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Vielfältiges Nachbild,
vielstimmiger Nachklang. Nachuntersuchung von zehn bayrischen Modellvorhaben
in Holz.
Die bautechnische, wirtschaftliche und sozialwissenschaftliche Nachuntersuchung
des Modellvorhabens stellt die Erfahrungen mit der Holzbauweise und
ihre Bewertung vor allem aus der Sicht der Baubeteiligten und der
Bewohner dar. Daran lassen sich auch Perspektiven für die künftige
Anwendung von Holzsystembauweisen im Geschoßwohnungsbau erkennen.
Die Auswahl von zehn Wohnanlagen gibt das breite Spektrum der Gebäudetypen
und ihrer Konstruktionen wieder. Sie umfasst sowohl frühe Projekte
als auch Nachfolgeprojekte und unterschiedlich große Wohnanlagen
mit 16 bis 132 Wohneinheiten. Von den mehrfach realisierten Gebäudetypen
wurde jeweils ein Beispiel ausgewählt. Die Wohnanlagen sind regional
gestreut und in sehr unterschiedliche städtebauliche Umgebungen
eingebunden.
Lösungsansätze bei den Konstruktionen
Die Bauteile eines Objekts weisen nicht immer einheitliche Bauarten
oder Konstruktionsweisen auf. Bei den bautechnischen Lösungsansätzen
haben sich Kombinationen von Bauteilen in verschiedenen Bauarten
herausgebildet: Holzrahmenwände werden zum Beispiel mit Brettstapeldecken
oder Holz-Beton- Verbunddecken kombiniert. Die Gründe dafür
liegen weniger im technischen oder wirtschaftlichen Bereich. Ausschlaggebend
ist, dass an die betreffenden Bauteile nicht nur unterschiedliche,
sondern auch jeweils sehr hohe Anforderungen gestellt sind, die
mit einer »Allround-Konstruktion« kaum erfüllt
werden könnten. Die Heterogenität dieser Lösungen
ist also typisch für die neueren konstruktiven Ansätze
geworden und sie kontrastiert vor allem mit dem amerikanischen Ansatz.
Dort wird Rationalisierung gerade durch möglichst einheitliche
Konstruktion und Produktionsweise erreicht. Dieser Vorzug geht aber
verloren, wenn höhere Ansprüche immer mehr zusätzliche
Vorkehrungen nötig machen. Heterogenität der Konstruktionen
ist allerdings ein bekanntes Problem der Bautechnik, das auch die
Bauschadensforschung oft beschäftigt. Es stellt sich also vor
allem die Frage, ob die Verschiedenartigkeit der Elemente - etwa
schalltechnisch guter Geschoßdecken und Treppen zum Beispiel
in Beton oder unempfindlicher Fassaden aus zementgebundenen Materialien
- den Wohnungsbau in Holzbauweise »belastet« oder nicht.
Die Modellvorhaben konnten aber zeigen, dass solche Probleme mit
dem Fachwissen der Unternehmen, Ingenieure und Architekten vermeidbar
oder lösbar sind.
Ausgangssituation im Konstruktiven
Unter den Konstruktionsweisen war vor allem die Holzrahmenbauweise
schon allgemein bekannt, sie war bei den frühen Projekten des
Modellprogramms ausschließlich eingesetzt worden. Bei den
nachfolgenden Projekten wurde zum einen der Holzrahmenbau weiter
entwickelt - der Vorfertigungsgrad wurde zum Beispiel erhöht
- zum anderen dachten Architekten und Unternehmen über neue
Möglichkeiten nach und setzten diese um. So entstand die erstmals
in Aichach eingesetzte und auch in Ingolstadt- Buxheimer Weg verwendete
Dickholz-Bauweise. Die Brettstapel-Bauweise, auch eine Entwicklung
des modernen Holzbaus, kam im Rahmen der Modellvorhaben erstmals
in Schweinfurt, also bei einem der späten - erst 1998 fertiggestellten
- Bauvorhaben, zum Einsatz. Die Bewohner schätzen an dieser
Bauart, dass die Holzdecke sichtbar belassen werden kann, die Wohnräume
werden dadurch aufgewertet.
