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Farben der Natur erwünscht

Martin Höbarth
Erschienen in
Zuschnitt 9: Holz im Möbel
März 2003, Seite 21

Die Natur schenkt uns Holz in vielen natürlichen Farbvariationen. Holzverarbeiter nutzen die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, leider viel zu selten oder überhaupt nicht. Eschenholz hat gefälligst hellgelb, Rotbuche hat weiß zu sein. Die Eschenküche wurde geliefert. Amerikanische Esche, monotones Hellgelb, kein Anflug eines Ästchens oder einer Farbvariation - tot, eine Plastikküche wäre nicht anders gewesen. »So wollen es die Kunden«, meinte noch der Tischler. Wir hätten gerne in einer lebendigen Küche zu Mittag gegessen, die bereits auf den ersten Blick an Holz erinnert und erst gar keine Spekulationen aufkommen lässt. Die Forstwirtschaft soll naturnah produzieren, das Natürlichste wie zum Beispiel der Rotkern einer Buche, wird jedoch von den Verarbeitern abgelehnt. Ist da vielleicht auch die Liebe zum Werkstoff Holz verloren gegangen? Alte Buchen sind das Wunschziel ach so vieler Naturliebhaber. Buchen ab einem Alter von rund 100 Jahren beginnen aber einen Rotkern auszubilden. Reservestoffe des Baumes werden durch Luftsauerstoff in farbige Inhaltsstoffe umgewandelt. Das Holz behält dabei alle seine positiven Eigenschaften.

Von Herstellern und Produkthändlern wird die Einstellung des Verbrauchers zum Rotkern zu Unrecht negativ eingeschätzt. Der Endkunde bekommt so gut wie nie Produkte aus kernigem Holz zu Gesicht und kann sich deshalb keine Meinung bilden und schon gar keine Nachfrage generieren. Der Kern muss verstärkt in Szene gesetzt werden, seine optischen Besonderheiten und Möglichkeiten sind voll auszuspielen. Dazu bedarf es aber Verarbeiter, die es lieben, Holz auch individuell zu verarbeiten. Der alte Eschenbaum stand direkt vor dem Haus und musste wegen seines zu üppigen Schattens weichen. Der Stamm wunderbar, die Farbpalette des Kerns reichte von Grün bis Violett. Die Bretter sollten zu einem Kästchen in besagter Küche verarbeitet werden. Gut, dass wir beim Tischler vorbeischauten, um uns über den Arbeitsfortschritt zu erkundigen. »Diese Bretter kann man nicht nehmen«, so der Tischler. Wir bestanden darauf. Dieses Kästchen wird heute im Gegensatz zu den restlichen Küchenmöbeln von allen bewundert. Ein Möbel, das wahrscheinlich einmal als Antiquität gehandelt werden wird, und doch so gar nicht hätte geboren werden sollen. Verfärbungen im Kern des Holzes sind keine Fehler, sondern Wuchsmerkmale. Mit den typischen Farben verkernter Hölzer wird jedes Möbel zum Unikat.

PS: Immer mehr Fußbodenhersteller bieten neuerdings rotkernige Buche an. Fragen Sie Ihren Händler!

Text

Martin Höbarth
  • Leiter der Fachabteilung Forst- und Holzwirtschaft/Landwirtschaftskammer Österreich

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