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Doppelt hält besser

Wohnanlage Spitzweg

Karin Tschavgova
Erschienen in
Zuschnitt 4: Holzaltern
Dezember 2001 - Februar 2002, Seite 20
1993
2001

Zwei keilförmig zueinander gestellte Baukörper in Betonscheibenkonstruktion mit geringer Gebäudetiefe sind mit Holzriegelwänden und vorgehängten Fassaden aus Glas im Süden und Sperrholzplatten im Norden ausgefacht.

Am Anfang stand ein Wettbewerb zum Thema »Kostengünstiges Bauen«, für den Giencke&Co eine Lösung anbieten, die - logisch abgeleitet aus der architektonischen Prägung von Volker Giencke und seinen Vorbildern Le Corbusier und Jean Prouvèe - industriell vorgefertigte Elemente in Mischbauweise vorsieht. Nun weiß jeder, der den »natürlichen« Verlauf der Realisierung eines Wohnbaus in der Steiermark kennt, mit welchen erheblichen Reibungsverlusten aus den besten Entwürfen oft konventionelle 08/15 Bauten werden. Nicht so mit Giencke! Der setzte, nach dem Ausstieg der Wohnbaugenossenschaft, mit Beharrlichkeit und Ausdauer die Leichtbaufassaden durch.

An der »warmen« Südseite wird an zurückspringenden, geschützten Fassadenteilen weiß gestrichene Holzschalung verwendet, an exponierten Bauteilen weiß emailliertes Glas und auf der im Norden gelegenen »kalten« Erschließungsseite eine Verkleidung aus hochwertigem Schiffssperrholz. Diese Multipaneelplatten in Okumee, einem laut Zertifikat gezüchteten Tropenholz der niederländischen Firma Bruynzeel, wurden schon im Werk nach Plan geschnitten, mit pigmentiertem Mehrfachanstrich versehen - an den Kanten, die offen blieben, mit einer zusätzlichen Schicht - und auf der Baustelle nur mehr verschraubt. Für die Platten gab es eine zehnjährige Garantie, für den Anstrich nur fünf Jahre. Was für die Behörde, die Wohnbauförderungsstelle des Landes nur nach langen Verhandlungen akzeptabel war, erweist sich nicht nur als elegant und formschön, sondern nach nunmehr acht Jahren auch als äußerst dauerhaft. Veränderungen an der Oberfläche der Fassade sind bis auf ein leichtes Nachdunkeln kaum wahrnehmbar, was auch daran liegen mag, dass sie nur in geringem Ausmaß direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Die Oberfläche ist jedenfalls noch völlig intakt und zeigt sich edel wie ein Möbelstück.

Giencke wusste sie freilich richtig zu schützen: weit überstehende Flugdächer aus Stahl. Glas geben ein Beispiel richtig angewandten baulich-konstruktiven Holzschutzes - und sind zudem wesentliche gestaltgebende Elemente.

Architekt
Volker Giencke & Co

Standort
Otto-Loewi-Gasse 18-34
Graz, Steiermark

Fertigstellung

1993

Volker Giencke
O. Univ.-Prof. Arch. Dipl.-Ing.
studierte Architektur und Philosophie in Graz und Wien.
Seit 1981 führt er sein eigenes Büro in Graz. Giencke zählt zu den profiliertesten Architekten der Steiermark, er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten und ist Professor am Institut für Entwerfen an der Baufakultät der Universität Innsbruck.