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Jürg Conzett und
seine Partner Gianfranco Bronzini sowie Patrick Gartmann machen Konstruktionsentwürfe.
Sie bezeichnen sich nicht als »Statiker«, obwohl sie das
natürlich auch sind, aber die Statik ist für sie ein Teilgebiet.
Der deutsche Ausdruck »Tragwerksplaner« passt besser für
ihre umfassende Tätigkeit. In einem entsprechenden Rahmen soll
auch ihre Beschäftigung mit Holz gesehen werden. Sie sehen sich
nicht nur als Spezialisten für ein bestimmtes Material oder eine
bestimmte Bauweise, sondern decken innerhalb eines größeren
Bereichs alle Gebiete ab, damit ein Geschäftspartner sicher sein
kann, dass sie ohne Scheuklappen nach dem angemessenen Material suchen.
Sie sind aber überzeugt, dass aus dieser Haltung insbesondere
für den Holzbau die Möglichkeit ungewöhnlicher Tragwerke
oder die Kombination mit anderen Materialien besser erwachsen kann,
als wenn sie sich zu direkt auf holzspezifische Aspekte festlegen
würden.
Zschokke Ihr seid also Tragwerksplaner und habt regelmäßig
mit Architekten zu tun. Manchmal habt ihr aber auch ohne Architekten
gearbeitet. Wie gestaltet sich das Verhältnis zu den Architekten?
Gartmann Es ist immer eine Zusammenarbeit und oft eine Entwicklung.
Aus einem Ineinanderarbeiten der Sichtweisen von Architekten einerseits
und Bauingenieuren andererseits entwickelt sich im Verlauf der Diskussion
ein interessantes und gutes Projekt. Beide tragen mit Vorschlägen
zum Gelingen bei und suchen gemeinsam nach Lösungen.
Zschokke Und wie läuft eine derartige Zusammenarbeit ab?
Gartmann Oft steht eine Idee im Vordergrund. Dieter Schwarz,
ein Architekt beispielsweise, baut Nullenergiehäuser. Um Kosten
zu sparen, errichtet er die Gebäude aus Holz, benötigt aber
auch Speichermasse im Gebäude. In einem Fall machten wir eine
Holz-Betonverbundkonstruktion, bei der der Beton die Decke aussteift,
zugleich aber als Wärmespeicher wirkt. Beim zweiten Haus wendeten
wir eine spezielle Verglasung mit Paraffin im Glas als Wärmespeicher
an.
Conzett Bei der Zusammenarbeit mit Architekten steht für
mich das Ziel, eine Übereinstimmung von Architektur und Ingenieurbau
in einem Bauwerk zu erreichen, weit vorne. Es ist letztlich auch dasselbe.
Es ist meine Überzeugung, dass die Trennung in zwei Berufsgruppen
zwar historisch ist, aber deshalb nicht weiter geführt werden
muss. Ich persönlich kann gar nicht trennen.
Zschokke Das Produkt, das Bauwerk wäre also in jedem Fall
Architektur?
Conzett Und zugleich ist es auch Konstruktion. Ich habe kürzlich
bei Gottfried Semper nachgelesen, für ihn war es das griechische
Ideal, und ich denke, dass dies immer noch gilt. Nämlich, dass
der Ausdruck eines Gebäudes und die strukturelle Kernform so
stark miteinander verwoben sind, dass sie nicht getrennt werden können.
Für uns heißt das, dass wir nur mit Architekten zusammenarbeiten
können, die sich für Konstruktion interessieren.
Conzett Generell finde ich es interessant, in einem Team zu
arbeiten, aber das betrifft nicht nur Architekten, es betrifft auch
Teams mit Ingenieuren oder Unternehmern. Die Voraussetzung, dass sie
gern zusammenarbeiten und eine entsprechende Offenheit haben, ist
charakterlich bedingt und macht die Arbeit im Team anregend. Auf der
anderen Seite braucht es ab und zu auch die eigene Verantwortung als
Ingenieur, sonst verlernt man das. Es braucht eben eine gesunde Mischung.
Man muss sich ab und zu ins Kämmerlein zurückziehen und
ganz allein sein können.
Zschokke Wie hat sich damals beim Murauer Steg die Zusammenarbeit
entwickelt, aus der das Projekt entstanden ist?
Conzett Wir haben gearbeitet wie in einem gemeinsamen Büro.
Ich arbeite gerne über längere Zeiträume mit denselben
Menschen zusammen. Je besser man sich kennt, desto reibungsloser verläuft
die Arbeit. Anton Kaufmann hat bei dieser Brücke auch eine äußerst
wichtige Rolle gespielt, weil er auch die Möglichkeiten als Hersteller
gesehen hat. Er hat Vorschläge gemacht, etwa für die nagelpressverleimten
Gurtungen. Das war ein wichtiger Beitrag für das Gelingen.
