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Sägeindustrie - Rohstoffversorgung

Georg Binder
Erschienen in
Zuschnitt 8: Forst & Holz
Dezember 2002 - Februar 2003

Österreichs Sägeindustrie 
Die österreichische Sägeindustrie gehört zu den führenden Holzindustrien der Welt. Mit einem Einschnitt von 16Mio m³ Rohholz, rund 8 bis 11 Millionen davon aus Österreich, ist die Sägeindustrie der größte Abnehmer von Rundholz. Mit einer Produktion von 10 Mio m³; Nadelschnittholz (Wert 2002) liegt Österreich weltweit an siebenter Stelle der Produzentenländer. Die Stärken der heimischen Sägeindustrie liegen in der extrem rationalisierten Produktion und in der Marktnähe zu den großen mitteleuropäischen Absatzmärkten.
Rund 1.500 Sägewerke sind zumeist Familienbetriebe, die seit Generationen das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in ihrem lokalen Umfeld prägen. Der Eigentümer trifft in der Regel Entscheidungen selbst oder im kleinen Familienverband, echte Managementebenen sind eine Seltenheit. Diese traditionelle Struktur trifft auf sehr dynamische Marktentwicklungen wie _ den Zwang zur Weiterverarbeitung für höhere Wertschöpfung 
_ die Bildung größerer Einheiten zur optimalen Ausnützung der Maschinen 
_ die Internationalisierung der Rohstoff- und Absatzmärkte 
_ die Konzentration zu internationalen Großkonzernen  


Schon heute erzeugen in Österreich etwas mehr als eine Handvoll großer Werke rund 60 Prozent der gesamten Schnittholzproduktion. Dennoch ist der Prozess zur Konzentration erst am Beginn, hat doch der größte Holzkonzern der Welt gerade einmal einen Anteil von rund einem Prozent an der gesamten Weltproduktion.

Rohstoffversorgung: Schlüssel zum Erfolg

Mehr als die Hälfte der Produktionskosten in einem Sägewerk entfallen auf Materialkosten für den Rohstoff Rundholz. Die Lebensader jedes industriell geführten Sägewerks besteht daher in einer kontinuierlichen Zufuhr des passenden Rundholzes. Durch immer größere Produktionseinheiten wurde in den letzten Jahren der Wettbewerb um das Rundholz gewaltig verschärft. Fand früher der Einkauf im Umkreis von 100 bis 150km vom Werk statt, so weitet sich der Radius nun immer mehr aus und Importe aus benachbarten Ländern werden zur Praxis. 

Mit fortschreitender Technik wanderte die Übernahme des Rundholzes vom Wald zum Sägewerk. Heute erfolgt nach der Entrindung die Vermessung der Stämme nach önorm im Werk durch geeichte elektronische Geräte. Dabei werden die Durchmesser der Stämme und Merkmale wie Abholzigkeit und Krümmung festgestellt. Ein Übernahmeprotokoll dient der Verrechnung mit dem Forstlieferanten. Danach erfolgt die geordnete Ablage der Stämme in Boxen. 
Bei der Übernahme kommen vermehrt neue Techniken zum Tragen. Was zum Teil bereits heute mit Röntgentechnologie versucht wird, soll generelles Ziel werden - das gänzliche »Durchleuchten des Stamms«.

Einschnitt mit Tempo - aus dem Cockpit
In der Nachkriegszeit dominierte das »Gatter« die Technik des Einschnitts von Nadelrundholz im Sägewerk. Mehrere vertikal gespannte lange Sägeblätter arbeiteten sich mittels mechanischem Antrieb durch den Stamm. Ende der Siebziger Jahre fand die entscheidende Revolution am Maschinensektor statt: Maschinen mit rotierenden Kreissägeblättern, sogenannte Zerspaner, die hinsichtlich Geschwindigkeit beim Einschnitt neue Maßstäbe setzten, kamen auf den Markt. Heute sind Geschwindigkeiten von bis zu 160 Metern pro Minute möglich, können also 40 Stämme mit einer Länge von jeweils vier Metern pro Minute eingeschnitten werden. Wenige Arbeitskräfte steuern die Produktion von modernen Steuerkanzeln - gleich dem Cockpit eines Flugzeugs - aus. Über Computer werden (Ein-) Schnittbilder errechnet, die den Stamm in verschiedene Dimensionen der Bretter einteilen. Die Produktion trennt Hauptware aus dem Zentrum und Seitenware aus dem Randbereich des Stamms. Während die Hauptware mit oder ohne Weiterverarbeitung vorwiegend in den Baubereich geht, findet die minderwertige Seitenware ihren Absatz im Verpackungssektor.
Die Ausbeute liegt im Schnitt in Österreich bei 60 Prozent des Rundholzes (gegenüber 45 bis 50 Prozent in Nordamerika und Skandinavien). Die anderen 40 Prozent Sägenebenprodukte, im Wesentlichen Hackgut und Sägespäne, sind wertvolle Rohstoffe für die Papier- und Plattenindustrie.

Sortiert zum Trocknen
Nach dem Einschnitt werden die Bretter zumeist visuell, im Einzelfall maschinell (auf Festigkeit), sortiert, in Etagen gelagert, um schließlich zur Paketierung zu gelangen. Das Schnittholz für die Weiterverarbeitung wird den Trockenkammern zugeführt. Dort bestimmt der Computer die Feuchte der Bretter, berechnet Temperatur und Trockenzeit. Getrocknet wird bis auf 18 oder 12 Prozent Restfeuchte im Holz. Die Trockenkammern werden mit der im Werk anfallenden Rinde beheizt. Je nach Ausrichtung des Betriebs setzt dann die Weiterverarbeitung ein, es folgt Hobeln, Keilzinken, Verleimen und Pressen.

Nachtrag 
Der beschriebene Ablauf gilt für die industrielle Produktion von Nadelschnittholz (96% der Gesamtproduktion Österreichs). Es gibt auch einige potente Laubholzsägewerke, die als »Filetierer« des Rundholzes gelten, da sie mit Bandsägen minutiös den Stamm nach der natürlichen Beschaffenheit aufschneiden und somit die Ausbeute optimieren. Nach dem Einschnitt werden die Bretter oft gedämpft, um dem Holz einen anderen Farbton zu verleihen. Schlechtere Qualitäten gehen derzeit in die Produktion von Bahnschwellen, es wird jedoch - auch in Forschungsprojekten - intensiv daran gearbeitet, die Wertschöpfung zu erhöhen. Zunehmend werden daher Einsatzbereiche für den konstruktiven Bau gesucht.


Im Sägewerk : Von der Anlieferung der Rundholzbloche bis zur Weitergabe der Schnittholzprodukte oder ...

der zusätzlichen Weiterverarbeitung in Brettschichtholz, Massivholz- oder Betonschalplatten , in Konstruktionsvollholz und ...

Schalungsträger kennzeichnet modernste Zerspaner- und Sägetechnologie mit Hightechmaschine n die einzelnen Produktionsbereiche.