Traversina Steg, Graubünden/CH      
 
 
   
 
 

Entwurf und Statik
Jürg Conzett

Nutzung
Fußgängerbrücke für Wanderer

Fertigstellung
1996; 1999 durch Felssturz zerstört

Standort
Via Traversina, Rongellen, Graubünden (CH)

Spannweite
49m

Tragstruktur
Dreigurt-Fachwerkträger in Holz-Stahl-Konstruktion mit gespreizten Untergurten und biegesteifen Brüstungen

Holzmontagebau
Flütsch AG, Thusis (CH)

       
 
Fotos: Jürg Conzett

Jürg Conzett
Dipl. Bauingenieur ETH/SIA Studium an der EPF Lausanne und an der ETH Zürich
Seit 1985 Dozent für Holzbau an der Hochschule für Technik und Architektur, HTA Chur
Seit 1998 Abteilungsleiter Bau an der HTA Chur
1999 Großer Preis für Alpine Architektur Sexten


Gianfranco Bronzini
Dipl. Bauingenieur HTL. STV
Studium am Technikum Rapperswil
Seit 1994 Dozent für Massivbau am Institut für berufliche Weiterbildung in Chur
Seit 1999 Dozent für Massivbau an der HTA Chur

 

Patrick Gartmann
Dipl. Bauingenieur HTL und Dipl. Architekt HTL. STV Bauingenieurstudium an der Hochschule für Technik und Architektur, HTA Chur Architekturstudium an der HTA Chur, Diplom 1998
Seit 1998 Assistent am Lehrstuhl Valerio Olgiatis an der ETH Zürich




Conzett Bronzini Gartmann
CH-7000 Chur
Herrengasse 6
T +41 (0)81/258 30 00
F +41 (0)81/258 30 01
cbg@cbg-ing.ch





 

Die Kaprizierte

Die filigrane Erscheinung des Traversina Stegs war geprägt von seiner exponierten Lage, einer tiefen Schlucht am Traversina Tobel, die im Zuge der Rekonstruktion eines historischen Wanderwegs auf den Spuren eines römischen Saumwegs gequert werden sollte. Der schwierige Standort verlangte nach einer leichten, vorgefertigten Konstruktion, die per Hubschrauber transportiert werden konnte und vor Ort nur mehr auf die Auflager gesetzt werden musste. Entstanden ist eine äußerst feingliedrige Fachwerkskonstruktion, die den Eindruck vermittelt, dass man nicht einen Stab herausnehmen dürfte, weil sie sonst wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen würde. Zugleich meint man eine starke innere Spannung zu spüren, den Kräfteverlauf unmittelbar und unverkleidet in Form umgesetzt zu sehen und das sich Stemmen gegen den Wind in der starken Spreizung der Untergurtseile zu erkennen.

Wenn in der materialreduzierten, ephemer wirkenden Stab- Seilkonstruktion auch die ungewöhnlichen Rahmenbedingungen visualisiert zu sein scheinen, so drückt der Traversina Steg doch mit ebensolcher Deutlichkeit und Vehemenz Experimentierfreudigkeit und Formwillen des Ingenieurs aus, der seine Arbeit als Kulturleistung sieht und sich dabei die Freiheit nimmt (und das Vergnügen gönnt), Form als eigenständige Qualität spüren zu lassen. Genau deshalb hätte der Traversina Steg auch ganz anders ausschauen können und so wird nach der Zerstörung der Brücke 1999 durch einen Felssturz der geplante neue Steg, etwa 70m unter dem ersten, keine Neuauflage des Traversina Stegs sein, sondern sicherlich die Bewältigung einer neuen, mit Conzett'schem Entdeckergeist aufgespürten konstruktiven Herausforderung.

Text: Karin Tschavgova (Zeitschrift Zuschnitt 2, 2001; Seite 10ff.)


Links intern
Skizzen zum Projekt
Gespräch - Zschokke Conzett, Bronzini, Gartmann


Links extern

Projekt: Der Traversina Steg
Autorin: Karin Tschavgova
Architekt Jürg Conzett: Großer Preis für Alpine Architektur Sexten

               
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