|
Die Kaprizierte
Die filigrane Erscheinung des Traversina Stegs war geprägt
von seiner exponierten Lage, einer tiefen Schlucht am Traversina
Tobel, die im Zuge der Rekonstruktion eines historischen Wanderwegs
auf den Spuren eines römischen Saumwegs gequert werden sollte.
Der schwierige Standort verlangte nach einer leichten, vorgefertigten
Konstruktion, die per Hubschrauber transportiert werden konnte und
vor Ort nur mehr auf die Auflager gesetzt werden musste. Entstanden
ist eine äußerst feingliedrige Fachwerkskonstruktion,
die den Eindruck vermittelt, dass man nicht einen Stab herausnehmen
dürfte, weil sie sonst wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen
würde. Zugleich meint man eine starke innere Spannung zu spüren,
den Kräfteverlauf unmittelbar und unverkleidet in Form umgesetzt
zu sehen und das sich Stemmen gegen den Wind in der starken Spreizung
der Untergurtseile zu erkennen.
Wenn in der materialreduzierten, ephemer wirkenden Stab- Seilkonstruktion
auch die ungewöhnlichen Rahmenbedingungen visualisiert zu sein
scheinen, so drückt der Traversina Steg doch mit ebensolcher
Deutlichkeit und Vehemenz Experimentierfreudigkeit und Formwillen
des Ingenieurs aus, der seine Arbeit als Kulturleistung sieht und
sich dabei die Freiheit nimmt (und das Vergnügen gönnt),
Form als eigenständige Qualität spüren zu lassen.
Genau deshalb hätte der Traversina Steg auch ganz anders ausschauen
können und so wird nach der Zerstörung der Brücke
1999 durch einen Felssturz der geplante neue Steg, etwa 70m unter
dem ersten, keine Neuauflage des Traversina Stegs sein, sondern
sicherlich die Bewältigung einer neuen, mit Conzett'schem Entdeckergeist
aufgespürten konstruktiven Herausforderung.
Text: Karin Tschavgova (Zeitschrift
Zuschnitt 2, 2001; Seite 10ff.)
Links intern
Skizzen
zum Projekt
Gespräch - Zschokke
Conzett, Bronzini, Gartmann
Links extern
Projekt: Der
Traversina Steg
Autorin: Karin
Tschavgova
Architekt Jürg Conzett:
Großer Preis für Alpine Architektur Sexten
|