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zuschnitt 10

Werkhalle Holz

Nicht nur holzverarbeitende Betriebe errichten ihre Werkstätten in Holz. Es hat sich längst herumgesprochen: Lichterfüllte Produktionshallen und Gewerbebauten mit neuen, experimentellen Holzkonstruktionen schaffen nicht nur ein gutes Arbeits- und Sozialklima, sondern auch hervorragende Energie- und Ökologiewerte. Ihre hohe Leistungsfähigkeit gegenüber anderen Materialien können sie längst beweisen.

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Bedeutung und Wirkungsgrad des gegenwärtigen Holzbaus in der Schweiz konnte man bei der EXPO 2002 an der Anzahl der »Holzbeiträge«ermessen. Charles von Büren ist als Mitbegründer und langjähriger Begleiter des Schweizer Holzverbands Lignum ein profunder Kenner der Szene. Für den Zuschnitt beleuchtet er Hintergründe, Schwerpunkte und strategische Zielsetzungen für eine erfolgreiche Performance des Baustoffs Holz - nicht nur in den Architektur-Highlights der Schweiz. 

Holz bricht, brennt und fault. Und für so etwas soll man sich gegenüber Konsumenten, Bauherren, Architekten und Designern mit Erfolg stark machen? Ein Bau- und Werkstoff, der Probleme schafft, nicht dauerhaft und schon gar nicht sicher ist? Nun ja, jede Münze hat zwei Seiten. Denn Holz bricht, brennt und fault ganz eindeutig nur dann, wenn es nicht seinen Eigenschaften, Möglichkeiten und Grenzen entsprechend verwendet wird. Für Holz sprechen Dutzende von Gründen, die hinreichend bekannt sind: Holz ist ein nachwachsendes Leichtgewicht mit hohem Leistungsvermögen, es lässt sich mit eigentlich geringem Energieverbrauch verarbeiten. Holz weckt Sympathien und die Palette der Produkte, die auf Holz zurückgehen, ist riesig. Holz ist sogar Mode geworden - für Bau, Ausbau und Möbel. Das ist die andere Seite der Medaille und jeder Werbemensch wird sich mit Blick darauf die Hände reiben. Bevor das Händereiben beginnt, wäre ein bisschen Nachdenken angebracht. Denn welches sind die besten Argumente für Holz und Holzbauten? Der Erfahrung entsprechend vor allem die Tatsache, dass wegweisende Bauwerke Vorbilder sind und Bauherren wie Architekten überzeugen und zur Nachahmung verführen. In der Schweiz war dies mit ein wichtiger Grund für den ab den Achtzigerjahren einsetzenden Höhenflug von Holz. In Presse und Fernsehen gezeigte Referenzbauten, vor allem moderne Sporthallen, machten mit ihren imposanten Holztragwerken den Anfang. 

Neue technische Entwicklungen wurden gefördert. Für die Architektur wurde in der Schweiz die »Vorarlberger Schule« rasch ein Begriff. Vergessen waren die betulichen Häuschen der Fünfzigerjahre mit ihren unsäglichen Camouflagen aus Brettern, welche Fachwerk imitieren. Die neuartige, sogenannte»ehrliche Materialisierung« von Holzbauten machten uns die Vorarlberger mitsamt ihren mutigen Bauherren und Banken vor. Spürbar wurde dieser Einfluss im 1984 ausgeschriebenen Wettbewerb der Lignum (Schweiz. Arbeitsgemeinschaft für das Holz) für Holzbau. Die Bauten strahlten etwas Neuartiges aus und waren gleichzeitig technisch korrekt konstruiert. Das Resultat des 1999 ausgeschriebenen »prix lignum«: 185 Dokumentationen gingen ein, wieder wurde ein umfangreiches Buch mit zusätzlichen Bauten publiziert. 
Der Unterschied zu 1984: Nicht wenige dieser Holzbauten entsprachen dem in Mode gekommenen Begriff der »Schweizer Kiste«. Was ist geschehen? Holzbau ist in der Schweiz förmlich Mode geworden. Nicht mehr die phantasievolle und doch pragmatische Bauweise, wie sie Vorarlberg vormachte, dient nun als Vorbild, sondern allzu oft bloß die Erfüllung photogener Wunschträume. Das müsste nicht sein, denn es sind hervorragende, auf praktischen Nutzen hin ausgerichtete Forschungsresultate greifbar, die zeigen, was mit Holz geht und was eben nicht. Die Lignum hat vor rund zehn Jahren ein grundlegendes Werk über den Brandschutz im Holzbau herausgegeben, das besonders dem mehrgeschoßigen Holzbau Auftrieb verliehen hat.

