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Wälder können
ohne den Menschen leben, wir Menschen aber nicht ohne den Wald
Durch Jahrtausende war der Wald für die Menschheit Reserve und
Ressource zugleich und er gab ihr alles, was sie zum Leben und Überleben
brauchte: Er lieferte die benötigten Güter wie Holz, Früchte,
Beeren, Pilze, Honig und Arzneien und bot Schutz vor Elementarereignissen
wie Lawinen, Murenabgängen und Hochwasser. Häufig war er
dabei nur ein dienendes Glied eines anderen Wirtschaftszweiges, bestimmter
Gewerbe oder Industrien oder der Jagd. Vor allem aber trug er als
sogenannter »Nährwald« zur Existenzsicherung der
ländlichen Bevölkerung bei, die ohne die landwirtschaftliche
Nutzung des Waldes in Form von Brandwirtschaft, Waldweide und Streunutzung
nicht hätte überleben können.
Stets war das Holz ein wertvoller Rohstoff, der spätestens nach
den ersten Ansiedlungen und mit dem Anwachsen der Bevölkerung
für die Deckung des menschlichen Lebensbedarfs in ständig
wachsendem Umfang benötigt wurde. Das Holz griff in alle Gebiete
des Kulturdaseins hinein und war bis ins 19. Jahrhundert für
alle Zweige des Wirtschaftslebens die Vorbedingung ihrer Blüte.
Der Holzverbrauch der Bevölkerung ist für die vorgeschichtliche
wie für die frühgeschichtliche Zeit, besonders aber seit
dem Mittelalter nicht zu gering einzuschätzen. Allein das zum
Zweck gewerblicher Holznutzung abgegebene Nutzholz umfasste laut »Taxbüchel
des Waldamtes im Wienerwald« von 1671 - 76 verschiedene Sortimente
wie Eichenstämme, Tannenholz, Binderholz, Leiterholz, Kohlholz,
Kalkholz, Drechslerholz, Tischlerholz, Schindeln usw. In dem »Brenn-
und Bauholzaufschlag« Kaiser Leopolds von 1698 werden sogar
90 Holzsortimente erwähnt.
Holz hatte bis zu seiner Substitution durch fossile Brennstoffe im
Rahmen der industriellen Revolution eine absolut dominierende Stellung
als fast ausschließliche Wärme-, Kraft- und Energiequelle
für das frühkapitalistische Großgewerbe, insbesondere
die Montanindustrie, sowie als Rohstoff für den gewerblichen
wie privaten Gebrauch. Vor allem in den Alpenländern war der
Bedarf der Montan- und Salinenwälder ein so großer, dass
sogar die schönsten Nutzholzbestände nicht nur an Fichte,
sondern auch an Lärche und Zirbe in die Kohlenmeiler oder als
Hallholz in die Sudpfannen der Saline wanderten.
Für den Abbau und die Weiterverarbeitung von Erzen, besonders
von Eisenerz und Salz, war der Wald die Grundlage, das Holz das wichtigste
Betriebsmittel. Holz brauchte man für die Herstellung der Grubenbauten,
für die langen Holzrohre als Transportmittel der Sole zu den
Pfannhäusern, für Kufen und Fässer zur Verpackung des
Salzes, für Salzschiffe, Riesen, Klausen, Triftrechen und Uferschutzbauten,
am meisten aber als Brennholz zum Aussieden der Salzsole in den Pfannen,
als Holzkohle zum Ausschmelzen des Eisenerzes in den Hochöfen
und zum Schmieden des Eisens in den Hammerwerken. Durch die Verleihung
des Berg- und Forstregals an geistliche und weltliche Landesfürsten
durch die deutschen Könige wurde nicht nur der Abbau von Erzen
und Salz am Berg geregelt, sondern auch die Holzversorgung der Salinen,
Berg-, Hütten-, Hammer- und Sudwerke gesichert, die aufgrund
eines wirkungsvollen Steuersystems die wichtigste Einnahmequelle für
den Fiskus darstellten
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Urwald im Altvatergebirge, 1904 im Eigentum
des Fürsten Johann Lichtenstein.
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Text:
Elisabeth Johann
Studien der Rechtswissenschaften, Geschichte, Volkswirtschaft,
Forstwissenschaft an den Universitäten Wien, München,
Freiburg. Mitarbeit an Projekten der Universitäten München,
Wien, der Universität für Bodenkultur Wien und der
Österr. Akademie der Wissenschaften (Umweltmonitoring).
Vertretungsprofessur an der Universität Freiburg, Arbeitsbereich
Forstgeschichte.
Derzeit Lehrauftrag an der Universität für Bodenkultur
für Internationale Forstgeschichte. Seit 1995 Leiterin
der Fachgruppe Forstgeschichte der IUFRO, des Internationalen
Verbandes forstlicher Forschungsanstalten und der Arbeitsgruppe
Forstgeschichte des Österreichischen Forstvereins. Autorin
bzw. Mitautorin von fünf Büchern und rund vierzig
wissenschaftlichen Arbeiten. Derzeitiger Arbeitsschwerpunkt
ist die Mitarbeit am Projekt »Umweltgeschichte der Stadt
Wien« (Holzversorgung und Umweltbewegung).
Links extern
Autorin: Österreichischer
Forstverein
Arbeitsgruppe Forstgeschichte
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