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Holzaltern - was für ein Thema

Karin Tschavgova
Erschienen in
Zuschnitt 4: Holzaltern
Dezember 2001 - Februar 2002, Seite 2

Merkwürdiger Begriff: Holzaltern - die Holzalterung, der Alterungsprozess von Holz. Wir wissen, dass der organische Baustoff Holz sich nach der Zurichtung durch den Menschen - das Fällen des Baumes, das Aufschneiden in Bretter, das Trocknen, das Hobeln - noch verändert. Holz altert durch Austrocknung und Witterungseinflüsse, unter UV-Bestrahlung und durch Schadstoffe. Ja, sogar farbloser Lack lässt Holz unter Lichteinfall deutlich nachdunkeln. Ein natürlicher Prozess, ist man geneigt zu sagen, aber deswegen gleich ein ganzes Themenheft? Genau dieser »natürliche« Prozess oder sein Ergebnis ist jedoch hierzulande für viele Menschen nicht akzeptabel, Verwitterung wird bestenfalls an traditionell landwirtschaftlichen Bauten schön empfunden.

Na gut, hört man sagen, dann gibt man dieser Mehrheit umfassende Informationen, wie und mit welchen Mitteln sie nach Herzenslust Imprägnieren, streichen, abdecken kann. Wenn das so einfach wäre: Chemischer Holzschutz verlangt aufwendigen Unterhalt, da dem Material Holz (und Holzwerkstoffen) immanent ist, sich gegen sämtliche Oberflächenbehandlungen zu wehren. Weil es atmen will, betont Hermann Kaufmann, vielleicht der profilierteste Holzkenner unter den Architekten, im Gespräch mit dem »zuschnitt«. Wer wie er für das natürliche Holzaltern plädiert, muss sich bewusst sein, dass es jenseits der Geschmacksfrage auch eine Grenze des Materials zum Austausch gibt, die durch baulich-konstruktiven Holzschutz, der wiederum die Form eines Bauwerks beeinflusst, hintangehalten werden kann. Will man also den Holzbau und Oberflächen in Holz propagieren, so sollten Möglichkeiten des Holzschutzes ausführlich thematisiert und seine Folgen nicht ausgespart werden.

Am Altern von Holz scheiden sich die Geister - über das Äußere von Bauten in Holz wird die Akzeptanz des Holzbaues entschieden. Deshalb ist Holzaltern kein Randthema für Traditionalisten oder Heimatschützer, sondern entscheidend für die Zukunft des Holzbaus (umso mehr, will er aus der einschränkenden Kategorisierung des ländlichen Bauens einen Siegeszug in das Städtische antreten). Es rührt an tiefliegende psychische Schichten im Menschen, denen der Volkskundler Bernhard Tschofen in einem Essay nachspürt. »Holz altern lassen« wird bei vielen offensichtlich aus dem Bauch heraus entschieden und auch die Redaktion nähert sich dem Thema weniger technisch als emotional und stellt einige Holzbauten in ihrer »jungfräulichen« Erscheinung einer Momentaufnahme des Heute gegenüber. Mit persönlichen Kommentaren von Besitzern, Architekten oder Otto Kapfinger sollen sie für sich sprechen.