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  Über Totenbretter und andere Listen gegen die Vergänglichkeit
     
  Dass das neue Dach jetzt nur noch die richtige Farbe zu bekommen brauche, und dass Sonne, Wind und Wetter schon dafür sorgen werden, so kann man im Vorarlbergerischen die Männer reden hören, die sich noch auf das Schindeln verstehen. Wenn sie an einem Spätsommerabend müde von den vielleicht 50 Quadratmetern Tagwerk ihr Dachdeckerbeil, mit dem sie zusammen zweieinhalb-, dreitausend Schindeln drei- oder vierfach verlegt und mit je einem Nagel fixiert haben, aus der Hand legen, dann richten sich die Blicke nach dem strahlend hellen Dach. Ein frisch gedecktes Schindeldach ist ein unübersehbares Signal in der Landschaft, und im Abendlicht darf es dann schon einmal so richtig golden funkeln, dass auch die Bewohner der anderen Talseite sehen, was man geleistet hat. Aber man weiß dort auch um die notwendige Vergänglichkeit dieses Glanzes.

Übers Jahr wird er dahin sein, das Dach - selbst die widerspenstigste Schindel - wird sich gelegt haben und sich in den kommenden fünfundzwanzig oder dreißig Jahren je nach Lage und Ausrichtung des Daches beharrlich von einem silberschimmernden Grau in Richtung Schwarz verändern. Sind die Männer älter (und das sind sie meistens, weil die Jüngeren nicht über die Zeit und oft auch nicht mehr über Wissen und Fertigkeit verfügen), gehört daher zu einer solchen Feierabendbilanz auf der Hausbank auch die Feststellung, dass man dieses Dach in seinem Leben nicht wird nochmals decken müssen.
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Foto: Prof. Ernst Hiesmayer

Text:
Bernhard Tschofen
Kulturwissenschafter und Kunsthistoriker, lehrt und forscht als Ao. Univ.Prof. am Institut für Europäische Ethnologie an der Universität Wien. Mitarbeit an Museen und kulturwissenschaftlichen Ausstellungen, zahlreiche Veröffentlichungen zur Stadt- und Bergforschung, Symbol- und Wahrnehmungsgeschichte, Biographieforschung, Ethnizität und Museologie; u.a.: Berg Kultur Moderne. Volkskundliches aus den Alpen. Wien 1999.
               
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