Österreichs Sägeindustrie
Die österreichische Sägeindustrie gehört zu den führenden
Holzindustrien der Welt. Mit einem Einschnitt von 16Mio m³ Rundholz,
rund 8 bis 11 Millionen davon aus Österreich, ist die Sägeindustrie
der größte Abnehmer von Rundholz. Mit einer Produktion
von 10 Mio m³; Nadelschnittholz (Wert 2002) liegt Österreich
weltweit an siebenter Stelle der Produzentenländer. Die Stärken
der heimischen Sägeindustrie liegen in der extrem rationalisierten
Produktion und in der Marktnähe zu den großen mitteleuropäischen
Absatzmärkten.
Rund 1.500 Sägewerke sind zumeist Familienbetriebe, die seit
Generationen das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in ihrem
lokalen Umfeld prägen. Der Eigentümer trifft in der Regel
Entscheidungen selbst oder im kleinen Familienverband, echte Managementebenen
sind eine Seltenheit. Diese traditionelle Struktur trifft auf sehr
dynamische Marktentwicklungen wie
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den Zwang zur Weiterverarbeitung für höhere Wertschöpfung |
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die Bildung größerer Einheiten zur optimalen Ausnützung
der Maschinen |
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die Internationalisierung der Rohstoff- und Absatzmärkte |
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die Konzentration zu internationalen Großkonzernen |
Schon heute erzeugen in Österreich etwas mehr als eine Handvoll
großer Werke rund 60 Prozent der gesamten Schnittholzproduktion.
Dennoch ist der Prozess zur Konzentration erst am Beginn, hat doch
der größte Holzkonzern der Welt gerade einmal einen Anteil
von rund einem Prozent an der gesamten Weltproduktion.
Rohstoffversorgung: Schlüssel zum Erfolg
Mehr als die Hälfte der Produktionskosten in einem Sägewerk
entfallen auf Materialkosten für den Rohstoff Rundholz. Die
Lebensader jedes industriell geführten Sägewerks besteht
daher in einer kontinuierlichen Zufuhr des passenden Rundholzes.
Durch immer größere Produktionseinheiten wurde in den
letzten Jahren der Wettbewerb um das Rundholz gewaltig verschärft.
Fand früher der Einkauf im Umkreis von 100 bis 150km vom Werk
statt, so weitet sich der Radius nun immer mehr aus und Importe
aus benachbarten Ländern werden zur Praxis.
Mit fortschreitender Technik wanderte die Übernahme des Rundholzes
vom Wald zum Sägewerk. Heute erfolgt nach der Entrindung die
Vermessung der Stämme nach önorm im Werk durch geeichte
elektronische Geräte. Dabei werden die Durchmesser der Stämme
und Merkmale wie Abholzigkeit und Krümmung festgestellt. Ein
Übernahmeprotokoll dient der Verrechnung mit dem Forstlieferanten.
Danach erfolgt die geordnete Ablage der Stämme in Boxen.
Bei der Übernahme kommen vermehrt neue Techniken zum Tragen.
Was zum Teil bereits heute mit Röntgentechnologie versucht
wird, soll generelles Ziel werden - das gänzliche »Durchleuchten
des Stamms«.
Einschnitt mit Tempo - aus dem Cockpit
In der Nachkriegszeit dominierte das »Gatter« die Technik
des Einschnitts von Nadelrundholz im Sägewerk. Mehrere vertikal
gespannte lange Sägeblätter arbeiteten sich mittels mechanischem
Antrieb durch den Stamm. Ende der Siebziger Jahre fand die entscheidende
Revolution am Maschinensektor statt: Maschinen mit rotierenden Kreissägeblättern,
sogenannte Zerspaner, die hinsichtlich Geschwindigkeit beim Einschnitt
neue Maßstäbe setzten, kamen auf den Markt. Heute sind
Geschwindigkeiten von bis zu 160 Metern pro Minute möglich,
können also 40 Stämme mit einer Länge von jeweils
vier Metern pro Minute eingeschnitten werden. Wenige Arbeitskräfte
steuern die Produktion von modernen Steuerkanzeln - gleich dem Cockpit
eines Flugzeugs - aus. Über Computer werden (Ein-) Schnittbilder
errechnet, die den Stamm in verschiedene Dimensionen der Bretter
einteilen. Die Produktion trennt Hauptware aus dem Zentrum und Seitenware
aus dem Randbereich des Stamms. Während die Hauptware mit oder
ohne Weiterverarbeitung vorwiegend in den Baubereich geht, findet
die minderwertige Seitenware ihren Absatz im Verpackungssektor.
Die Ausbeute liegt im Schnitt in Österreich bei 60 Prozent
des Rundholzes (gegenüber 45 bis 50 Prozent in Nordamerika
und Skandinavien). Die anderen 40 Prozent Sägenebenprodukte,
im Wesentlichen Hackgut und Sägespäne, sind wertvolle
Rohstoffe für die Papier- und Plattenindustrie.
Sortiert zum Trocknen
Nach dem Einschnitt werden die Bretter zumeist visuell, im Einzelfall
maschinell (auf Festigkeit), sortiert, in Etagen gelagert, um schließlich
zur Paketierung zu gelangen. Das Schnittholz für die Weiterverarbeitung
wird den Trockenkammern zugeführt. Dort bestimmt der Computer
die Feuchte der Bretter, berechnet Temperatur und Trockenzeit. Getrocknet
wird bis auf 18 oder 12 Prozent Restfeuchte im Holz. Die Trockenkammern
werden mit der im Werk anfallenden Rinde beheizt. Je nach Ausrichtung
des Betriebs setzt dann die Weiterverarbeitung ein, es folgt Hobeln,
Keilzinken, Verleimen und Pressen.
Nachtrag
Der beschriebene Ablauf gilt für die industrielle Produktion
von Nadelschnittholz (96% der Gesamtproduktion Österreichs).
Es gibt auch einige potente Laubholzsägewerke, die als »Filetierer«
des Rundholzes gelten, da sie mit Bandsägen minutiös den
Stamm nach der natürlichen Beschaffenheit aufschneiden und
somit die Ausbeute optimieren. Nach dem Einschnitt werden die Bretter
oft gedämpft, um dem Holz einen anderen Farbton zu verleihen.
Schlechtere Qualitäten gehen derzeit in die Produktion von
Bahnschwellen, es wird jedoch - auch in Forschungsprojekten - intensiv
daran gearbeitet, die Wertschöpfung zu erhöhen. Zunehmend
werden daher Einsatzbereiche für den konstruktiven Bau gesucht.
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