Zschokke Wie ist es aber zu diesem stark raumbildenden Tragwerk
gekommen? Kam das daher, weil gefordert war, dass der Steg überdacht
sein müsse, oder war es eine städtebaulich architektonische
Überlegung, oder war es ein interessantes Tragwerkskonzept, aus
dem dann die Gestalt entwickelt worden ist?
Conzett Das kann man nicht auseinanderdividieren und wie in
einem Ablaufdiagramm darstellen. Man sitzt zusammen, man probiert
aus, man skizziert, man denkt nach, man verwirft, man fängt nochmals
an, bis am Schluss etwas da ist, das eben gleichzeitig Architektur
ist und ein Ingenieurbauwerk. Und bei dieser Fuß- und Radwegbrücke
über die Mur ist das weitgehend gelungen.
Zschokke Der Traversina-Steg ist anders, man geht nicht durch
das Tragwerk hindurch, der Weg verläuft über dem Tragwerk.
Was unterscheidet diesen Steg von jenem in Murau?
Conzett Man sieht natürlich auf einen Blick, der Traversina-Steg
ist extrem leicht und die Murauer Brücke ist schwer. Das ist
ein vordergründiger Unterschied, denn es gibt mehrere Gemeinsamkeiten.
Etwa das Thema des Zentralträgers. In Murau bilden die mittigen
Gurte das langlebige Grundelement. Beim Traversina-Steg liegt der
Druckgurt ebenfalls in der Mitte und wird durch den Gehweg geschützt.
Derselbe Gedankengang äußert sich formal auf verschiedene
Weise. Der Umgang mit Torsion war bei beiden Brücken extrem.
So ist es auch beim Traversina-Steg nicht so, dass man über der
Konstruktion geht, sondern man befindet sich noch dazwischen, denn
die Wandscheiben der Geländer sind auch Teil der Statur. Auch
der Traversina-Steg ist eine Auseinandersetzung mit Raum, es ist natürlich
ein anderer Raum von der Topographie her, aber die Themen sind eng
verwandt.
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Jürg Conzett
dipl. Bauingenieur ETH/SIA Studium an der EPF Lausanne und an der
ETH Zürich
Seit 1985 Dozent für Holzbau an der Hochschule für Technik
und Architektur, HTA Chur
Seit 1998 Abteilungsleiter Bau an der HTA Chur
1999 Großer Preis für Alpine Architektur Sexten
Gianfranco Bronzini
Dipl. Bauingenieur HTL. stv Studium am Technikum Rapperswil
Seit 1994 Dozent für Massivbau am Institut für berufliche
Weiterbildung in Chur
Seit 1999 Dozent für Massivbau an der HTA Chur
Patrick Gartmann
Dipl. Bauingenieur HTL und Dipl. Architekt HTL. STV Bauingenieurstudium
an der Hochschule für Technik und Architektur, HTA Chur Architekturstudium
an der HTA Chur, Diplom 1998
Seit 1998 Assistent am Lehrstuhl Valerio Olgiatis an der ETH Zürich
Conzett Bronzini Gartmann
CH-7000 Chur
Herrengasse 6
T +41 (0)81/258 30 00
F +41 (0)81/258 30 01
cbg@cbg-ing.ch
Das Büro besteht aus 17 Mitarbeitern, der Tätigkeitsbereich
umfasst Projektierung und Bauleitung von Brücken- und Hochbauten,
Instandsetzungsarbeiten von Brücken- und Hochbauten, Denkmalpflege,
Machbarkeitsstudien, Beurteilung von Schadensfällen, Schulungen.
Realisierung von mehr als 13 Brücken in verschiedenen Materialien
u.a. Mursteg im steirischen Murau anlässlich der Landesausstellung
1995. Seit 1986 immer immer wieder Zusammenarbeit mit Architekt
Peter Zumthor.
Links extern
Autor: Walter
Zschokke
Projekte: Mursteg,
Traversina
Steg |
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Walter Zschokke
Dipl.-Ing. Dr.; Studium der Architektur an der ETH Zürich
Doktorat in Architekturgeschichte an der ETH Zürich
Zschokke arbeitet auf dem Gebiet der Architektur als Entwerfer, Historiker,
Kritiker, Kurator und Austellungsmacher. Buchpublikationen u.a. über
Adolf Krischanitz, Gustav Peichl, Boris Podrecca. Regelmäßige
Architekturkritik im Spectrum (Die Presse, Wien) sowie Beiträge
in Fachzeitschriften und Ausstellungskatalogen.
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