Erarbeitung der Konstruktionen im Projektablauf
Bei Projekten in Holzbauweise kommen Fragen der Konstruktion früher
ins Spiel als zum Beispiel beim Bauen »Stein auf Stein«.
Der Ansatz des Modellprogramms, zuerst einen Typenwettbewerb durchzuführen,
hat dem Rechnung getragen. Eine hochwertige und kostengünstige
Bauausführung erfordert auch die frühzeitige Mitwirkung
des ausführenden Betriebs. Soweit mit dem Projekt zugleich
ein Bausystem neu oder weiter entwickelt wird, sind auch Kooperations-
und Vertragsformen wichtig, die bis in die Ausführungsphase
technische Entwicklungsarbeit zulassen, ohne dass gleich teure Nachtragsangebote
folgen. Viele Projektbeteiligte registrieren im Übrigen, dass
beim Holzbau durchgängig eine gewisse Disziplin und Genauigkeit
verlangt ist.
Vorfertigung
Eine besonders intensive Zusammenarbeit der Beteiligten fand zum
Beispiel in Erlenbach statt. Architekten, Fachingenieure und Generalunternehmer
bildeten ein eng kooperierendes Team, das mehrere Wohnanlagen in
Folge realisierte. Der Generalunternehmer ließ die Pläne
des Architekten ein Optimierungsprogramm durchlaufen, um die Holzstärken,
den Holzverbrauch und den Maschineneinsatz zu optimieren. Dabei
erwies es sich als Vorteil, dass durch Ausschreibung und Bauvertrag
alle wesentlichen Qualitäten so weit fixiert waren, dass sie
der strengen Rationalisierung nicht zum Opfer fielen. In Zusammenarbeit
mit Generalunternehmer und Sanitärunternehmen wurden Installationswände
entwickelt, die vorgefertigt auf die Baustelle kamen. Ein hoher
Vorfertigungsgrad dieser Art trägt dazu bei, dass geforderte
und erwartete Qualitäten sicher erreicht werden und er verkürzt
die Bauzeit.
Hohe Vorfertigungsgrade sind mit allen hier eingesetzten Bauarten
realisierbar - mit Ausnahme der Holz-Beton-Verbund-Decken bei der
Verwendung von Ortbeton. Die Möglichkeiten der Vorfertigung
wurden aus heutiger Sicht noch nicht bei allen Modellvorhaben ausgeschöpft,
was aber auch mit den Terminbindungen zusammenhängen wird,
die keine beliebigen Entwicklungs- und Rüstzeiten zulassen.
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Was sollte man nachahmen, was sollte man vermeiden? Empfehlungen.
Außenwände
_Äußere Bekleidung gegen Verwitterung geschützt
durch Details, die eine rasche und vollständige Trocknung nach
Niederschlägen sichern (»konstruktiver Holzschutz«),
etwa Brettschalungen mit gutem Wetterschutz durch Dachvorsprünge;
weniger heikle Anstriche (Farbton, Produktauswahl), um auf übliche
Instandhaltungsintervalle zu kommen; kritisch sind knappe Abstände
der Holzverschalungen vom Boden.
_Damit Reparaturen unauffällig bleiben und sich nicht aus ästhetischen
Gründen ausweiten, können vor Ort bewitterte Materialien
als »Ersatzteile« für die Außenbekleidung
vorgehalten werden.
Innenwände
_An Innenwänden und den Innenschalen der Außenwände
sollten ohne Schaden überall Bilder und Dekorationen angebracht
werden können; es sollte den Mietern bekannt und verständlich
sein, wo Hängemöbel angebracht werden können und
wo nicht, am besten sollte das in einem bestimmten Bereich (Höhe)
umlaufend möglich sein.
Installationen
_Wichtig ist es, Konstruktion und Installation sauber voneinander
zu trennen, nur so lassen sich Basteleien auf der Baustelle sicher
vermeiden.
_Dies wird durch eine Holzrahmenwand mit vorgesetzter Innenschale
erleichtert, eventuell ein weiterer Grund, deren Mehrkosten in Kauf
zu nehmen.
_Beispielhaft ist die vorgefertigte Installationswand.
Vereinfachte Konstruktionen
_Neue Bauarten, zum Beispiel Dickholz-Bauteile und Brettstapel-Bauteile,
bieten in vielen Fällen einfachere Detaillösungen.
