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Ritzeratze!
voller Tücke, eine Lücke in die Brücke. Annäherung
an ein Bauwerk aus Holz.
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Wenn es stimmt, was mein
Techniklexikon sagt, dann sind Brücken eigentlich völlig
unterforderte Bauwerke und hauptsächlich mit ihrer eigenen Erhaltung
beschäftigt. Zu neun Zehntel tragen sie sich selbst, ein mageres
Zehntel bleibt für die Lasten übrig. Das entspricht einem
erwachsenen Menschen, der gerade einmal seine Tageseinkäufe hochheben
kann. Auch sonst, sieht man einmal von den rege frequentierten Stadt-
und Autobahnbrücken ab, haben Brücken eigentlich wenig zu
tun, vor allem diejenigen, die wir wegen ihrer exponierten Lage und
kühnen Bauart besonders bewundern. Den Großteil ihrer Zeit
trotzen sie der Witterung und stehen einfach da als rhetorisches Angebot,
den Menschen nasse Füsse zu ersparen und einen Weg abzukürzen.
Aber Brücken sind offenbar mehr als Brücken und vielleicht
ist es gerade die geringe Belastung, die Menschen dazu nützen,
sie mit übergeordneter, metaphorischer, wenn nicht sogar metaphysischer
Bedeutung zu beladen, die sie tragen können, auch wenn sie nichts
tragen.(1)
Im alten Rom sind Brückenbauer Hohepriester gewesen. Die Stadt
war wirtschaftlich so sehr von ihren Tiberbrücken abhängig,
dass man die Pontifices zu den Trägern und Organisatoren der
offiziellen religiösen Kulte erklärte. Der Papst als oberster
Brückenmacher erinnert heute noch an diese Verknüpfung von
Theologie und Technologie.
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Holzeisenbahnbrücke an der Central Pacificbahn
Aus: Das große Buch der Erfindungen, 1870
Text:
Christian Rapp
geboren 1964 in Wien. Kulturhistoriker und Publizist Forschungsprojekte
und Ausstellungen zu Architektur, Film und Tourismusgeschichte,
zuletzt: Nichts tun - Vom Flanieren, Pausieren, Blaumachen und Müßiggehen.
(Museum für Volkskunde, Wien)
Verweise:
1) Siehe dazu den Abschnitt: Götterbrücken, bei: Wolfgang
Pircher: Brückenbrüder, in: Theatro Machinarum, Heft 5/6
1984 Jahrgang 2, Bremen 1984,
S. 43ff. |