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In ländlichen Regionen
wurde der Gast immer mit Holz »bedient«. Traditionelle
Bauweisen und Interieurs - naturgemäß mit Holz und Stein
- eigneten sich bestens als Projektion einer heilen Welt, die der
moderne, urban geprägte Großstadtmensch während weniger
Wochen im Jahr zu finden hoffte. Bauen mit Holz wurde Teil einer touristischen
Vermarktungsstrategie, die mit Bildern des Ruralen Sehnsüchte
nach Heimeligkeit befriedigen will. Zeitgleich mit dem Verlust regionaler
Identitäten - durch strukturelle Veränderungen und vermutlich
auch im Zusammenhang damit - ist eine Urbanisierung touristischer
Begehrlichkeiten zu bemerken. Diese beschränkt sich allerdings
auf coole Events, am Lederhosenimage des alpinen Baustils kratzt sie
kaum.
Dabei ist Erneuerung dort, wo Authentizität längst nicht
mehr gegeben ist, wo Holz zur rein dekorativen Schablone verkommt,
höchst an der Zeit. In seiner vielgesichtigen Materialität
ist es durchaus in der Lage, Wirkung zu erzeugen mit Schlichtheit.
Die Wärme, die es a priori in sich trägt, gibt genug her.
Neben Atmosphärischem sprechen handfeste Motive für die
Verwendung von Holz im alpinen Tourismus. Moderne, leistungsstarke
Holzwerkstoffe und neue Technologien ermöglichen einen hohen
Grad an Vorfertigung. Die Vorteile der Fabrikation ganzer Wandelemente
und Raumzellen in der Werkstatt liegen auf der Hand: In der witterungsunabhängigen
Halle kann unter optimalen Bedingungen mit Unterstützung computergesteuerter
Maschinen schnell und präzise gearbeitet werden. Die Montage,
der »Rohbau« bis zum schützenden Dach, erfolgt in
wenigen Tagen. Neubauten wie das Apartmenthaus Lechblick in Warth,
das Zuschnitt vorstellt, entstehen in der kurzen Schönwetterperiode
alpiner Regionen.
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Extremer in den Bedingungen
für die Errichtung und mit höheren Ansprüchen auf Wetterfestigkeit,
eignet sich vorgefertigter Holzbau für Schutzhütten im schwer
zugänglichen hochalpinen Raum. Dort, wo es keine Zufahrtsmöglichkeiten
gibt, wo schlechte Fundierungsmöglichkeit zu Leichtbau und instabile
Wetterlagen zu rascher Montage zwingen, können der hohe logistische
Planungsaufwand und der Zwang zu äußerster Ökonomie,
der der Präfabrikation immanent ist, zu hoher Reife führen.
In dieser Baukategorie gibt es Erneuerungsbedarf, aber noch wenige
gebaute Vorbilder. Die Berghütte auf dem Plateau de Saleinaz
im Schweizer Wallis, die Zuschnitt zeigt, könnte ein solches
sein.
In die urbane Gastlichkeit, in städtische Cafés und Restaurants,
kehrt Holz nach Jahren der Unterrepräsentanz verstärkt zurück.
Es tritt nicht länger nur als Möbel auf. Sorgfältig
abgestimmte Hölzer werden flächig eingesetzt: als Wandtäfelung,
exquisit ausgewählter Fußboden und raumbildendes Element.
Holz bedient den Gast wieder - mit Atmosphäre ganz ohne Schnickschnack.
Text:
Karin Tschavgova
Leitende Redakteurin der Zeitschrift »zuschnitt«
redaktion@zuschnitt.at |