Umfrage


 
  Hat der Holzsystembau eine Zukunft in der Wohnungsproduktion?
Ist Holz überhaupt ein Baustoff für verdichtetes Wohnen in der Stadt?
  Umfrage unter Architekten, Ingenieuren und Unternehmern: die Chancen für Holzsystembau stehen für die mit dem Holzbau befassten Fachleute gut. Aber Planer, Produzenten und Vermarkter müssen sich der Qualitäten des Holzbaus noch bewusster werden, diese Eigenschaften offensiver vertreten, hohe Standards in Planung und Ausführung gewährleisten. Dann wird sich die Sinn- und Kostenfrage im Vergleich zum Massivbau nicht mehr stellen.
       
 
     
Wohnanlage Volpe, Weiz, 1999
Architekt Josef Hohensinn, Graz
Foto: Paul Ott
     
Die vorliegenden Wortmeldungen sind Ergebnis einer schriftlichen Umfrage, die im Dezember 2000 durchgeführt wurde.


Dietrich Fink, Thomas Jocher Architekten, München
Planende Teilnehmer am Modellvorhaben Bayern

Josef Hohensinn
Architekt, Graz
Planer mehrerer Geschoßwohnbauten in Holzsystembauweise

Hermann Kaufmann Baukünstler, Schwarzach
Vorarlberger Vordenker im Holzbau, z.B. beim Pilotprojekt Ölzbündt

Bernd Kohlbacher
Geschäftsführer der Kohlbacher GmbH Langenwang, die einer der wenigen Komplettanbieter von Holzbauleistungen ist

Herbert Meyer-Sternberg
Architekt in München
Planender Teilnehmer am Modellvorhaben Bayern

Folkmar Rasch
Bauingenieur, Geschäftsführer der Rasch & Partner Bauen und Wohnen GmbH, Darmstadt, die sich auf kostengünstigen Wohnbau in Elementbauweise konzentriert

 

Gerhard Schickhofer Graz, Universitätsdozent für Holzbau und Holztechnologie
Institut für Stahlbau, Holzbau und Flächentragwerke, TU Graz

Georg Steinklammer Lienz, Planer eines der ersten Dreigeschoßer in Holzsystembauweise in Imst

Erich Strolz
Architekturbüro Kathan und Strolz, Innsbruck
Errichtete mehrere Geschoßwohnhäuser in Holz

Sampo Widmann Fachhochschule München. Architekt bei Schröder & Widmann, München
Teilnehmer am Modellvorhaben Bayern

Wolfgang Winter
Wien. Vorstand des Instituts für Tragwerkslehre und Ingenieurholzbau, TU Wien
Vorstand der Holzforschung Austria, Wien

     
Links extern
Fink + Jocher
Josef Hohensinn
Hermann Kaufmann
Gerhard Schickhofer
Georg Steinklammer
Erich Strolz
Sampo Widmann
Wolfgang Winter


 

Welche technischen und logistischen Verbesserungen muss die Holzbauweise anstreben, um im Geschoßwohnbau auf Dauer einen größeren Marktanteil behaupten zu können?

Fink & Jocher Im Bereich der Kombination der spezifischen Vorteile des Holzbaus mit Vorteilen anderer Baustoffe und Bauweisen liegt das größte Potenzial für den Holzbau, sich neue Märkte zu erschließen.

Hermann Kaufmann Standarddetails müssen entstehen, besonders durch bauphysikalische Verbesserung. Die Anschlüsse Wand-Decke, Wand-Dach, Wand- Bodenplatte sind zu einfacherer Ausführbarkeit zu entwickeln. Das logistische Problem liegt in der kleinteiligen Firmenstruktur im Holzbau: Jeder Geschoßwohnbau ist noch ein Prototyp auf allen Ebenen. Die Interessen größerer Holzbaufirmen liegen großteils im Gewerbe- und im Hallenbau, weniger im Geschoßwohnbau. Es gibt wenige Holzbaubetriebe, die wie größere Baufirmen als Generalunternehmer auftreten und dadurch in den Wohnbaumarkt hineinkommen. Bis jetzt ist für die Entstehung eines Geschoßwohnbaues immer ein Sonderfall notwendig: Ein engagierter Bauherr, ein engagierter Architekt, sowie ein sehr risikobereiter Holzbauer. Der Holzbau wird sich erst dann verbreiten, wenn eine ähnliche Firmenstruktur wie im Massivbau entsteht.

Bernd Kohlbacher Der Vorfertigungsgrad von Holzbauelementen und der dazugehörenden Haustechnik ist weiter zu erhöhen. In unserem Unternehmen besteht diese Kombination bereits, da wir auch sämtliche Installationsarbeiten mit eigenen Mitarbeitern ausführen. Ein größerer Marktanteil kann nur über zufriedene Bauherren erreicht werden. Deshalb sollten Holzbauten vorzugsweise durch Unternehmen errichtet werden, die die Verantwortung für das Gesamtprojekt tragen.

Gerhard Schickhofer Spricht man von Holzbauweise, so ist zwischen der Holzleicht- und der Holzmassiv- Bauweise zu unterscheiden; unter letzterer versteht man das Bauen mit großformatigen, flächenhaften und massiven, dickwandigen Bauelementen aus Holzausgangsprodukten mit unterschiedlichem Zerlegungsgrad wie Brettern, Furnieren und Spänen. Verbesserungspotenzial liegt in Planung, Produkten, Produktion, Transport und Montage. So sollten dem Planer weitgehend produktunabhängige Leitdetails für beide Bauweisen zur Verfügung gestellt werden. Für eine qualitätskontrollierte Elementvorfertigung werden ausnahmslos normgemäß hergestellte bzw. zugelassene Produkte empfohlen. Besonders für großformatige Bauelemente ist auf eine einwandfreie Fügetechnik zu achten.

Erich Strolz Technische Verbesserungen im Holzbau werden meist durch intensive Zusammenarbeit zwischen Planung und Ausführung erreicht. Viele Zimmereien stellen auf vorgefertigten Elementbau um. Hier würden sich durch den Zusammenschluss mehrerer Betriebe und das Einbeziehen von verwandten Gewerken in einem »Vorfertigungspark« für alle Beteiligten Synergien ergeben.

Sampo Widmann Konstruktionsbedingt: beim Holzrahmenbau eine Vereinfachung der Anschlussdetails. Logistisch: Vorfertigung im Ausbau für noch zügigere Bauabwicklung, etwa mit Sanitärzellen. Es mangelt nicht an Logistik oder Bautechnik. Es fehlen die Imagepflege und die »wertvollen« Beispiele. Bis jetzt wurde in Holz immer nur der »billige», also preiswerte soziale Wohnungsbau realisiert, nicht der gehobenere.

Josef Hohensinn Erstrebenswert sind: die Entwicklung und Anwendung hochwertiger Holzbausysteme mit Zulassungen bezüglich Formstabilität, Bauphysik, Brandsicherheit; die Verwendung entsprechender Holzqualitäten wie verleimte Stiele bei der Holztafelbauweise; die Vorfertigung kompletter Elemente, um die Bauzeit noch weiter zu senken; die Sicherung vor Feuchtigkeitsschäden durch die Vorfertigung und Koppelung kompletter Sanitäreinheiten einschließlich der Schächte in kontrollierter, wasserschadensicherer Ausführung.

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