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Wir bringen Auszüge
eines Gesprächs vom 16. Juli 2001, das Zuschnitt zum Thema »Neue
Flächen in Holz« angeregt hat und das im Architekturforum
Innsbruck stattfand.
Im Gespräch - Konrad Merz, Wolfgang Pöschl, Walter Schweran,
Gerhard Schickhofer
Zuschnitt Die Frage, der Zuschnitt in diesem Gespräch
auf den Grund gehen will, ist, ob die neuen Holzwerkstoffe, die auch
konstruktiv eingesetzt werden können, den Holzbau revolutionieren
werden. Erst einmal, ob sich das Erscheinungsbild vom Holzbau dadurch
verändern wird und ob damit eine breite Anwendung gegeben sein
wird.
Schickhofer Ganz sicher muss die Fläche neu gesehen werden,
weil sie sich vom Schichtenaufbau des traditionellen Holzbaus wesentlich
unterscheidet, genauer gesagt, vereinfacht. Nehmen Sie die massive
Fläche, Sie haben einen kompakten tragenden Teil, eine Dämmschicht,
sauber getrennt davon, oder die Dämmung im Kern und einen äußeren
Schutz. Das ist schon das Wesentliche, es gibt keine Kältebrücken,
die Fugen werden unterdrückt. Wo ich es brauche, schneide ich
ein Fenster ein...
Pöschl Ich kann ja auch die massive Fläche von der,
wo ich verglasen will, ganz trennen.
Schickhofer Ja, aber ich kann es machen, wenn ich will, ohne
Risiko. Darum geht es ja, dass die Holzbauweise einfacher wird in
der Anwendung.
Zuschnitt Aber ist dann nicht die Gefahr einer Vereinheitlichung,
einer wesentlichen Einschränkung gegeben?
Schickhofer Also, das kann ja nur eine Erweiterung sein, wenn
man seine Idee in einem System wiederfindet und damit agieren möchte.
Um das geht es. Sie können nicht sagen, es reicht mir, wenn man
eine Platte anbietet oder ein Material, Sie werden damit glücklicher
werden, wenn man eine Decke anbietet, eine Wand usw., die gut zusammenzufügen
sind. Wie der Raum dann ausschaut, das ist dann Architektur, das wird
der Architekt bestimmen. Aber ich meine, das sollte man vielleicht
in Zukunft woanders hin delegieren, wie die Decke von unten bis oben
oder die Wand von innen bis außen auszusehen hat. Hier muss
sich der Architekt nicht unbedingt mehr den Kopf zerbrechen. Das heißt,
wenn hier Lösungen zur Verfügung gestellt werden, abgestimmt
auf ganz bestimmte Produkte, Produktgruppen, dann ist das doch auch
ein Vorteil für die Architektur. Eine große Hilfe, um überhaupt
vernünftig, auch von den Planungskosten her, einen Holzbau betreiben
zu können.
Pöschl Da gebe ich Ihnen Recht, insofern, als ich im Möbelbau
ja auch eine Methode brauche, um zu verbinden. Ich kann alles zusammennageln
oder schrauben, aber es gibt auch Dübel, es gibt Scharniere und
genau das braucht es im massiven Holzbau auch. Aber es würde
mir nicht einfallen, von einem Möbelbausystem zu reden, sondern
ich habe ein Plattenmaterial, das kann Bestimmtes, das eine muss ich
umleimen, das andere furnieren. Fügetechnik braucht es, da gebe
ich Ihnen vollkommen recht. Aber ich würde das nicht als System
bezeichnen.
Zuschnitt Sie haben auch als Tischler ein enormes Vorwissen,
viele Architekten haben aber Berührungsängste mit Holzbau.
