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Was das Holz hält |
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Eine langgestreckte,
introvertierte U-Form aus drei Baukörpern umfasst zwei große
Höfe, welche von einer Durchfahrt getrennt werden: den Wohnhof
im westlichen Bereich sowie den Viehhof im Osten mit offenen Ställen
und Melkturm.
Landwirtschaftliche Bauten sind in Vorarlberg traditionell in Holz
ausgeführt. Ein Bauernhof aus Beton und Stahl: eine Faust aufs
Auge, meint Hubert Vetter, der organisch-biologischen Landbau am mehrfach
ausgezeichneten Vetterhof in Lustenau betreibt.
Gemeinsam mit seiner Frau Annemarie hat er vor zehn Jahren das Konzept
eines Neubaus in Angriff genommen und - offen für moderne Architektur
- mit Roland Gnaiger seinen Architekten gefunden. Noch heute habe
er ein gutes Verhältnis zu seinem Planer, welcher im Sinne des
bäuerlichen Selbstverständnisses die Grenze des Architekteneinflusses
deutlich früher gezogen sah. In einem Gespräch mit Renate
Breuß erzählt der Bauherr nach fünf Jahren Nutzung
von seinen Erfahrungen mit nicht oberflächenbehandelten Baustoffen.
»Holz ist für mich ein lebendiger Baustoff, der warm ist
und der mir ein heimeliges Gefühl gibt. In Holz kann ich selbst
reparieren und als nachwachsender Rohstoff ist Holz für mich
verfügbar. Von den Häusern im Bregenzerwald wissen wir,
dass das unbehandelte Holz langsam altert, dabei grau und schwarz
wird - und trotzdem hält.
»Mit Farbe behandeltes Holz kam für mich nicht in Frage,
ich habe das auf unserem elterlichen Hof einmal erfahren. Man musste
etwas tun und da hat eine Firma dieses »Zeugs« darauf
gestrichen und gespritzt. Da dachte ich mir, das ist doch ein Kitsch
und das Holz erstickt darunter. Der alte Stadel, der unbehandelt blieb,
hat wesentlich besser als der Wohnteil gehalten. Seither war das für
mich kein Thema mehr. Auch der Planer hat uns geraten, das Holz nicht
zu behandeln.«
»Unsere Außenfassade ist mit Lärchenbrettern verschalt.
Als wir für die spätere Anbringung der Solaranlage einige
Bretter wegnehmen mussten, waren diese nach eineinhalb Jahren schon
glashart, richtig ausgebrannt. Wichtig ist, dass die Bretter sägerau
sind und nicht gehobelt. Zudem wollte ich keinen Maler anstellen:
der wäre bei 1.400 m² Außenwand viel beschäftigt.
Die Sorge, dass alles schwarz und grau wird, kann ich nicht teilen.
Mich stört das nicht, ob das jetzt schwarz oder grau oder weiß
ist - halten muss es und wohl fühlen müssen wir uns.«
»Im Innenbereich haben wir - außer in den Verarbeitungsräumen
- nur unbehandelte Holzböden. Breite, rohe Lärchenbretter,
links gehobelt. Die Wahl der Böden hat uns lange beschäftigt.
Einerseits ist es ein großer Kostenfaktor und andererseits gehen
bei uns viele Leute in Straßenschuhen ein und aus. Versiegelt,
geölt oder gewachst, das waren die anfänglichen Perspektiven.
Nach dem Besuch einer Baulehrschau haben wir uns für den rohen
Boden entschieden, da dieser nach einem verregneten Messetag als einziger
keine »schwarze Autobahn« aufwies. Trotz größter
Skepsis hat der hiesige Bodenleger den Boden so gemacht und uns Risse
und Spalten, durch welche das Geld durchfalle, prophezeit.«
»Heute wissen wir - wie mir auch viele Fachleute bestätigen
- dass die Kombination dieser Holzböden mit den lehmverputzten
Wänden ideal ist. Der Lehm nimmt genügend Feuchtigkeit auf
und gibt diese wieder ab, dadurch entstehen keine Risse. Zudem fühlt
sich der Boden immer warm an, im Vergleich dazu ist ein versiegelter
Boden kalt. Das durch den Verzicht auf Schleifen und Ölen eingesparte
Geld haben wir in eine Putzmaschine investiert, mit der der Boden
lediglich nass aufgewischt wird. Mit dem Älterwerden wird er
immer schöner.«
»Direktverkauf und Seminarbetrieb bringen viele Leute in unser
Haus. Einmal erzählte mir eine Frau von allergieartigen Beschwerden,
die sie in jedem neuen Haus habe, hier jedoch nicht. Sie wollte wissen,
was hier drinnen anders als in anderen Neubauten sei. Ich sagte: Was
anders ist, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass nichts
herinnen ist, was nicht herein gehört.«
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Text:
Renate Breuß
Kunsthistorikerin, externe Lehrbeauftragte an der Fachhochschule
Dornbirn, Studiengang Intermedia. Publikationen und Aufsätze
zu alltagskulturellen Themen.
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(Zeitschrift Zuschnitt 4, 2001;
Seite 16ff.) |
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