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Was ist eigentlich Holz?

Anselm Spring und Maximilian Glas
Erschienen in
Zuschnitt 8: Forst & Holz
Dezember 2002 - Februar 2003

Was ist eigentlich Holz?

Kleiner Einblick in eine Dimension, die man im normalen Licht nicht sehen kann.
Eine neue bizarre Formenwelt erschließt sich unter dem hochauflösenden Mikroskop.

Eigenschaften haben Ursachen. Die immense Vielseitigkeit von Holz entsteht durch die zahllosen Möglichkeiten im Aufbau der Holzgewebe. In den über 350 Millionen Jahren Baumgeschichte hatte die Natur Zeit, unterschiedlichste Feinstrukturen zu erproben.

Es gibt nicht »das typische Holzgewebe«, es gibt Dutzende von spezialisierten Zellen und Zellverbänden. Holz hat eine komplexe Anatomie. Man unterscheidet zum Beispiel Siebröhren, Bastparenchyme, Hoftüpfel, Harzkanäle, Meristeme, Holz, Tracheiden - um nur ein paar wenige Details zu nennen. Die Formen richten sich dabei nach den Aufgaben, ob Zellen und Gewebe Speicher-, Leit-, Wachstums- oder Festigkeitsfunktionen übernehmen.

Holz besteht aus Cellulose und Lignin; es enthält zudem Harze, Wachse, Fette, Öle, Stärke, Zucker, verschiedene Mineral-, Gerb- und Farbstoffe, sowie Alkaloide. Es ist vor allem das Lignin, das aus einer gewöhnlichen Pflanzenzelle die Zelle eines Holzes macht. Lignin (von lateinisch lignum, das Holz) ist nach der Cellulose der mengenmäßig wichtigste Rohstoff im Pflanzenreich, 20 bis 40 Prozent vom Trockengewicht des Holzes bestehen aus diesem Verholzungsstoff; bei Nadelhölzern ist der Anteil höher als bei Laubhölzern. Der komplexe und hochpolymere Stoff ist chemisch und physikalisch fest mit der Cellulose verbunden und macht sie stabil und druckfest. Durch die Ligninbildung verholzen unterschiedliche Pflanzenteile, nicht nur der Stamm. Auch feinste Triebe, Würzelchen, Nussschalen und Zapfen, überhaupt viele Früchte und Samen enthalten Lignin.