Es gibt eine bauphysikalische Komplexität, wenn man das nicht
wirklich beherrscht, kommt man in des Teufels Küche. Dann kommt
der vergleichsweise große Planungsaufwand dazu, beides Dinge,
die die Leute davon abhalten, in Holz zu bauen. Wenn es jetzt verbindliche
Systeme gibt, die mich in meiner Gestaltung als Architekt nicht einschränken,
sondern soviel Flexibilität und Anwendungsmöglichkeiten
erlauben, dass ich Freiheit habe in meiner Gestaltung, dann wird wahrscheinlich
jeder Architekt gerne auf Leitdetails zurückgreifen. Eine Einengung
darf es natürlich nicht sein.
Pöschl Vor 20 Jahren hat der Architekt noch nicht gewusst,
wie ein Spanplattenmöbel funktioniert. Da sind an den unmöglichsten
Stellen massive Teile vorgekommen. Jetzt weiß das eigentlich
jeder, er hat Spanplatten und braucht sie nur zusammenstellen und
der Tischler nimmt das richtige Verbindungsmittel. So einfach sollte
Holzbau werden in der Anwendung.
Merz Richtig, nehmen Sie den Betonbau, wenn Sie den Anschluss
Decke-Wand haben, dann machen Sie zwei Striche, wieviele Eisen er
da hineinlegt, das interessiert sie nicht. Aber im Holzbau müssen
Sie sich schon überlegen, geht die Wand durch die Decke, oder
liegt die Decke auf, ist sie zwischendrin, geht die Wand außen
hoch, wie schließe ich es an
Schickhofer Warum muss ich mir das überlegen, wenn die
Lösungen da sind?
Pöschl Beim massiven Holzbau kann das irgendwann einmal
so primitiv werden wie bei einem Möbel. Aber was ich verhindern
will, ist, dass man wieder in Elementen denkt, in zu komplizierten
Einheiten. Man denkt in Materialien, Plattengrößen selbstverständlich,
im Möbelbau mache ich das auch, im Hochbau ist es noch ein bisserl
strenger, aber es muss im Prinzip so funktionieren. Das Bauen muss
auf einem ganz niedrigen Level gehalten werden. Einfach, aber auch
ohne die hohen Arbeitsanteile, die die Amerikaner an ihren Systemen
haben.
Scheran Das ist genau der Punkt, dann sind wir bei einer Massenanwendung.
Bis jetzt haben Hersteller irgend ein System gemacht, das dann kein
Massenartikel geworden ist und wieder irgendwo individuell war. Und
ich glaube, die Plattenindustrie muss die Materialien zur Verfügung
stellen und die verschiedenen Verbindungen und Anwendungen zeigen,
man kann sie für jedes System einsetzen, es funktioniert immer
mit den Platten, die wir anbieten.
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Konrad
Merz
Dipl.-Ing.
1984 Diplom als Bauingenieur.
Bis 1986 Mitarbeit bei einem Brettschichtholzhersteller. Bis 1990
Assistent am Lehrstuhl für Holzkonstruktionen an der ETH Lausanne.
Bis 1993 MacMillan Bloedel Research in Vancouver, Kanada.
Ab 1994 Merz Kaufmann Partner, Bauingenieure in Dornbirn.
Wolfgang
Pöschl
Arch. Dipl.-Ing.
1972 - 1976 Leitung der väterlichen Tischlerei Seit 1974 Tischlermeister
Studium an der Technischen Universität Innsbruck
1980 Diplom
1979 - 1985 Mitarbeit bei Heinz -Mathoi-Streli
1985 - 1988 Zusammenarbeit mit Reinhardt Honold
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Walter Scheran
Ing.
Seit 1993 Verkaufsleiter für Österreich bei der Firma
Egger, Spanplattenwerke. Derzeit Marketingleiter der gesamten Egger-Gruppe.
Gerhard
Schickhofer, Ao. Univ.-Prof. Dipl.-Ing.Dr.
Studierte Bauingenieurwesen und promovierte 1994 in der Fachrichtung
Holzbau. Seitdem Forschungs- und Lehrtätigkeit. Ein Forschungsschwerpunkt
war die Entwicklung der KLH - Massivplatte. Universitätsdozent
für Holzbau und Holztechnologie am Institut für Stahlbau,
Holzbau und Flächentragwerke der TU Graz.
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