_Dickholz-Deckenplatten können für den Laubengang einfach
auskragen, es entstehen dabei keine wesentlichen Wärmebrücken
(Ingolstadt).
_Brettstapeldecken können für Laubengang und Balkon auskragen,
die Konstruktion hat zufrieden stellende Schallschutzeigenschaften,
am Auflager ist keine akustische Trennung notwendig (Schweinfurt).
_Die oft höheren Quadratmeter-Preise dieser Bauteile können
je nach Umständen dadurch kompensiert werden, dass sie einfachere
Details ermöglichen.
Holzwerkstoffe
_Die Bedeutung von Bauteilen aus Holzwerkstoffen wird weiter zunehmen;
so sind TJI-Träger, damals noch aus den USA importiert (München-Altperlach,
Nürnberg), jetzt auch in Europa verfügbar.
_Durch die Anwendung von Holzwerkstoffen lässt sich in vielen
Fällen der Materialeinsatz optimieren. Importierte Bauteile
(nicht holzbauspezifisch)
_Auf das Importieren von Bauteilen wie Fenster, Türen, Schließanlage
sollte verzichtet werden, wenn nicht gewährleistet ist, dass
sich ohne unverhältnismäßigen Aufwand Ersatzteile
beschaffen lassen. Für »sichere« Produkte besteht
in der Regel eine Vertriebsorganisation im Inland.
Auswahl von Unternehmen
(gesucht waren vor allem Generalunternehmer, aber auch Einzelgewerk-
Vergabe war möglich).
_Bewährter Ansatz: die als Generalunternehmer beauftragte Firma
sollte sowohl im Holzbau erfahren sein, als auch die Generalunternehmer-Aufgaben
qualifiziert wahrnehmen können.
_Ob Generalunternehmer von Insolvenz bedroht sind, ist bei Vergabe
nicht ohne Weiteres erkennbar, zumal auch die Unternehmen selbst
sich darüber unter Umständen nicht im Klaren sind oder
ihre Risiken unterschätzen; dies ist insbesondere auch bei
Firmen denkbar, die zuvor nicht als Generalunternehmer tätig
waren; Möglichkeiten der Früherkennung sowie Auffang-Strategien
müssen sich weiter entwickeln.
_Dass auch bei größeren Holzbau-Projekten eine Einzelgewerkvergabe
möglich ist und gut funktionieren kann, zeigt das Projekt in
Sulzbach-Rosenberg; mit dem Holzbau wurde eine Zimmerei beauftragt,
diese ließ in Tschechien Elemente vorfertigen und montierte
sie selbst; ein erfahrener und engagierter Bauherr übernahm
die Rolle des Projektsteuerers.
Zusammenarbeit
_Unabhängig davon, welche Art von Unternehmen gewählt
wird, ist die Zusammenarbeit zwischen Planung und Ausführung
bei Systembauweisen und komplex ineinander greifenden Gewerken ein
entscheidender Faktor für den Projekterfolg.
_Diese Zusammenarbeit ist sowohl bei Generalunternehmer- als auch
bei Einzelgewerk-Vergaben möglich, das zeigen die Projekte
in Erlenbach und Sulzbach-Rosenberg (Bauherr aus der Baubranche
und Architekt).
Projektserie
_Sehr sinnvoll ist es, mit Folgeprojekten auf einer erfolgreichen
Zusammenarbeit aufzubauen, die Projektserie war ein Ziel des Modellvorhabens;
durch die Wiederholungen werden Qualität und Kosten optimiert
und es stellt sich auch im Holzbau die Routine ein, die bei anderen
Bauarten als gegeben vorausgesetzt wird.
Der vorliegende Textauszug ist Teil des Buches:
Wohnmodelle Bayern, Kostengünstiger Wohnungsbau
Bayr. Staatsministerium des Inneren - Oberste Baubehörde (Hg.)
Verlag Callwey, München
(Zeitschrift Zuschnitt 1, 2001; Seite 10ff.)
Text:
Hannes und Rotraut Weeber
Dr.-Ing. Hannes Weeber
Dr. phil. Rotraut Weeber
Soziologin und freier Achitekt,
Weeber & Partner Stuttgart
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