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Grünmarkiges, blauweiß
durchzogen, rotweiß verpackt
Der Holzwohnbau ist für Hubert Riess zu einer persönlichen
Leidenschaft und zu einer professionellen Passion geworden. Mit seinen
die Marktbedingungen ausreizenden Holzbauten und seinen pointierten
Wortmeldungen zum Holzbau hat er dessen Rahmenbedingungen in Bayern
und in Österreich beeinflusst. Ein Bekenntnis zur permanenten
Reform der Holzarchitektur.
Was mich im Augenblick am meisten beschäftigt: Wie kann ich meine
architektonische Arbeit auf einem einmal gewonnenen Niveau stabilisieren?
Durch welche Veränderung vermag ich respektable Standards des
Holzwohnbaus unter sich verschärfenden kulturellen und ökonomischen
Verhältnissen zu halten? Konkreter: Wie kann ich den wenigen,
unter wirtschaftlichem Druck stehenden Holzbauanbietern, die sich
mit meiner Hilfe am Markt etabliert und offensiv in die Modernisierung
und Rationalisierung der Produktionsanlagen für den Holzrahmenbau
investiert haben, durch eine verbesserte Planung begegnen, dass die
architektonische Qualität nicht kaputt geht.
Der Holzbau ist im Baugeschehen eben noch immer nicht gleichberechtigt
und kein Selbstläufer. Ich habe mich bei meinen Projekten ab
Waldkraiburg an fast allen Teilsystemen eines Wohnbaus versucht, um
diese intelligenter und »schöner« zu gestalten, und
bin damit prompt über den herkömmlichen Kostenlimits gelandet.
Mit großen finanziellen Einbußen ist es trotzdem gelungen,
diese Bauten umzusetzen. Die meisten Wohnbaugenossenschaften wählen
den niedrigeren Preis, weil Abstriche in der Architektur bekanntlich
nicht wehtun. Wenn man in Holz baut, ist man heute jedenfalls politisch
korrekt; der baukulturelle Aspekt darf nichts kosten. Meine Bauten
in Judenburg, Mürzsteg und Trofaiach waren in ihren Ambitionen
letztlich durch den Qualitätsanspruch der bestellenden Genossenschaft
abgesichert und dadurch vor unautorisierten Vereinfachungen des Holzbauanbieters
geschützt.
Nachdem es im geförderten Wohnbau in der Steiermark Usus wurde,
Bauten materialoffen mit denselben Kostenobergrenzen auszuschreiben,
also die Ziegel-, Beton- oder Holzbauweise wahlweise zuzulassen, haben
Holzbauunternehmer ihre Kompetenz im Ausreizen von Abwicklung, Logistik
und Preisbildung entdeckt und auch den üblichen genossenschaftlichen
Besteller überzeugen können. Gleichzeitig besteht in der
Steiermark oder in Wien die erklärte landespolitische Bereitschaft,
beachtliche Wohnbaukontingente in Holz errichten zu lassen.
Die Chance für Wohnbau aus Holz, die in Bayern und der Steiermark
seinerzeit zunächst auf politischer Ebene eingeräumt wurde,
wird hier wie dort trotz Förderung nur dann vermehrt aufgegriffen
werden, wenn zusätzlich zu den schon geforderten Standards eine
reibungslosere Bauabwicklung in der Hand von Komplettanbietern zu
erwarten ist. Wollen die Landespolitiker den Holzbau, dann müssen
sie diese Entwicklungschancen aufrecht erhalten, sei es explizit durch
baukulturelle Bekenntnisse oder implizit über ökologische
Richtlinien in den Fördergrundsätzen. Wenn, wie wir es bisher
nicht können, zeittypische Zielkataloge erfüllt werden müssen,
gewinnt das Holz an Rang. So bieten Energiesparhäuser große
Chancen für den Geschoßwohnbau, weil die Ökoambition
gesellschaftspolitisch etabliert ist und sich hervorragend über
den Holzbau einlösen lässt: Niedrigenergie zieht am besten.
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Zudem möchte ich den Schritt zu Massivholzelementen propagieren,
um manches Vorurteil oder manche Befürchtung gegenüber dem
Holzbau wegen Formänderung, Hohlraumgehalt, Entflammbarkeit,
Brandausbreitung, Vielschichtigkeit im Aufbau, Folien u.s.w. aus dem
Weg zu räumen. Mein Anliegen wäre, dass Plattenelemente
wie etwa aus Kreuzlagenholz, eventuell in Raumzellen vorgefertigt,
auch das Raummilieu bestimmen. Über qualifizierte Leitprojekte
hätten die Vorteile dieses Produktes (immense Verwertungschance
für Schwachholz, hohe Form- und Brandbeständigkeit, bessere
Oberflächenqualitäten durch Einsatz gewünschter Holzsorten
in den Deckschichten) bereits lanciert werden müssen, getragen
von qualifizierter Architektur. Dazu wäre intensive Entwicklungsarbeit
notwendig, bei der alle Projektbeteiligten gleichzeitig gefordert
sind.
Wenig Sinn sehe ich in der ständigen Neuerfindung von Holzbausystemen
aus wissenschaftlicher Profilierungssucht, falschverstandenem unternehmerischem
Kalkül oder regionalpolitischer Eitelkeit. Mir geht es um die
Perfektionierung des Erreichten oder des Begonnenen auf einem österreichischen
Standard. Das so Eingesparte muss in andere Qualitäten verlagert
werden oder der Holzbau tatsächlich günstiger an die Nutzer
weitergegeben werden.
Für mich liegt die primäre Herausforderung in einer dem
Holz adäquateren Architektursprache. Zudem wird Holz nicht seinem
Potenzial entsprechend von den Herstellern in den Gesamtbauprozess
eingegliedert, der Holzbauer muss als Generalunternehmer auftreten.
Die Baustelle muss also so weit wie nur möglich in die Halle
verlagert werden. Es fehlen attraktive systemgerechte Projekte dafür.
Derzeit werden im Holzbau noch zu viele Arbeitsgänge verlangt.
Das führt zu einer zu geringen Wertschöpfung, zu wenige
Firmen steigen in den Holzwohnbau ein. Der Besteller sehnt sich nach
einer unproblematischen Realisierung auf der Baustelle, gewährleistet
durch eine integrierte Vorschau von Planung und Produktion. Hier liegt
die noch ungenutzte Hauptchance für den Baustoff Holz: leicht
statt schwer, trocken statt nass, schnell statt langsam, leichtsystematisch
statt schwerarchaisch.
(Zeitschrift Zuschnitt 1, 2001; Seite 16ff.)
Text:
Hubert
Riess
1946 geboren in Obernberg am Inn, Oberösterreich
1967-1975 Architekturstudium an der TU Graz
1976-1977 Assistent an der TU Graz, Gastprofessor: Jan Gezelius
1978-1979 Stipendium an Konsthögskolans Arkitekturskola, Stockholm
1979 Mitarbeit im Büro Jan Gezelius, Schweden
1979-1983 Mitarbeit im Büro Ralph Erskine, Schweden
Seit 1985 selbständiger Architekt in Graz
1992 Gastprofessor an der TU München
1994 Professur für Entwerfen und Gebäudelehre, Fakultät
für Architektur, Stadt- und Regionalplanung, Bauhaus- Universität,
Weimar |