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Eine sehr helle, leichte,
rasch montierte Halle von 16 x 45m, von der Firma selbst als Demonstration
modernen Ingenieurholzbaus detailliert und gefertigt, dient als Anbau
an die bestehende Substanz.
»Holz ist ein Material, das sich gegen sämtliche Oberflächenbehandlungen
wehrt, es wehrt sich einfach gegen den Schutz. Das Holz will atmen,
es will Luft haben, es will altern.«
»In der Oberflächenbehandlung von Holzfassaden haben wir
einiges versucht im Lauf der Zeit. Nichts war länger haltbar.
Da gab es eine farblose Dickschichtlasur einer Schweizer Firma, von
der es hieß, sie hätte einen UV-Schutz, das Holz verwittere
nicht und bliebe wie neu. Wie ein Plastikfilm, eigentlich pervers.
Und wir haben an die Firma geglaubt wie an die Swiss-Air. Nur - innerhalb
von einem Jahr war das eine grauenhafte Geschichte, aufgesplittert
auf der Südseite, einfach grausig.«
»Mittlerweile bin ich eher zurückgegangen und habe das
Thema der natürlichen Verwitterung kultiviert, also das Zurück
ganz auf das Ursprüngliche.«
»Daraus gibt es Erfahrungen. Wie sich das Verwittern entwickelt,
wie sich das Holz verhalten wird. Das kommt in unserem Büro auch
immer mehr in das Planungsprozessdenken mit hinein. Wenn man Erfahrung
hat, kann man vorausschauend ziemlich genau sagen, wie ein bewitterter
Holzteil in zehn Jahren ausschauen wird, je nach Höhenlage des
Hauses, je nach Klimaverhältnis, nach Wetterlage, selbst das
Kleinklima um ein Haus ist entscheidend.«
»Ich bin der Meinung, dass Massivholz nach wie vor das beste
ist. Alles andere, jeder Holzwerkstoff ist eigentlich von der Haltbarkeit
her schlechter als Massivholz, als das normale Holzbrett. Das ist
einmal ein Grundsatz, für den es noch keinen Gegenbeweis gibt.
Eine zweite Grundsatzentscheidung liegt in der Steuerung des Verwitterungsprozesses.
Da gibt es zwei Strategien, die sich natürlich architektonisch
auswirken: Der Versuch, das Holz wirklich zu schützen oder konsequentes
Verwittern.«
»Diese vielzitierte 10-Jahresphase, in der das Holz angeblich
noch nicht schön ausschaut, muss man aus meiner Sicht differenziert
betrachten.
Unbehandelte Fassaden, die gleichmäßig bewittert werden,
sind in jeder Phase schön. Da gibt es keine Fleckigkeit, es ist
ein kontinuierlicher Prozess, in dem das Holz ganz gleichmäßig
von Braun ins leicht grau Schimmernde, ins Hellgrau bis ins Dunkelgrau
übergeht.«
»Will man es also verwittern lassen, vermeidet man Vorsprünge.
Man plant möglichst glatt und fassadenbündig, möglichst
klar, ohne differenzierte Baukörper und am besten mit flächigem
Material. Oder man schützt konsequent mit einem durchgehenden
Vordach und hat dann die Chance, dass das Holz von der Sonne gebräunt
wird und diesen schönen goldbraunen Ton bekommt, relativ gleichmäßig
je nach Exposition. Was aber viel mit der Höhenlage zu tun hat;
ab 1.000 Metern Höhe ist das überhaupt kein Problem, da
werden die Südseiten prinzipiell sonnenverbrannt, weil die UV-Strahlung
so hoch und die Luft so trocken ist, dass es fast ohne Vordach funktioniert,
während die Nordseite grau wird.«
Ȇberzeugungsarbeit leisten wir in Vorarlberg seit vielen
Jahren, auch öffentlich. Nun spüre ich, dass der Kreis von
Menschen, Bauherrn, die das natürliche Holzaltern nicht nur akzeptieren,
sondern auch als Qualität sehen, größer wird. Das
Hauptargument für diese Menschen ist die ökologische Schiene.
Außerdem wird Holz als Baustoff gesehen, der Innovation ausdrückt,
eine kulturell höherwertige Haltung. Die Schicht der Neureichen
ist natürlich absolut keine Holzkundschaft. Das ist eher, nach
wie vor, wie in den sechziger-, siebziger Jahren diese halbintellektuelle
Schicht. Die gehen mit, leben mit, sind diesen Argumenten zugänglich.
Ein wichtiges Argument für den sparsamen Vorarlberger ist ein
ganz pragmatisches. Wenn man die Lebensdauer von Holz nimmt und errechnet,
was in dieser Lebensdauer das Streichen kostet, dann ist es viel billiger,
das Holz verwittern zu lassen. Ein zweites wichtiges Argument sind
in einem Holzbauland wie Vorarlberg die vielen alten verwitterten
Häuser, an denen sich kein Mensch stößt. Dieses Hineinverwittern
in die Landschaft, besonders im ländlichen Raum « |
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Text:
Gedankensplitter von Hermann
Kaufmann zum Altern von Holz.
Auszüge aus einem Gespräch, das am 4. Oktober 2001 in
Graz stattfand.
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