollholz gebaut.  

Ökologischer Vergleich¹

Jede Nutzung von Ressourcen hat Wirkungen auf die Umwelt. Weniger Ressourcennutzung bedeutet weniger Wirkungen auf die Umwelt. Weil die Massen an Ressourcen, die der Bausektor jährlich in Bewegung setzt, enorm sind, war das Ziel dieser Fallstudie, die ökologischen Aspekte zweier Bauweisen eines kommunalen Funktionsbaues miteinander zu vergleichen: ein Vollholzbau in Gegenüberstellung zu einem mineralischen Bau. Für den Vergleich wurden die tragenden Holzelemente des Vollholz-Feuerwehrhauses rechnerisch durch mineralische Baustoffe ersetzt.

Ergebnisse
Eine grundlegende Erkenntnis dieser Untersuchung ist der reduzierte Baustoffbedarf der Vollholzbauweise im Vergleich zur mineralischen Bauweise. Die Einsparung des Baustoffbedarfes betrifft das verbaute Volumen und – daraus resultierend – die verbaute Masse der konstruktiven Elemente. Durch die Vollholzbauweise wurden 1,6-mal weniger Volumen und 7-mal weniger Masse verbaut.
Zusätzlich nimmt die Produktion der Baustoffe für den Vollholzbau weniger Ressourcen in Anspruch. Die ökologischen Vorteile des Vollholzbaues im Vergleich zum mineralischen Bau offenbaren sich im leichteren ökologischen Rucksack, im kleineren CO2-Fußabdruck und im geringeren kumulierten Energieaufwand.

Ökologischer Rucksack 1:3

Diagramm 1: Ökologischer Rucksack, (ÖR); ÖR abiotisch + ÖR biotisch; [kg]

Ausgehend vom Niveau des Ressourcenverbrauches, den eine mineralische Bauvariante verursacht hätte, könnten die konstruktiven Elemente von drei Vollholzgebäuden errichtet werden.

Diagramm 2: CO2-Fußabdruck, (CF); [kg THG]

CO2-Fußabdruck 1:7
Ausgehend vom Niveau der Treibhausgas-Emissionen, den eine mineralische Bauvariante verursacht hätte, könnten die konstruktiven Elemente von sieben Vollholzgebäuden errichtet werden.

Kumulierter Energieaufwand 1:4

Diagramm 3: Kumulierter Energieaufwand, (KEA); [kWh]

Ausgehend vom Niveau des Primärenergiebedarfes, den eine mineralische Bauvariante verursacht hätte, könnten die konstruktiven Elemente von vier Vollholzgebäuden errichtet werden.

Regionale Wertschöpfung²

Die regionalwirtschaftlichen Auswirkungen der unter dem Aspekt der Nutzung regionalen Potenzials umgesetzten Holzbauweise wurden anhand der regionalen Wertschöpfung dargestellt und mit jenen einer mineralischen Bauweise verglichen. Der Vergleich bezieht sich auf die konstruktiven Holzelemente des Gebäudes (tragende Wände, Decke, Träger und Dach). Fassade und Innenbekleidung wurden nicht berücksichtigt. Um die regionale Wertschöpfung für die mineralische Bauweise abschätzen zu können, wurden die betrachteten Holzelemente hypothetisch durch die laut Bauträger gängigsten mineralischen Baumaterialien für Feuerwehrhäuser dieser Größenordnung ersetzt.

Ergebnisse
Durch die tragenden Holzelemente ergibt sich für das Gemeindegebiet Steinbach am Ziehberg eine regionale Bruttowertschöpfung von etwa 39.900 Euro, die durch die Holzliefergemeinschaft, den Forstwirtschaftsmeister und das Sägewerk erzielt wurden.

Durch die Holzbauweise konnte eine regionale Bruttowertschöpfung von etwa 88.390 Euro erzielt werden. Wesentlich trug dabei neben den Akteuren, die bereits beim Gemeindegebiet Steinbach am Ziehberg berücksichtigt wurden, das Holzbauunternehmen zur regionalen Wertschöpfung bei. Außerdem wurden Dienstleistungen weiterer Akteure mit einbezogen.  

Die regionale Bruttowertschöpfung durch den angenommenen mineralischen Vergleichsbau beträgt etwa 33.690 Euro. Diese Wertschöpfung würde allein durch den Baumeister erwirtschaftet, da kein weiterer Akteur dieser Wertschöpfungskette der Region zuzuordnen ist.  

Die regionale Bruttowertschöpfung durch den Holzbau ist damit um 162 Prozent größer als beim Vergleichsobjekt.

Gekürzte Fassung der Publikation

proHolz Oberösterreich (Hg.): Aus dem eigenen Holz. Broschüre zur Fallstudie Feuerwehrhaus Steinbach am Ziehberg. Linz 2013.
[1] Franziska Hesser (verkürzter Text) [2] Eva Seebacher (verkürzter Text)

Foto:

© Simon Bauer

Feuerwehrhaus Steinbach am Ziehberg

Standort

Steinbach am Ziehberg, Oberösterreich/A

Bauherrin

Gemeinde Steinbach am Ziehberg

Generalübernehmer

GWB – Gesellschaft für den Wohnungsbau

Architektur

Architekten Zellinger Gunhold + Partner, Linz

Holzbau

Bammer Holzbau GmbH, Scharnstein

Baumeister

Dipl.-Ing. Drack und Wolf Bau GmbH, Scharnstein

Baukosten

1,1 Mio. Euro

Nutzfläche

497 m2, 3 Einsatzfahrzeuge

Fertigstellung

2010

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