Mit den periodisch erscheinenden Heften »Lignatec«entsteht seit 1995 eine Sammlung von praktisch anwendbaren, technischen Informationen zu Holz. In solchen Publikationen sind die besten Argumente für Holz zu finden, abgesichertes und deshalb glaubwürdig wirkendes Wissen. Zudem belegen eine Studie über Entscheidungsmotive und Kenntnisse zu Holz (1) und eine Tiefenerhebung (2), dass Architekten wie Bauherren einen ausgeprägt emotionalen Zugang zum Holz haben. Die Architekten orientieren sich bei der Ausführung zudem stark an Referenzbauten und verfügbaren technischen Informationen.

Damit wird klar: Sowohl der technisch korrekte und gleichzeitig auch ästhetisch hochwertige Holzbau muss gefördert und als Vor-Bild propagiert werden. Vorbild deshalb, weil das, was man vor Augen hat, im Gedächtnis hängen bleibt. Beispielgebende Bauwerke der öffentlichen Hand sind, genauso wie jene der Privaten, durch Publikationen bekannt zu machen.
Dies geschieht in der Tagespresse, vor allem aber in den von der Fachwelt ernst genommenen Publikationen mit Langzeitwirkung, gerade so, wie es die Zeitschrift Zuschnitt vormacht: Emotional ansprechend und technisch korrekt. Werbung und Information müssen direkt wirken - auf den Kopf und ins Herz treffen. Für den Stahlbau werben nicht Hochöfen, für Mauerwerk nicht Ziegelöfen, für Beton nicht Zementwerke. Auch diese Baustoffe lassen Bauwerke sprechen. Genauso ist es beim Holzbau: Ein gutes Beispiel wirkt oftmals überzeugender als viele Argumente. Allenfalls kann der Gesetzgeber steuernd eingreifen und über den Begriff der »Nachhaltigkeit« dem Holzbau Vorschub leisten. Aber entscheidend ist und bleibt als direkter Gesprächspartner im Bauprozess der Architekt als Vertrauensperson. Architekten treten dann wirksam für den Holzbau ein, wenn sie selber gut informiert und voll überzeugt sind - eben auch durch Vorbilder. Sie sind im besten Sinne des Wortes »Nachahmungstäter«.

(1) Holz-Entscheidungsmotive und - Kenntnisse im Bauwesen und bei den Möbeln, Förderprogramm Holz 2000 (Bundesamt für Wald und Landschaft Bern), publiziert in Bulletin SAH 3/ 1999, Zürich
(2) Tiefenerhebung zu Entscheidungsmotiven und zum
Image von Holz im Hochbau in der Schweiz, publiziert in
Bericht 115/ 40 (1999) der EMPA, Abt. Holz, Dübendorf

Text: Charles von Büren
Geboren 1939 in Bern, Architekt und Publizist, lebt
in Bern. Baupraxis bis 1975. 
Ab 1975 Presse-Tätigkeit und Fachbücher. 1981 bis 2000
Öffentlichkeitsarbeit als PR-Beauftragter der Lignum,
1988 bis 1991 Pressesprecher der Forschungsanstalt WSL
Birmensdorf. Seit 2000 PR für den Schweizerischen
Ingenieur- und Architektenverein SIA in Zürich.

  € 8,00
Auflage Juli - September 2003
Format DIN A4
Gewicht 0.15 kg
ISBN 978-3-902320-17-6
Seiten 28.00