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Es war schnell hingesagt: Leicht und Schwer als Thema für
das vorliegende Heft. Nur: Was ist leicht im Holzbau, was ist schwer?
Oder: Ist Holzbau immer Leichtbau?
Früher war alles ganz einfach oder ganz leicht. Holzbau
war Leichtbau, weil Holz ein Material mit vergleichsweise geringem
spezifischen Gewicht ist. Nicht erst seit der Entwicklung der Holzmassivbauweise
in Platten (siehe Zuschnitt 6, Brettsperrholz) muss diese Definition
relativiert und differenziert werden. Hallenkonstruktionen in Holz
mit weitgespannten Dächern und hohen dynamischen Lastannahmen,
etwa bei Schneelasten im alpinen Raum, wirken nur dann nicht schwer,
wenn massive Träger gekonnt in Fachwerkträger oder räumliche
Tragwerke aufgelöst werden. Tatsächlich benötigen
diese oft einen erheblichen Anteil an Stahl für Knoten und
Aussteifung. In so mancher Dachkonstruktion soll der (versteckte)
Stahlanteil das Gewicht der Holzkonstruktion übertreffen.
Grundsätzlich gilt für die Wahl einer Konstruktion, herauszufinden,
wieviel Materie und damit Gewicht erforderlich, sinnvoll
und wirtschaftlich vertretbar ist, um ihre Funktion und Leistungsfähigkeit
zu gewährleisten. Immer schon ging es dem Konstrukteur darum,
ein Tragwerk zwischen »gefährlich leicht« und »unnötig
schwer« auszuloten. Und Holz erwies sich beim Versuch, Gewicht
zu minimieren, als geeignetes Material. Genau deshalb wurde in den
Dreißigerjahren nicht nur im Segelflug die amerikanische Neuentwicklung
Sperrholz sofort eingesetzt, um formschöne, elegante und vor
allem leichte Flugzeuge zu konstruieren. Die schnittige de Havilland
Albatross, ein Verkehrsflugzeug mit vier 525 PS-Motoren, war mit
einem geschichteten Rumpf aus Zedernholz und einem Kern aus Balsa
komplett aus Holz.
Etwa zur selben Zeit suchte die Moderne, durch Ausmagerung des
Tragwerks und durch Dematerialisierung der Baustoffe, leicht zu
bauen. Dem überkommenen, tradierten Modell des schweren Bauens
als Ausdruck von Macht und Repräsentation sollte eine neue
Ethik, ein neuer Weltentwurf entgegengesetzt werden. Leichtigkeit
und Transparenz als architektonische Mittel stellten diese Absicht
dar.
John Rajchman, der amerikanischer Philosoph und Kunsttheoretiker
erhofft sich eine neue »leichte« Erde mit einem Konzept,
das »selbst die schwersten Materialien bewegt und die zartesten
Transparenzen langsam und schwer werden lässt« und er
fragt: »Können wir von leichten Materialitäten sprechen
und von schweren Transparenzen?«
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Ebenso muss einer differenzierten Betrachtung des Holzbaus eine
Neubestimmung von leicht und schwer, von statisch und dynamisch
folgen. Was bei Rajchman theoretischer Diskurs bleibt, ist am Beispiel
der in diesem Heft vorgestellten »Dynamischen Brücke«,
dem Ergebnis einer Entwurfsarbeit von Architekturstudenten unter
Betreuung von Prof. Wolfdietrich Ziesel, intelligent umgesetzt.
Der Fußgängersteg reagiert aktiv auf Belastung und nützt
die einwirkenden Kräfte zur Erzeugung von Gegenkräften,
die das Tragwerk stabilisieren. Was bedeutet, dass solch ein dynamisches
System eine Minimierung der Querschnitte also Leichtigkeit
der Konstruktion möglich macht.
Allerdings: Die Wahrnehmung von Holzkonstruktionen als leicht oder
schwer hängt auch vom Kontext ab, in dem sie stehen
von Faktoren wie Maßstäblichkeit, Lichteinfall, Farbe,
Grad der Offen- oder Geschlossenheit, der Relation zu anderen Materialien
oder der Erwartungshaltung des Betrachters.
Ein an sich schweres, massives Dachtragwerk mit einer weiten Auskragung,
wie jenes am Einkaufszentrum Lustenau von Marques + Zurkirchen,
wird durch eine vollflächige Ummantelung mit transparenten
Kunststoffplatten abstrahiert und wirkt dadurch leicht. Andererseits
kann das Schwere gewollter optischer Effekt sein, wie im neuen Foyer
der Schweizer Rückversicherung in Zürich. Schwere Holzleimbinder
geben dort den großen vertikalen Glasflächen Halt und
evozieren das visuelle Spiel zwischen Schwere und Leichtigkeit im
Raum.
Eines lässt sich sagen: Leicht im Sinn von einfach ist es
nicht, eine Zuordnung des Holzbaus zu leicht oder schwer vorzunehmen.
Doch braucht es Kategorisierungen? Man schaue und erlebe und lasse
auf sich wirken und finde das Leichte oder das Schwere jedesmal
von neuem für sich selbst.
Text: Karin
Tschavgova
Leitende Redakteurin der Zeitschrift »zuschnitt«
redaktion@zuschnitt.at
Links:
Bücher von John
Rajchman
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